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Papst Franziskus : Würdevolles Kinderschlagen?

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Der Papst empört mit einer Aussage über das Schlagen von Kindern – wollte er provozieren? Oder hat er wieder drauflosgeplappert?

Die Aussage verhallte in Rom zunächst relativ unbemerkt. Bei seiner Generalaudienz sprach Papst Franziskus über die Rolle des Vaters bei der Kindererziehung. Wie wichtig Väter seien, und dass sie präsent, liebend und vergebend sein sollten. Dann kam eine Passage, die eine Welle der Empörung auslöste. Er habe einen Vater sagen hören, „ich muss meine Kinder manchmal ein bisschen hauen, aber nie ins Gesicht, um sie nicht zu erniedrigen“, so Franziskus. „Wie schön“, fuhr der Papst fort. „Er kennt den Sinn der Würde, er muss bestrafen, er macht es aber gerecht und geht dann weiter.“

Nicht nur in Deutschland ist die Aufregung groß, Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig (SPD) sagte, es dürfe bei diesem Thema kein falsches Verständnis geben. „Jegliche Gewalt gegen Kinder ist vollkommen inakzeptabel.“ Der Vorsitzende der Deutschen Kinderhilfe, Rainer Becker, kritisierte: „Es gibt kein würdevolles Schlagen eines anderen Menschen.“ Franziskus mache sich mitschuldig, wenn auch nur einem einzigen Kind unter Verweis auf seine Aussage Schmerzen zugefügt würden. Das Gewaltverbot gegen Kinder gelte für Eltern genauso wie für katholische Geistliche. Becker appellierte an das Kirchenoberhaupt, seine Aussage schnellstmöglich zu korrigieren. Jeder Mensch könne auch einmal irren. Bundestagsvizepräsidentin Claudia Roth (Grüne) attestierte dem Papst „mittelalterliches Denken“.

Auf Twitter wird Franziskus unter dem Hashtag #pruegelpapst heftig angegriffen. „Der Papst findet würdevolles Kinder-Schlagen okay“, heißt es im Netz. „Kinder zu schlagen ohne deren Würde zu verletzen ist OK? Klappt genauso wie baden ohne nass zu werden oder Sonnenaufgang ohne Licht“, schreibt eine Userin auf Twitter. „Reaktionärer Armleuchter“ nennt ein anderer den Papst.

Weniger deftig, aber auch kritisch reagiert die katholische Reformbewegung Wir sind Kirche. „Wenn Papst Franziskus hervorhebt, dass der Verzicht darauf, ein Kind ins Gesicht zu schlagen, davon zeuge, dass die Würde des Kindes geachtet würde, dann liegt er vielleicht nicht ganz verkehrt“, sagte Sprecherin Sigrid Grabmeier. „Aber jeder Schlag gegen ein Kind ist einer zu viel und zeugt oft von der Überforderung der Erwachsenen.“

In einem Kommentar der deutschsprachigen Ausgabe von „Radio Vatikan“ hieß es gestern: „Die Goldwaage im Vatikan ist, zusammen mit manch anderer Gerätschaft, derzeit in päpstlichen Magazinen verstaut.“ Papst-Biograf Marco Politi erklärte: „Der Papst will nicht sagen: Ab morgen haut man wieder!“. Vielmehr benutze er gerne eine „volkstümliche“ Sprache, „wie ein Pfarrer vor der Kirche auf dem Vorplatz“, um zum Nachdenken anzuregen. Tatsächlich hatte Franziskus jüngst mehrfach mit flapsigen Bemerkungen für Aufsehen gesorgt. Katholische Familien rief er etwa auf, sich nicht wie die „Kaninchen“ zu vermehren.

Ein Ausrutscher? Eine Provokation? Mit der jetzigen Aussage hat das Image des 78-Jährigen als moderner Papst jedoch einen Kratzer bekommen. Das Thema Gewalt gegen Kinder ist zu sensibel. Gerade in der katholischen Kirche, die seit Jahren gegen schwerste Missbrauchsvorwürfe zu kämpfen hat. 

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