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Deprimierende Ortsnamen : Wo Kummer ist, da ist auch Jammer

vom
Aus der Onlineredaktion

Gleich dreimal leben Menschen in Vorpommern in Ungnade. Die deprimierendsten Ortsnamen aus aller Welt

von
erstellt am 10.Nov.2017 | 20:45 Uhr

Man stellte sich Folgendes vor: Nach wochenlangen Strapazen im australischen Outback, nach unzähligen Moskitobissen und hühnereigroßen Blasen an den Füßen entdeckt man ihn: einen noch unbekannten See. Welch ein fulminanter, großartiger, ja nackenhaaraufstellender Moment. Man atmet noch einmal tief durch, spring in das kühle Nass und stellt fest: Verdammt... Salzwasser. So erging es dem englischen Abenteurer Frank Hann im Jahr 1897. Zutiefst niedergeschlagen über seine Entdeckung gab er seinem See den Namen: Disappointment Lake (See der Enttäuschung).

Hann ist nicht alleine. Längst nicht jeder Entdecker ist zufrieden mit seinem Fund und nicht jedem Gründer gefällt, was er geschaffen hat. Das am Donnerstag auf Englisch erschienene Buch „Sad topographies“ („Traurige Topographien“) sammelt genau diese skurrilen Landschafts- und Ortsmarken. Es ist der wohl deprimierendste Reiseführer der Welt. Immer wieder fragt man sich: Wie enttäuscht müssen die Namensgeber gewesen sein?

Da gib es die Bedeutungslose Straße (Worthless Road) in Laytonville, USA; den Berg ohne Hoffnung (Mount Hopeless) in Südaustralien; die Nutzlose Bucht(Bahia inutil) in Chile oder die Fehlerinsel (Mistake Island) in Kanada. Alleine Orte mit dem englischen Begriff für Enttäuschung gibt es laut dem Buch mindestens sechsmal.

Andere Namen sind wiederum gerade zu angsteinflößend. Da ist die Schatten-des-Todes-Straße (Shades of Death Road) zum Beispiel? Ja, die gibt es wirklich im amerikanischen New Jersey. Ebenfalls in den USA befinden sich auch der Alptraumsee (Nightmare Lake) sowie die Weinende-Kinder-Insel (Crying Child Island). Und woher die Namen Verlorene-Jungs-Weg (Lost Boys Lane, USA) oder Tote-Frau-Teich (Dead Woman Pond, USA) stammen, möchte man wohl auch lieber nicht wissen.

Nicht nur im Ausland wird topographisch mancher Orts deprimierend. Oder wer will schon immer in Sorge leben? So heißt ein 85-Seelenort im Harz. Und der liegt ausgerechnet neben dem acht Kilometer entfernten Dorf Elend. Beide haben es in den Reiseführer „Sad Topographies“ geschafft. Dabei haben Elend und Sorge wider Erwarten nichts mit schlechten Verhältnissen zu tun. Hinter Elend steckt das althochdeutsche alia landa, was so viel heißt, wie: außer Lande. Und Sorge soll von dem mittelhochdeutschen Wort Zarge kommen, welches einfach Grenze bedeutet.

Auch in Mecklenburg-Vorpommern ist nicht immer das gegeben, was der Ortsname vermuten lässt. In Patzig auf Rügen zum Beispiel leben sicher nicht nur mürrische Menschen. Der Faule Ort an der Müritz ist eigentlich ganz dufte. Und in Dümmer bei Schwerin dürfte der Intelligenzquotient auch nicht unter dem Durchschnitt liegen.

Hier rühren die Namen ebenfalls oftmals von altdeutschen Begriffen her. Dümmer leitet sich etwa aus dem Altpolabischen ab, von Domamer, „die von Haus Ruhm haben“, heißt es in dem Buch „Orte mit kuriosen Namen in MV“. Auch in Quaal bei Grevesmühlen wurde demnach niemand gequält. Der Name kommt von dem slawischen Wort Chval, was für loben stehen könnte. Und dem Ortschaft Reisaus wollen die Menschen nicht etwa entfliehen. Das Dorf bei Parchim entstand als Ausbau. Reisaus war der im Volksmund verwendete Name für den Vorort.

Woher die Orte ihren Namen haben, ist nicht immer klar. Deprimierend sind sie dennoch: Gleich dreimal leben Menschen in Vorpommern in Ungnade. Auch Ehbruch (bei Bad Doberan), Hungerstorf (bei Waren), Streithof (bei Pasewalk) und Gammelin (bei Hagenow) klingen wenig einladend. Dass Kummer und Jammer oft nah beieinander liegen, zeigt sich bei Ludwigslust auch auf der Landkarte. Die beiden Dörfer trennen nur 14,8 Kilometer.

Doch zum Glück sind Namen ja bekanntlich nur Schall und Rauch und viele der genannten Orte bei Bewohnern sehr geschätzt. Auch Sorge und Elend im Harz sind beliebte Ausflugsziele.

Und die Besucher des Dis-appointment Lakes in Australien sind so gar nicht enttäuscht. Er ist in Australien bei Touristen sehr beliebt. Hätte Frank Hann das vorher geahnt, vielleicht er hätte den See anders benannt.

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