200. Geburstag Karl Marx : Zerstört der Kapitalismus am Ende sich selbst?

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Ökonomische Ideen von Marx erleben seit der Finanzkrise eine Renaissance. Experte Sinn: Krisentheorie am wichtigsten

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03. Mai 2018, 12:00 Uhr

Berlin | Die politischen Ideen von Karl Marx waren spätestens mit dem Fall des Eisernen Vorhangs restlos diskreditiert. Seine ökonomischen Vorstellungen werden dagegen wieder diskutiert, spätestens seit der Finanzkrise 2008. „Hatte Marx recht?“ – unter dieser Überschrift ließ keine Geringere als die „New York Times“ vor wenigen Jahren Wirtschaftsexperten auf ihrer Meinungsseite diskutieren.

Aber was sind überhaupt Marx“ Vorstellungen vom Wirtschaftsleben? Zentral für seine Analyse des Kapitalismus ist die sogenannte Arbeitswertlehre. Der Wert der Waren hängt für Marx einzig vom Produktionsfaktor Arbeit ab. Marx misst der Arbeitskraft des Einzelnen einen Wert bei und stellt dann fest, dass die Arbeitskraft mehr Werte hervorbringt, als ihr eigener Wert beträgt. Anders ausgedrückt: Ein Arbeiter, der am Tag zehn Stunden schuftet, hat bereits nach sechs Stunden seine Lebensgrundlage erarbeitet – für Marx der Arbeitswert. Die restlichen vier Stunden sind ein Mehrwert, der als Profit an den Kapitalisten geht.

Die Arbeitswertlehre ist von der Fachwelt immer wieder kritisiert worden. Der liberale Ökonom Hans Werner Sinn urteilte, sie sei „schon deshalb falsch, weil die Löhne nur einer von vielen Kostenfaktoren in einer Firma sind“. Ein weiterer Kritikpunkt: Die Marktpreise lassen sich mit der Arbeitswerttheorie auch deshalb nicht errechnen, weil sie nur die Produktion, also die Angebotsseite, berücksichtigt, die Nachfrageseite aber außer Acht lässt. Dennoch finden selbst Liberale wie Sinn Brauchbares beim Autor von „Das Kapital“. „Die wichtigsten Beiträge zur volkswirtschaftlichen Erkenntnis liefern seine Krisentheorien“, schrieb Sinn in einem Gastbeitrag für „Die Zeit“. Marx glaubte, dass der kapitalistische Produktionsprozess in regelmäßigen Abständen zu Krisen führen müsste. Diese würden zum Zusammenbruch des Kapitalismus führen.

Marx war der Ansicht, dass der Gewinn pro eingesetzte Einheit Kapital im Laufe der Zeit fällt. Diesen Rückgang der Profitrate (Rendite) führte er auf die Widersprüche des Kapitalismus zurück. Seine Theorie nannte Marx das „Gesetz über den tendenziellen Fall der Profitrate“. Irgendwann sei die Rendite so gering, dass es zu einem Investitionsstreik komme.

Für Sinn ist die Krisentheorie hochaktuell. „Sie wird in ähnlicher Form heute wieder von führenden Volkswirten vertreten“, sagt Sinn. Fallende Renditen treiben auch den ehemaligen Chef des Ifo-Instituts um. Anders als Marx sieht Sinn darin aber keinen Systemfehler des Kapitalismus, sondern macht die ultralockere Geldpolitik der Zentralbanken verantwortlich.

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