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Vereinigte Arabische Emirate : Wo Glück keine Glückssache ist

vom
Aus der Onlineredaktion

Staatlich Beauftrage sollen Untertanen in den Emiraten bei Laune halten. Botschafter: In Deutschland ist noch Luft nach oben

svz.de von
erstellt am 25.Okt.2017 | 12:00 Uhr

Als 2011 in Tunis die Barrikaden brennen und die Libyer zu den Waffen greifen, bleibt es in den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) ruhig. Das Feuer der „Arabellion“ zieht an den vom Staat rundumversorgten Menschen in Dubai, Scharjah und Abu Dhabi fast spurlos vorbei. Doch die Herrscher bleiben wachsam. Wer in dieser Zeit kritische Kommentare in sozialen Medien platziert, landet schnell hinter Gittern. Um mögliche Eruptionen jugendlicher Rebellion künftig schon im Kern zu ersticken, hat die Petrodollar-Monarchie 2016 ein „Ministerium für Glück“ geschaffen.

In den Behörden des Landes sorgen sich heute Glücksbeauftragte um das Wohlergehen von Hunderttausenden Staatsdienern. „Wenn wir positives Denken erzeugen wollen, betrachten wir drei Pfeiler: Harmonie am Arbeitsplatz, Lebensstandard und die Frage, wie man das Glück in unserer Gesellschaft messen kann“, erklärt der Botschafter der Emirate in Deutschland, Ali Abdullah al-Ahmed.

Doch was heißt das konkret, in einem Land, in dem ein Heer von Arbeitsmigranten den Einheimischen fast alle körperlich anstrengenden, unangenehmen Arbeiten abnimmt? Die Universität von Dubai organisierte im Frühjahr ein „Glücksseminar“. Ein „Glücks-Festival“, zu dem auch in Dubai ansässige Ausländer eingeladen waren, wurde von Psychologen und Wellness-Experten begleitet. Am 20. März, dem Internationalen Tag des Glücks, schloss sich die Ministerin für Glück, Ohud bin Chalfan al-Rumi, einer Straßenparade an, bei der Männer und Frauen Schilder mit dem Slogan „Ich bin ein Optimist“ trugen.

Als Inspiration diente den arabischen Herrschern das Himalaya-Land Bhutan. Der Kleinstaat stellt schon seit mehr als 40 Jahren das Glück seiner Bewohner über das Wirtschaftswachstum. Als ihn eine Tunesierin bei einer Vortragsveranstaltung in Berlin fragt, ob Glück ohne Demokratie überhaupt denkbar sei, antwortet Botschafter Al-Ahmed: „Wählen zu gehen ist keine Garantie für ein besseres Leben. Für uns funktioniert unser eigenes Modell, die Monarchie, gut.“

Das Glücksministerium ist nicht die erste Maßnahme der VAE, um möglichen Unmut in der Bevölkerung zu bekämpfen. Anfang 2012 hatte der Präsident der Emirate einkommensschwachen Bürgern Schulden in Millionenhöhe erlassen. Scheich Chalifa bin Said al-Nahjan ordnete damals an, die Schulden von 6830 Emiratis in Höhe von insgesamt zwei Milliarden VAE-Dirham (rund 480 Million Euro) zu begleichen.

Al-Ahmed findet, auch bei den Deutschen sei in Sachen Glück noch Luft nach oben. Der Botschafter, der seit 14 Monaten in Berlin ist, findet zum Beispiel, die Deutschen sollten auf die Leistungen ihrer Ingenieure und Erfinder ruhig etwas stolzer sein und lernen, ihre Erfolge mehr zu genießen. Sein Eindruck ist: „Einige andere Staaten haben einen viel geringeren Beitrag geleistet, aber sie machen viel mehr Aufhebens darum.“

 

 

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