Übergewicht verhindern : Zu süß und zu fettig

Das als gesundes Frühstück  beworbene Müsli erweist sich überwiegend als viel zu süß.
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Das als gesundes Frühstück beworbene Müsli erweist sich überwiegend als viel zu süß.

Verbraucherorganisation Foodwatch warnt vor Lebensmitteln, die bei Kindern Übergewicht fördern und fordert ein Werbe-Verbot

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24. August 2015, 21:00 Uhr

Die Verbraucherorganisation foodwatch dringt darauf, Werbung für ungesunde Kinderlebensmittel zu verbieten. Eine freiwillige Selbstbeschränkung der Industrie beim Kindermarketing sei wirkungslos, teilte foodwatch gestern in Berlin mit. In einer Untersuchung analysierte die Verbraucherorganisation 281 Kinderprodukte wie Müsli, Frühstücksaufstriche und Softdrinks auf ihre Nährwerte. 90 Prozent davon seien im Sinne der Weltgesundheitsorganisation (WHO) nicht ausgewogen. In den meisten Fällen seien die Produkte zu süß oder zu fettig und förderten damit Übergewicht bei Kindern.

Zahlreiche Lebensmittelunternehmen hatten sich 2007 im Rahmen einer EU-Initiative dazu verpflichtet, bestimmte Regeln beim Anpreisen von Kinderlebensmitteln einzuhalten. Nach Einschätzung von foodwatch sind diese Selbstbeschränkungen jedoch zu lasch. So sollten beispielsweise Frühstücksflocken mit einem Zuckergehalt von mehr als 15 Prozent im Sinne der WHO nicht mehr für Kinder beworben werden; im Rahmen der EU-Initiative lag der Zuckeranteil hingegen bei 30 Prozent.

Hinzu kommen laut foodwatch weitere Schlupflöcher. Für die klassische Werbung im Fernsehen gebe es zwar Einschränkungen; bei Aktionen im Supermarkt könnten jedoch alle Kinderprodukte beworben werden.

Oliver Huizinga, foodwatch-Experte für Kindermarketing, sagte, die freiwillige Selbstbeschränkung der Lebensmittelhersteller habe seit Jahren nicht dazu geführt, dass sich Kinder besser ernährten.

Gefordert sei die Politik, allen voran Gesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) und Landwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU). Sie müssten konkrete gesetzliche Maßnahmen vorantreiben. Huizinga betonte, die Politik könne nicht nur an die Verantwortung der Eltern appellieren – vor allem deshalb nicht, weil deren Bemühungen durch die Industrie untergraben würden.

Der Bund für Lebensmittelrecht und Lebensmittelkunde sieht die von foodwatch angefertigte Untersuchung kritisch. Hauptgeschäftsführer Christoph Minhoff sagte, hochwertige Lebensmittel würden verunglimpft. Die Studie lege Nährstoffprofile der WHO zugrunde, die eine Empfehlung und keine verpflichtende Vorgabe darstelle. Zudem gebe es mehrere Ursachen für Übergewicht, von genetischen Vorbelastungen bis hin zum Bewegungsmangel.

In Deutschland sind foodwatch zufolge 15 Prozent der Kinder übergewichtig, sechs Prozent davon fettleibig. Im Vergleich zu den 90er-Jahren habe sich der Anteil von Kindern mit Übergewicht verdoppelt. Der Mediziner Dietrich Garlichs, Geschäftsführer der Deutschen Diabetes Gesellschaft, erklärte, gerade in sozial schwachen Familien sei der Anteil übergewichtiger Kinder bedeutend höher als in bildungsstarken Elternhäusern.

Zudem betonte Garlichs, dass sich die Essgewohnheiten aus der Kindheit im Leben fortsetzten. Übergewicht werde im Alter auch zum Treiber für chronische Krankheiten wie Bluthochdruck, Gelenkproblemen, aber auch Krebs. Jährlich gebe es in Deutschland 300 000 neue Diabetespatienten. Die Zuckerkrankheit führe pro Jahr zu 40 000 Amputationen und 2000 Erblindungen. Daher müssten gesunde Essgewohnheiten in der Kindheit gefördert und erlernt werden, erklärte der Mediziner.

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