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Schweres Unglück in Italien : Züge kollidieren frontal nahe Bari - mindestens 20 Tote

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Bei einem Zusammenstoß zweier Regionalzüge werden mehrere Waggons verkeilt und völlig zerstört.

svz.de von
erstellt am 12.Jul.2016 | 13:16 Uhr

„Es ist eine Katastrophe, als wäre ein Flugzeug abgestürzt.“ Der Bürgermeister der Stadt Corato in Süditalien, Massimo Mazzilli, ist erschüttert. Auf seiner Facebook-Seite veröffentlicht er Bilder, die Schreckliches erahnen lassen. Zwei Regionalzüge stoßen nördlich der Stadt Bari zusammen. Die ersten beiden Waggons der beiden Züge sind ineinander verkeilt, vollkommen zerstört. Schwer vorstellbar, wie man dort lebend herauskommt.

Bilder auf Twitter zeigen das Unglück:

 

Es ist ein glühend heißer Sommertag in Apulien, als gegen 11.30 Uhr auf einer eingleisigen Strecke zwischen den Orten Corato und Andria eines der schwersten Zugunglücke des Landes passiert. Die Strecke liegt an einem Acker, in einem Olivenhain. Benutzt wird sie vor allem von Pendlern und Studenten.

Der Unfall ruft Erinnerungen an das Zugunglück im bayerischen Bad Aibling wach: Im Februar starben zwölf Menschen, als auf der ebenfalls eingleisigen Strecke zwischen Rosenheim und Holzkirchen zwei Nahverkehrszüge frontal ineinander rasten.„Die Lage ist dramatisch“, sagt der Vizechef der Region Apulien, Antonio Nunziante. Wie viele Tote es gibt, ist lange nicht klar. Erst heißt es vier, dann elf, dann zwanzig. Dutzende sollen verletzt sein. Die Behörden sind sich sicher, dass die Zahl der Opfer weiter steigt. Es wird zu Blutspenden aufgerufen.

Wer die Bilder von den verkeilten und zersplitterten Waggons sieht, kann nur von dem Schlimmsten ausgehen. Trümmer liegen auf den Feldern und zwischen Bäumen. Die Regionalzüge hatten jeweils vier Waggons, auf Bildern ist zu erkennen, wie mindestens die ersten beiden von jedem Zug vollkommen zerstört sind. Nach Medienberichten wurde auch ein Kleinkind lebend aus den Trümmern gezogen und per Hubschrauber in ein Krankenhaus geflogen.

Die ersten Helfer, die am Unglücksort eintreffen, sind schockiert.„Grauenhafte Szenen, schreckliche, habe ich gesehen“, erzählt ein Polizist der Nachrichtenagentur Ansa. „Ich habe Tote gesehen, andere, die nach Hilfe riefen, Menschen, die weinten. Die schlimmsten Szenen in meinem Leben.“ Die Helfer können den Ort anscheinend nur schwer erreichen. Ein Zelt ist aufgebaut, in dem die Opfer behandelt werden.

Familienangehörige versammeln sich.

Was zu dem Unglück geführt hat, muss erst ermittelt werden. Menschliches Versagen wird nicht ausgeschlossen. Betrieben wird der Zug von dem privaten Unternehmen Ferrotramviaria.

In sozialen Netzwerken entlud sich die Wut einiger Nutzer sogleich an der Tatsache, dass es sich um eine eingleisige Strecke handelte.

Niemand wolle in den Ausbau der Bahnstrecken investieren, kritisieren sie. Premierminister Matteo Renzi forderte eine schnelle Aufklärung des Unglücks und kündigte einen Besuch am Unglücksort an. „Wir werden nicht ruhen, bis wir wissen, was passiert ist.“ Das Zugunglück gehört zu den schlimmsten in Italien. 2005 waren auf einer ebenfalls eingleisigen Linie zwischen Bologna und Verona bei einem Zusammenstoß 17 Menschen ums Leben gekommen. Damals gerieten die Regierung und die staatliche Eisenbahn in die Kritik, weil sie die Pläne zum Bau eines zweiten Gleises seit Jahren verschleppt hätten.

Schwere Bahnunglücke in Europa

Bahnfahren ist relativ sicher. Zugunglücke - wie jetzt in Italien - haben dennoch schon Hunderten Menschen den Tod gebracht. Einige Fälle aus Europa:

  • Februar 2016 - Deutschland: Zwölf Menschen sterben beim schwersten Zugunglück in Bayern seit gut 40 Jahren. Auf der eingleisigen Strecke zwischen Rosenheim und Holzkirchen rasen in Bad Aibling zwei Nahverkehrszüge frontal ineinander. Gegen den Fahrdiensteiter wird ermittelt.
  • Juli 2013 - Spanien: Beim schwersten Bahnunglück in Spanien seit 1972 kommen nahe der Pilgerstadt Santiago de Compostela 80 Menschen ums Leben, 144 werden verletzt. Der Hochgeschwindigkeitszug biegt kurz vor dem Bahnhof zu schnell in eine Kurve und entgleist.
  • März 2012 - Polen: 16 Menschen kommen ums Leben, als zwei Züge mit insgesamt 350 Insassen frontal ineinanderrasen. Bei dem Unglück nahe Zawiercie, nördlich von Krakau, werden etwa 50 Menschen verletzt.
  • Januar 2011 - Deutschland: Zehn Menschen sterben, als ein Nahverkehrszug bei Oschersleben in Sachsen-Anhalt mit einem Güterzug zusammenstößt. Ein Lokführer hatte zwei Haltesignale überfahren.
  • Februar 2010 - Belgien: Im morgendlichen Berufsverkehr übersieht ein Lokführer nahe Brüssel ein Stoppsignal. Zwei Regionalzüge prallen zusammen. Mindestens 18 Menschen sterben, rund 80 werden verletzt.
  • Juni 2009 - Italien: Am Bahnhof von Viareggio in der Toskana explodiert ein mit Flüssiggas beladener Güterwagen. Er war nach einem Achsbruch entgleist. 31 Menschen sterben, etwa 1000 müssen in Sicherheit gebracht werden.
  • Januar 2006 - Montenegro: Nahe der Hauptstadt Podgorica entgleist ein Regionalzug, vier Waggons stürzen in eine Schlucht. 44 Menschen kommen ums Leben, 198 werden verletzt. Die Bremsen hatten versagt.
  • Januar 2005 - Italien: Auf der eingleisigen Strecke Bologna-Verona prallen ein Passagierzug und ein Güterzug zusammen. 17 Menschen sterben. Ein Lokführer hatte bei dichtem Nebel ein Haltesignal übersehen.
  • Juni 1998 - Deutschland: Bei Eschede in Niedersachsen zerschellen Waggons eines ICE an einer Straßenbrücke. 101 Reisende sterben, Dutzende werden schwer verletzt. Ein gebrochener Radreifen hatte den Zug zum Entgleisen gebracht.
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