zur Navigation springen

Big Bang Theory : Wie echt ist Wissenschaft im Film?

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Auch außerhalb der urkomischen Physikerserie „The Big Bang Theory“ drehen sich Filme und Fernsehserien um Forscher

svz.de von
erstellt am 17.Jan.2017 | 21:00 Uhr

In der Welt des Kinos und des Fernsehens arbeiten Forscher aller Couleur: Der größenwahnsinnige Dr. Frankenstein ebenso wie Abenteurer-Archäologe Indiana Jones, Doc Brown mit seiner Zeitmaschine oder die Dinoforscher aus dem Jurassic Park.

Selten jedoch ist der wissenschaftliche Hintergrund einer TV-Serie so sorgfältig ausgearbeitet wie bei den vier Physikstudenten aus „The Big Bang Theory“ („Die Urknalltheorie“), die in Deutschland gerade in die zehnte Staffelrunde startet.

Margaret Weitekamp, Kuratorin am National Air and Space Museum in Washington, hat der Serie jetzt eine Analyse im wissenschaftlichen Fachjournal „Physics Today“ gewidmet.

Die Serie um vier ziemlich eigenwillige, junge Physiker und ihre nicht minder speziellen Freundinnen spielt wie so viele US-Sitcoms in einer WG-Wohnung.

Ein Clou der Serie: Die Formeln auf den Whiteboards passen thematisch zu den Episoden-Themen. Dazu haben sich die Serienmacher extra David Saltzberg, Physik- und Astronomieprofessor der University of California, ins Boot geholt. Vor allem für die ersten Staffeln der Serie mussten die Schauspieler zudem seitenlang Fachvokabular auswendig – und richtig aussprechen – lernen. Das Forscherambiente ist so stimmig, dass viele bekannte Wissenschaftler schon kleine Auftritte in der Serie hatten. Zudem unterstützte die Nasa das Team, um einen ISS-Flug von Astrophysiker Howard möglichst realistisch aussehen zu lassen.

Doch trotz aller Hintergrunddetails zeigt auch diese Serie einen Wissenschaftler-Stereotyp, betont Weitekamp: den Nerd, ein sozial schwer kompatibles, in sein Fachgebiet versunkenes Superhirn. „In der ,Big Bang Theory‘ sind Nerds sowohl Gegenstand der Serie als auch ein Teil der Zuschauerschaft.“ Deren anderer Teil wird durch „normale“ Menschen, etwa die ebenso nette wie Physik-ahnungslose Nachbarin Penny, repräsentiert.

In Deutschland hat Medienwissenschaftlerin Petra Pansegrau von der Uni Bielefeld lange über das Bild von Wissenschaftlern in Film und Fernsehen geforscht. Als verbreitete Stereotypen nennt sie: den verrückten Wissenschaftler à la Jekyll and Hyde, den Abenteurer-Typen wie etwa im Da Vinci Code und den professionellen Wissenschaftler, der in biografischen Filmen wie „Good Will Hunting“ vorkommt. „Unsere Analyse, die über 220 Spielfilme des gesamten 20. Jahrhunderts untersucht, ergab über 82 Prozent männlicher Protagonisten“, sagt Pansegrau.

Frauenrollen, die wesentlich seltener sind, folgen ebenfalls Mustern, wie Eva Flicker von der Universität Wien herausfand: Wissenschaftlerinnen sind demnach oft in untergeordneten Positionen zu sehen, als „die Assistentin“. Oder sie sind der Typ „einsame Heldin“, also modern und kompetent, aber privat isoliert. Daneben findet sich die „korrupte Wissenschaftlerin“ – schön, jung und skrupellos. Oder auch ein harter, vermännlichter Forscherinnentyp. Um die vorrangige Darstellung von Wissenschaft gehe es jedoch fast nie, betont die Bielefelder Forscherin Pansegrau. Auch bei „The Big Bang Theory“ nicht. „Es geht den Produzenten nicht um die angemessene Darstellung des Physikers.“

Verbreitete Klischees würden aufgegriffen und überzeichnet, ähnlich wie es auch bei Medizinerserien wie „Dr. House“ der Fall sei. „All diese Serien versuchen, interessante, fantasievolle und neuartige Charaktere zu schaffen und damit die Aufmerksamkeit des Publikums zu erlangen“, sagt Pansegrau.

Und in vielen Fällen gelingt genau das: Ein Blick auf die riesige Fangemeinde der in Staffel vier angekommenen Sherlock-Reihe zeigt: Auch hyperrationale Schlauköpfe mit autistischen Zügen können begeistern.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen