zur Navigation springen

Flughafen Berlin : Zweiter Frühling für Tegel?

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Bundesverkehrsminister Dobrindt schwenkt um: Innerstädtischer Flughafen soll weiter in Betrieb bleiben

svz.de von
erstellt am 07.Jul.2017 | 20:16 Uhr

Elf Wochen vor der Bundestagswahl bekommt die Debatte über einen Weiterbetrieb des Berliner Flughafens Tegel neuen Schwung. Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) schlug sich gestern überraschend auf die Seite der Tegel-Befürworter. Die Projektpartner Berlin und Brandenburg waren nach eigenen Angaben vorab nicht informiert. Gemeinsam hatten sie vor zwei Jahrzehnten vereinbart, Tegel zu schließen, wenn der neue Hauptstadtflughafen in Schönefeld in Betrieb geht.

Die Eröffnung des drittgrößten deutschen Flughafens ist wegen Baumängeln seit fast sechs Jahren überfällig, inzwischen ist auch die geplante Eröffnung 2018 unsicher. Die Berliner befinden am Tag der Bundestagswahl am 24. September auch in einem Volksentscheid darüber, ob der Senat einen Weiterbetrieb Tegels veranlassen soll. „Eine Hauptstadt mit zwei Flughäfen ist gut vorstellbar“, sagte Dobrindt. „Die Kapazitäten des BER werden mittelfristig für Berlin wohl nicht ausreichend sein. Auch deshalb kann man über die Offenhaltung des Flughafens Tegel nachdenken.“ Dobrindt forderte von der Flughafengesellschaft eine Prüfung, „wie die notwendigen rechtlichen und betrieblichen Rahmenbedingungen dafür geschaffen werden können“.

Die Länder Berlin und Brandenburg reagierten empört auf Dobrindts nicht abgestimmten Vorstoß. „Bei einem so ernsthaften Thema erwarten wir Verlässlichkeit von den Gesellschaftern“, sagte Senatssprecherin Claudia Sünder. Der Potsdamer Regierungssprecher Florian Engels sagte: „Partnerschaft sieht anders aus.“ Die Schließung der Altflughäfen Tegel und Tempelhof war Planungsgrundlage für den neuen Flughafen an der Stadtgrenze in Brandenburg.

BER-Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup warnte: „Eine Offenhaltung Tegels würde uns vor gewaltige wirtschaftliche Schwierigkeiten stellen.“ Der Betrieb Tegels parallel zum BER koste jährlich mindestens 100 Millionen Euro zusätzlich, eher sogar einen Betrag „näher an den 200 Millionen als an den 100 Millionen“. Zudem müssten in das alte Terminal, die Rollwege, Startbahnen und Versorgungsleitungen in Tegel nach Lütke Daldrups Worten 1,1 Milliarden Euro investiert werden. Rund 400 Millionen Euro würden für zusätzlichen Lärmschutz für die Anwohner fällig.

Der Volksentscheid wurde maßgeblich von der FDP herbeigeführt. Aus ihrer Sicht stellt sich Dobrindt lediglich den Realitäten. Der CSU-Minister hatte bei seinem Vorstoß auch die Kehrtwende der Berliner CDU vor Augen: Nach einer Mitgliederbefragung ist sie in dieser Woche ins Pro-Tegel-Lager gewechselt.

Das liegt daran, dass teilweise zu dünne Wasserrohre zu den Sprinklern an den BER-Terminaldecken führen und ausgetauscht werden. „Das Sprinklerthema wird uns das ganze Jahr noch begleiten“, sagte Lütke Daldrup. „Es kann sein, dass es vor Jahresende, es kann aber auch sein, dass es nach Jahresende fertiggestellt wird.“ Auf die Frage, ob das Ziel einer Eröffnung des Flughafens 2018 noch erreichbar sei, sagte Lütke Daldrup nur: „Es bleibt mein Ziel, baldmöglichst dazu Klarheit zu schaffen.“ Weil der neue Flughafen zu klein ist, beschloss der Aufsichtsrat, daneben ein einfaches Zusatzterminal hochzuziehen, das vom ersten Halbjahr 2020 an genutzt werden soll.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen