Illegales Streaming : „Zum Leben zu wenig...“

Der Musiker und Produzent Lando van Herzog versammelte kreative Künstler für das „ Projekt Fair Play“.
Der Musiker und Produzent Lando van Herzog versammelte kreative Künstler für das „ Projekt Fair Play“.

Immer mehr Illegales kursiert im Internet: Das Projekt Fair Play will mit namhaften Künstlern Flagge gegen die Umsonst-Kultur zeigen

svz.de von
07. Februar 2018, 12:00 Uhr

Haben Sie auch schon mal den neuesten Blockbuster illegal angeschaut oder ein Musik-Album kostenlos geladen? Während dieses Verhalten bei vielen kaum ein Unrechtsbewusstsein aufkommen lässt, wehren sich Musiker, Autoren und Künstler verstärkt gegen die grassierende Umsonst-Mentalität. Denn wenn Romane, TV-Serien und Musik im Internet illegal kursieren, geht das immer zu Lasten der Kreativen, die nichts oder fast nichts bekommen.

„Zum Leben zu wenig...“, sagt der deutsche Musiker und Produzent Lando van Herzog. Um die Öffentlichkeit stärker zu sensibilisieren, gründete er das „Project Fair Play“. Ulrich Grunert sprach mit dem Kölner über Defizite beim Schutz des geistigen Eigentums und den fehlenden Respekt vor der Leistung von Künstlerinnen und Künstlern.

Streaming-Dienste sind kräftig im Aufwind. Spotify will an die Börse, der Unternehmenswert wuchs um satte 20 Prozent auf 19 Milliarden Dollar. Daneben sollen die Urheber und beteiligte Künstler immer weniger verdienen?
Lando van Herzog: Ja. Das trifft leider zu. Es wird gegenwärtig immer schwerer, als Künstler arbeiten und davon auch anständig leben zu können. Die meisten der jungen, noch nicht etablierten Kreativen schaffen das nicht mehr. Selbst bekannte Musiker und Autoren verdienen heute nur noch an Tourneen und öffentlichen Auftritten, während Verkaufserlöse an Bild- und Tonträgern immer mehr gegen null tendieren. Eine kreative und spannende Kultur kann jedoch nur dann entstehen, wenn die Schöpfer fair behandelt und entlohnt werden.

Kernstück des „Project Fair Play“ ist ein Musik-Album. Ist dieses Thema nicht zu sperrig für eine Unterhaltungsproduktion?
Mit dem Konzeptalbum „Project Fair Play“ äußern sich Künstlerinnen und Künstler ganz unterschiedlicher Herkunft erstmalig in Form eines Konzept-Albums zur Thematik, fordern Respekt gegenüber unserer Arbeit. Das Projekt ist langfristig angelegt, es wird mehrere Single-Auskopplungen geben. Primär geht es uns darum, die Kreativbranche zu schützen und dafür zu werben, Arbeit fair zu entlohnen. Das Album setzt sich thematisch mit Fragen des Copyrights im digitalen Zeitalter auseinander. Aber da an dem Projekt so interessante, sehr unterschiedliche Künstlerinnen und Künstler wie Yvonne Catterfeld, die Söhne Mannheims, Frank Schätzing, Die Prinzen, Marianne Rosenberg, Christoph Maria Herbst, Mousse T. und Till Brönner beteiligt waren, haben wir die Chance, ein großes Publikum zu erreichen. Seit Veröffentlichung des Albums vor einigen Monaten haben wir große mediale Aufmerksamkeit erfahren. Ich hoffe, das können wir auch im Jahr 2018 fortsetzen.

Haben sich Kreative bisher zu wenig für die Wertschätzung ihrer Kunst eingesetzt?
In den Fach-Verbänden oder auf Musikmessen wird das Problem ja seit Jahren diskutiert. Leider bisher ohne Ergebnis. Uns geht es nun darum, es an die breite Öffentlichkeit heranzutragen. Und zwar in einer Form, in der wir das am besten können, durch unsere Musik. Wir möchten auf die Verantwortung der Konsumenten hinweisen. Laut einer Untersuchung des Bundesverbandes der Musikindustrie sind die Hälfte der 30- bis 39-Jährigen nicht bereit, für Musik zu bezahlen. Man stelle sich das mal im Bereich des Lebensmittel-Handels oder der Auto-Industrie vor!

Was wünschen Sie sich von Politik und Konsumenten?
Vielen Menschen, leider auch Politikern, ist ja gar nicht bewusst, wie wenig Geld am Ende bei den Künstlern ankommt. Man sollte bereits in den Schulen beginnen und die Medienkompetenz mit Bewusstsein prägen. Deshalb bieten wir im Rahmen unseres Projektes auch ein Schüler- und Lehrerbuch an, wo anhand der Songs Fragen gestellt und Schüler aufgefordert werden, weitere Beispiele zu entwickeln. Wir haben uns ganz bewusst entschieden, alle verfügbaren Kanäle zu nutzen, um größtmögliche Reichweite zu erzielen.

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