Dingens und Bummens : Wie heißen diese Alltagsgegenstände doch gleich?

Einkaufswagen vor einer Lidl-Filiale in Herten. /Illustration
Einkaufswagen vor einer Lidl-Filiale in Herten. /Illustration

Da fehlen einem ja die Worte! Manchmal was man einfach nicht, wie dieser oder jener Alltagsgegenstand heißt.

svz.de von
13. Mai 2018, 05:00 Uhr

Die andere Hälfte des Haustürschlüssels

Unseren Haustürschlüssel haben wir tagtäglich in der Hand, und wohl jeder weiß auch, wie sich der vordere Teil des Schlüssels nennt, der ins Schloss gesteckt wird: „Schlüsselbart“, na klar. Doch wie heißt der hintere Bereich, der zum Anfassen?

Beim Schlüssel für moderne Schließzylinder sagt man heute auch gerne schlicht und einfach nur „Kopf“, eigentlich heißt dieser Teil des Schlüssels aber „Räute“, und das hat seinen Grund. Die Schlüsselgriffe waren im Mittelalter nämlich noch rautenförmig, also in Form einer Raute ausgearbeitet. Im Mittelhochdeutschen nannte sich dieses „verschobene Viereck“ noch „rute“, woraus sprachgeschichtlich dann die neuhochdeutsche „Raute“ wurde und beim Schlüssel sogar die „Räute“. Die heute typische Ringform kam erst später auf.
 

Der unbekannte Teil des Suppenlöffels

Die Älteren kennen vielleicht noch den Abzählreim „Lirum, larum, Löffelstiel, wer das nicht kann, der kann nicht viel, lirum, larum, leck, und du bist weg.“ Damit kennen wir zwar die Bezeichnung des hinteren Teils eines Löffels, aber mitnichten die des vorderen, muldenartigen, in den die Suppe kommt. „Laffe“ nennt sich dieser Bereich richtig. Im Mittelhochdeutschen bezeichnete die „Laffe“ u.a. noch die „Lippe“. „Laffen“ bzw. „leffen“ bedeutete damals „lecken“ oder auch „schlürfen“, was ja auch durchaus Sinn macht. Ein Löffel ist also eigentlich nichts anderes als eine „Gerätschaft zum Schlürfen und Lecken“.

Die Enden des Schnürsenkels

Schnürsenkel sind am Ende meist mit einem kleinen Stückchen Metall oder Plastik versehen, das das Einfädeln erleichtern soll. Nur wie nennt sich das Ding eigentlich? Witzigerweise gibt es sogar mehrere Bezeichnungen dafür, je nachdem, ob es sich um ein Metalldingens oder Plastikbummens handelt. Kunststoffschuhbänder lassen sich an ihrem Ende einfach zu einem „Stift“ zusammenschweißen, wohingegen die Plastikummantelung des Senkelendes auch „Benadelung“ genannt wird, wobei man hier aber auch ruhig „Stift“ sagen darf. Ist das Ende des Schnürsenkels mit einer kleinen Metallkappe versehen, spricht man u.a. von der „Pinke“. Die harten Schnürsenkelenden können aber auch ganz allgemein als „Nadeln“ bezeichnet werden.

Das abgebrannte Stück des Kerzendochtes

Kerzendochte sind heute in aller Regel geflochten. Durch das Flechten entstehen kleine Verspannungen, aufgrund derer sich das abgebrannte verkohlte Ende aus der Flamme herausneigt. Dort gibt es nun wieder jede Menge frischen Sauerstoff – ganz im Gegensatz zum Inneren der Flamme übrigens – und so kann auch das letzte Stückchen Docht noch komplett abfackeln. Bevor man auf den schönen Trick mit dem Flechten kam, brannten die Dochte nicht richtig ab, da sie meist aus einem einzigen durchgehenden Stück Leinen oder Wolle bestanden. Die Kerzen, Talglichter und anderen Lampen wurden schnell immer dunkler, flackerten und begannen zu rußen. Um das zu ändern, musste man das verkohlte Dochtende regelmäßig mit einer speziellen Dochtschere abschneiden, was auch als „putzen“ bezeichnet wurde oder als „schneuzen“. Das abgeschnittene, verkohlte Stückchen des Kerzendochtes hieß „Schnuppe“, und so heißt es auch noch heute. Die „Sternschnuppen“ am Himmel nennen sich übrigens so, weil die Leuchterscheinungen der Meteore doch sehr an abgeschnittene Dochtenden erinnern, die glühend zu Boden fallen.

Das Kästchen mit dem Euro drin

Die meisten Einkaufswagen haben heute ein Plastikkästchen am Griff, in das man einen Euro stecken kann oder auch einen Einkaufs-Chip. Nur so lässt sich die kleine Kette abmachen und der Einkaufswagen mitnehmen. Aber wie heißt dieses Plastikkästchen, in das die Münze kommt? Mit ein bisschen Nachdenken findet sich vielleicht sogar die richtige Lösung. Der Euro dient nämlich als Pfand, damit der Wagen auch wirklich wieder an seinen ursprünglichen Standort zurückgebracht wird und nicht einfach irgendwo rumstehen bleibt. Naja, und die Kette wird ja durch ein Schloss zurückgehalten. Da liegt die Vermutung doch irgendwie nahe, dass es sich bei dem Plastikkästchen um ein „Pfandschloss“ handelt – und so stimmt es auch.

Das fast vergessene Dings im Aktenordner

Ordner hat man heutzutage ja meist nur noch in virtueller Form auf dem Computer, doch nicht nur in den Amtstuben stauben im Regal auch noch ganz analoge Exemplare aus Pappe und Metall vor sich hin. Wie nennt sich da eigentlich dieses längliche schmale Metallteil mit der kleinen Plastikwippe darauf, das zuoberst eingeheftet wird und das Papier andrückt? „Tippklemmer“ ist der richtige Ausdruck, weil man auf die kleine Plastikwippe mit dem Finger „tippen“ muss.

Die Metallhülse am Bleistift/Pinsel

Manche Bleistifte haben an einem Ende praktischerweise ein kleines Radiergummi angeflanscht. Das wird aber nicht einfach aufgeklebt, sondern ist durch eine Metallhülse mit dem Stift verbunden. Und wie heißt diese Metallhülse?

Kleiner Tipp: Sie nennt sich genau so wie die Metallhülse, die den Pinsel mit seinen Borsten verbindet. „Ferrule“ ist die richtige Bezeichnung. Eigentlich ist das nur das englische Wort für „Manschette“, „Hülse“, „Zwinge“ oder auch „Ringbeschlag“, dennoch hat es sich auch im deutschsprachigen Raum für eben dieses Metalldingens durchgesetzt.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen