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Sommerzeit endet : Zeithüter und Gewohnheitstiere

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

So mancher findet die Uhrenumstellung unangenehm, andere haben ein paar Tricks auf Lager

Manche können es gar nicht abwarten, vor allem Langschläfer freut es. Die Nacht zum Sonntag ist um eine Stunde länger. Die Sommerzeit endet – abends wird es dann früher dunkel sein. Für einige Menschen hat das Drehen am Zeiger mehrere Bedeutungen. Fünf von ihnen werden hier vorgestellt:

 

Der Verweigerer

Bei Hubertus Hilgers ticken die Uhren von Sonntag an wieder richtig. Die Zeitumstellung im Frühjahr ist dem Erlanger Arzt nämlich schon immer ein Dorn im Auge, deswegen boykottiert er sie.

Seine Uhren stellt der 51-Jährige grundsätzlich nicht um. Bei ihm gibt es keine Sommerzeit, sondern nur die Normalzeit. Das hätten schon seine Eltern so gehandhabt, sagt der gebürtige Hesse. Die Zeitumstellung sei Stress pur für den Körper: Schlafstörungen, Bluthochdruck, aber auch Herzinfarkt und Schlaganfälle seien mögliche Folgen. Viele seiner Patienten litten unter der Zeitumstellung, deshalb hat Hilgers auch eine Petition gegen die Sommerzeit veranlasst. Zehntausende Unterstützer hat er schon beisammen.

 

Der Hüter der Zeit

So richtig bringt die Zeitumstellung Andreas Bauch nicht in Wallung – obwohl der Atomphysiker dafür verantwortlich ist. Mehr als 60 Mal war er hautnah an der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt (PTB) in Braunschweig dabei. Mit seinem Team überwacht er die gesetzliche Zeit. Mittlerweile hat er als Leiter der Arbeitsgruppe „Zeitübertragung“ die Zügel in der Hand. Er muss dafür sorgen, dass über einen starken Sender das Zeitsignal ordnungsgemäß übermittelt wird, etwa an Funkuhren. Wirklich aktiv wird er dabei aber nicht: Die Umstellung ist programmiert.

„Es ist nichts zu tun, außer sicherzustellen, dass alle Geräte voll funktionstüchtig sind“, sagt Bauch. Ganz kalt lässt ihn die Sache trotzdem nicht: In der Nacht auf Sonntag nimmt er eine analoge und eine digitale Uhr mit ins Bett: „Wenn ich mal wach werde, schaue ich, ob diese Uhren gleich sind.“

 

Der Mann mit dem Pendel

In Hannover-Kirchrode ist seit mehr als 30 Jahren der Uhrmachermeister Rolf Zurmöhle für die Zeitumstellung der Kirchturmuhr zuständig. Am Sonnabend wird er das Glockenläuten um 18 Uhr abwarten und dann das Pendel anhalten. „Nach einer Stunde bringe ich es wieder in Gang“, sagt der 68-Jährige. Beschwerden, dass die Uhr schon Stunden vor der Zeitumstellung die in den Wintermonaten geltende Normalzeit anzeigt, gebe es nicht. Die Verantwortung für die Uhr der St. Jacobi-Kirche übernimmt Zurmöhle gern. „Der Kirchturm ist rund 1000 Jahre alt, das ist eine besondere Aufgabe.“ Das 1906 gebaute Uhrwerk hat er rund 25 Jahre lang per Hand aufgezogen. Dann wurde es mit einem elektrischen Aufzugsmotor ausgestattet.

Ungenauigkeiten gibt es dennoch. „So eine alte Uhr reagiert auf Temperaturschwankungen, da muss ich immer mal etwas regulieren.“

 

Der Kuhflüsterer

Hansjörg Birkenberger aus Waldshut-Tiengen bringt seine 80 Kühe behutsam in die Winterzeit. In Fünf-Minuten-Schritten passt der Landwirt die täglichen Melkzeiten um 6.30 Uhr und 17 Uhr an die neue Zeitrechnung an. „Ich melke seit Anfang Oktober jeden Tag fünf Minuten später“, sagt er. Durch die schleichende Umgewöhnung will der 55-Jährige vermeiden, dass die Kühe weniger Milch geben.

Denn eigentlich sind es seine Tiere gewohnt, jeden Tag zur selben Zeit gemolken zu werden. Nicht nur die Tiere, auch der Landwirt profitiert von der schrittweisen Zeitumstellung: „Der Mensch ist ein Gewohnheitstier. Ich wache jeden Morgen um 6 Uhr auf.“ Doch bald könnte unabhängig von Sommer- und Normalzeit gemolken werden: Birkenberger denkt darüber nach, sich einen Melkroboter anzuschaffen.

Mit ihm wird nicht mehr zu einer bestimmten Zeit gemolken, vielmehr gehen die Kühe je nach Druck in den Eutern zum Roboter.

 

Noch ein Kämpfer gegen die Sommerzeit

Der Kurort Bad Kissingen (Bayern) hat vor mehr als zwei Jahren das Projekt „ChronoCity – Pilotstadt Chronobiologie“ gestartet. Der Wirtschaftsförderer der Stadt ist überzeugt, dass eine verstärkte Berücksichtigung der inneren Uhr viele Vorteile bringt. „Mehr Schlaf zu den richtigen Zeiten macht leistungsfähiger und ist gesünder“, sagt Michael Wieden.

Ein Projektbestandteil ist auch eine wissenschaftliche Betrachtungsweise der Sommerzeit. Sein Ideal wäre die dauerhafte Normalzeit. Dass Bad Kissingen im Alleingang die Sommerzeit abschafft, ist unrealistisch. Das weiß auch Wieden. Aber das war auch nie das Ziel. Vielmehr will die „ChronoCity“ dafür sorgen, dass bei Arbeit, Bildung und Medizin mehr auf die innere Uhr der Menschen geachtet wird.

 

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