kälte, Hitze, wütende Stürme : Wetterextreme in Mecklenburg-Vorpommern

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Eiseskälte, Sahara-Hitze, wütende Stürme und tosende Fluten – der Norden hat alles schon erlebt.

svz.de von
18. Juni 2016, 16:00 Uhr

Sturmfluten an der Ostsee:

Die höchste jemals registrierte Sturmflut an der Ostseeküste ereignete sich am 12./13.November 1872 und forderte über 200 Menschenleben. Über 15  000 Menschen wurden obdachlos, hunderte Gebäude wurden zerstört. Die Sturmflut erreichte Spitzenwerte von über drei Metern über normal. Die Wetterextreme blieben dem Norden erhalten: Allein zwischen 1976 und 2000 gab es 73 Sturmfluten an der Küste Mecklenburg-Vorpommerns. Die schwersten Sturmfluten nach 1990 ereigneten sich in den Jahren 1995, 2002 und 2006. Davon war 1995 das folgenschwerste Ereignis – es entstand ein Schaden von insgesamt 15 Millionen Euro.


Schnee-Katastrophe im Winter 78/79:


Am Morgen des 28. Dezember 1978 herrschen in ganz Deutschland ca. zehn Grad über Null. Typisches Weihnachtstauwetter. Am Mittag fallen in Schwerin ein paar Regentropfen, dann Schneeflocken und in der Nacht stürzen die Temperaturen plötzlich um fast 30 Grad Celsius. Was folgt, sind 78 Stunden Schneesturm, mancherorts bis zu 17 Grad minus, mehrere Meter hohe Schneewehen. Allein auf Rügen sind 40 Ortschaften tagelang von der Außenwelt abgeschnitten. Vier Tage ist der Zugverkehr zwischen Stralsund und Sassnitz komplett unterbrochen. Die Insel muss aus der Luft von NVA-Hubschraubern mit Brot und Decken versorgt werden. Bis zu sechs Meter hohe Schneeverwehungen, die mit Flugsand vermischt sind, wirken wie Beton. So sprengt die NVA sogar Schneeberge – zum Beispiel auf der Eisenbahnstrecke von Bergen nach Sassnitz. Neben den Schneemassen haben die Menschen auch mit einer Sturmflut zu kämpfen, die unter anderem starke Schäden an der Sassnitzer Mole verursacht. Die Energieversorgung der gesamten DDR ist massiv gefährdet. Die Bagger in den Braunkohlen-Tagebauen der DDR drohen, einer nach dem anderen stillzustehen. „Neues Deutschland“ berichtet in ungewohnter Offenheit darüber, dass die Versorgung mit Fernwärme nicht mehr gewährleistet ist. Menschen erfrieren in ihren Wohnungen. Mit Beginn des Jahres 1979 beruhigt sich das Wetter allmählich, aber erst am 8. Januar 1979 sind die Verkehrswege nach Rügen wieder offiziell geöffnet.


Jahrhundert-Sommer 2003:


Mit einer Mitteltemperatur von 18,7 Grad war dies der wärmste Sommer seit Beginn regelmäßiger Messungen im Jahre 1881. Schon der Juli ist wärmer als sonst, im August zieht dann Hoch „Michaela“ die Temperaturen weiter hoch. Am 13. August steigt das Quecksilber auf 40,2 Grad Celsius – in der folgenden „tropischen Nacht“ fallen die Temperaturen nicht unter 27,6 Grad. Doch der Jahrhundert-Sommer bleibt nicht allein – fünf Jahre später fällt in Mecklenburg-Vorpommern nur knapp die Hälfte des langjährigen Mittels an Regen, werden 723 Stunden Sonnenschein gezählt – nur zum Vergleich: Das Sonnenschein-Mittel liegt bei 604 Stunden.


Tornado in Bützow 2015:


Am Tag danach standen die Einwohner von Bützow noch immer fassungslos auf dem Marktplatz. Tausende Ziegel lagen zerborsten auf dem Boden – neben umgestürzten Bäumen und völlig zerstörten Autos. Am 5. Mai 2015 raste ein Tornado durch die mecklenburgische Kleinstadt. Eine Radfahrerin wird schwer verletzt, es gibt 30 Leichtverletzte. In nur zehn Minuten werden in der Altstadt unzählige Dächer abgedeckt, am Morgen danach sind die Straßen bedeckt von zerstörten Dachziegeln und Schutt. Allein die Gebäudeschäden betragen etwa 40 Millionen Euro. Seit den Stadtbränden Mitte des 18. Jahrhunderts hat es kein vergleichbares Unglück in der 7600-Einwohner-Stadt gegeben. „Tatsache ist, dass die Sturmschäden in Deutschland zunehmen“, erklärte danach Professor Mojib Latif, Klimaforscher am Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung in Kiel. Die allmähliche Erwärmung des Mittelmeeres mache Konstellationen, die die Entstehung von Tornados begünstigen, in Europa immer wahrscheinlicher, so Latif. Wenn feuchtwarme Luftschichten auf arktische Kaltluft treffen, ergebe dies ein gefährliches Gebräu.


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