„Körperwelten der Tiere“ : Wunder des Lebens

Gorilla
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Plastinierter Gorilla

Gunther von Hagens löste früher mit seinen Schauen plastinierter Menschen oft Kritik aus - in Braunschweig gibt es dagegen viel Zustimmung für seine neue Ausstellung mit Tieren.

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15. Januar 2016, 20:00 Uhr

Es war ein Anruf vor zehn Jahren, der alles ins Rollen brachte: Im saarländischen Neunkirchen starb die Elefantenkuh Samba. Eigentlich sollte das Tier entsorgt werden. Doch dann meldete sich das Team von Gunther von Hagens: Der Anatom, der mit den „Körperwelten“-Ausstellungen bekannt wurde, wollte Samba plastinieren. So erzählt es Angelina Whalley, die Kuratorin der Ausstellung „Körperwelten der Tiere“ und Ehefrau von Gunther von Hagens. Der Zoo gab Samba ab. Und so steht Whalley heute vor dem dreieinhalb Meter hohen Elefanten im Naturhistorischen Museum in Braunschweig und berichtet über Muskeln, Arterien und Knochen. Whalley gehörte zum Team, das Samba präparierte – erst nach drei Jahren war die Arbeit beendet.

Im Laufe der Jahre kamen immer mehr Tiere dazu, bis irgendwann eine eigene Ausstellung entstand. Neben exotischen Arten wie der Elefantenkuh Samba, einer Giraffe oder einem Gorilla zeigen die „Körperwelten der Tiere“, die von heute an zu sehen sind, auch heimische Tiere: Eine Kuh ist dabei, genauso wie eine Ziege mit drei Jungen im Bauch. Mal stehen die Muskeln im Vordergrund, mal wird das Arteriensystem im Körper dargestellt und es wird klar: Auch ein Hahnenfuß ist fast so gut durchblutet wie der Fuß eines Menschen.

Whalley geht es vor allem darum, zu zeigen, wie ähnlich sich Mensch und Tier sind. „So klein ein Kaninchen auch ist, so gleich ist seine Anatomie im Vergleich mit dem Menschen.“

Während die „Körperwelten“-Schauen mit ausgestellten Menschen regelmäßig große Proteste auslösen, überwiegt bei der Ausstellung der Tiere die Neugierde. „Um etwas über die Tiere zu dokumentieren, finde ich so eine Ausstellung völlig in Ordnung“, erklärt der Geschäftsführer des Tierschutzvereins Hannover, Heiko Schwarzfeld. „Das kann Interesse wecken und das wäre schön.“ Die Menschen seien es eben gewohnt, dass tote Tiere gezeigt würden, erklärt Psychologin Julia Becker von der Universität Osnabrück. Jeder habe schließlich schon mal ein ausgestopftes Tier gesehen. „Außerdem essen wir Tiere in unserer Gesellschaft ja auch“, sagt sie. Wer Tiere jedoch einmal so gesehen habe, wie in ihrer Ausstellung, bekomme einen anderen Blick auf sie, sagt Whalley. „Man sieht hier das Wunder des Lebens und bekommt Ehrfurcht davor.“

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