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Stau auf dem Skyway : Zurück in die Zukunft

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Als der 21. Oktober 2015 noch in ferner Zukunft lag – Wie genau sagten Filmemacher in den 1980ern unsere Welt von heute voraus?

svz.de von
erstellt am 18.Okt.2015 | 09:00 Uhr

„Bitte schicken Sie mir ein Hoverboard, aber möglichst keines in Pink!“ – „Derartige Bestellungen bekamen wir damals zu Hauf“, erinnert sich Zurück-in-die-Zukunft-Drehbuchautor Bob Gale heute noch gut. Das Hoverboard, ein schwebendes Skateboard, klar, dass das jeder haben wollte, der den zweiten Teil des Blockbusters „Zurück in die Zukunft“ 1989 im Kino gesehen hatte. Michael J. Fox reiste darin als Marty McFly mit einer Zeitmaschine zum 21. Oktober 2015 und staunte dort zusammen mit dem Kinobesucher der 1980er Jahre nicht schlecht über die Welt der Zukunft – also unsere Welt von heute. Da fragt sich natürlich: Wie nah waren die Filmemacher damals dran, an der Welt des 21. Oktobers 2015?

Oder vielleicht besser anders herum: Fliegende Autos, die Wettervorhersage geht auf fünf Sekunden genau, und die Cola kostet 50 Dollar – war das wirklich der volle Ernst von Regisseur Robert Zemecki und Drehbuchautor Bob Gale? „Nein, natürlich nicht“, lenkt Gale heute ein, „uns war schon bewusst, dass im Jahr 2015 nicht überall die Autos umherfliegen würden, aber wir wollten humorvoll und vor allem mit einer positiven Perspektive in die Zukunft schauen.“

Aus heutiger Sicht vielleicht nur zu verständlich, denn schließlich herrschten damals düstere Endzeitvisionen à la „Mad Max“ und „Blade Runner“ im Kino vor, in denen die Welt der Zukunft in Schutt und Asche lag, und auch im richtigen Leben hieß es oft ganz pessimistisch nur: „No future!“ Die Zurück-in-die-Zukunft-Macher wollten also ganz bewusst einen humorvollen Gegenentwurf zu dieser düsteren Weltsicht drehen und eine Zukunft zeigen, auf die man sich freuen kann. Na, das dürfte ihnen dann ja wohl auch gelungen sein. Auf das schwebende Hoverboard zum Beispiel freuen sich auch heute noch viele, denn in der Realität ist es bisher noch nicht angekommen. Obwohl, naja, einige Hersteller sind ja schon ganz dicht dran – sagen sie zumindest.

Bei den Dreharbeiten mussten die Schauspieler Ende der 1980er Jahre noch auf wackeligen Konstruktionen stehen, die an komplizierten Seilmechanismen hingen und mit Kränen bewegt wurden. Heute setzen viele Tüftler auf Magnetfelder, die das Hoverboard zum Schweben bringen sollen. Hin und wieder klappt das sogar schon ganz gut, wie etwa bei der „Mag Surf“ genannten Variante der französischen Universität Paris Diderot, die sogar bis zu 100 Kilogramm Gewicht transportieren kann. All diesen Versuchen ist aber gemein, dass sie nur mit Trick 17 und Selbstüberlistung funktionieren. Auf allen Untergründen einfach so drauflosfahren, das geht bisher nur im Film. Ja, nicht einmal dort, denn auf dem Wasser kam ja selbst das Hoverboard Marty McFlys nicht wirklich voran – dafür brauchte es die turbinengetriebene Version des bösen Griffs, das Killerboard.

Auch auf andere schöne Dinge, wie Jacken mit Trockengebläsefunktion, sich selbst zuschnürende Turnschuhe und den Hydrator, der die Pizza im Handumdrehen auf die zehnfache Größe aufbläst, werden wir wohl noch ein bisschen warten müssen. Einiges von dem, was damals noch ferne Zukunftsmusik war, ist heute allerdings auch schon längst in unserem Alltag angekommen. Flachbildschirme gibt es in nahezu jedem Wohnzimmer, die Authentifizierung mittels Fingerabdruck verlangt schon so manches Handy, und Kamera-Drohnen liegen derzeit absolut im Trend. Virtual-Reality-Brillen werden ganz selbstverständlich zum Spielen benutzt, die Videotelefonie à la Skype ist heute für viele Standard, und alte Computer sind inzwischen bei Sammlern hochbegehrt – wenn auch noch nicht im Antiquitätengeschäft zu haben so wie im Film. Beim Fax griffen die Zurück-in-die-Zukunft-Visionäre allerdings völlig daneben und bescherten ihm im Jahre 2015 noch eine rosige Zukunft.

Aber auch abseits des reinen Technikbereichs wagte der Film von 1989 Prognosen, die sich zumindest teilweise sogar erfüllt haben. In Vietnam können Urlauber inzwischen wirklich surfen gehen, ganz so wie auf einem Plakat im Film im Hintergrund zu sehen – 1989 war das gerade einmal 14 Jahre nach dem Ende des Vietnamkrieges noch praktisch undenkbar. Staus gibt es leider immer noch, und ja, auch am 21. Oktober 2015 liegt der Müll vielerorts noch auf der Straße herum und stinkt vor sich hin. Auf eine Justiz, die ein Urteil ruckzuck im Handumdrehen fällt, warten wir heute allerdings noch vergebens. Vieles von dem, was im Film zu sehen ist, war aber auch, wie schon gesagt, damals nur als reiner Spaß gedacht. Niemand im Filmteam glaubte ernsthaft daran, dass sich diese Prognosen einmal erfüllen würden.

So ist die Kinowerbung für den 19. Teil des „Weißen Hais“ ein solcher Scherz, wird als Regisseur doch Max Spielberg genannt, der Sohn Steven Spielbergs, der mit dem „Weißen Hai“ 1975 weltweite Kinoerfolge feierte. Auch die beiden Krawatten, die Marty McFly als alter Mann nebeneinander um den Hals trägt, sind nicht wirklich ernst gemeint, und auch die Jugendlichen von heute tragen ihre Hosentaschen nicht nach außen umgestülpt umher.

Gerade in der Modewelt zeigt sich vielleicht am besten, wie schwer es doch ist, die Zukunft auch bloß zu erahnen. In den 1980ern schien in der Mode ja nun wirklich so ziemlich alles möglich zu sein, und so manch einer erinnert sich heute noch mit Grausen an Vokuhila und Schulterpolster zurück. Aber selbst damals kamen den Kreativen noch nicht die Hipster-Mützen und die Baggy-Pants von heute in den Sinn. Naja, manches will man sich vielleicht auch gar nicht vorstellen.

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