Schummel-VW : Wertvollster Schrottplatz der Welt

Mehrere tausend gebrauchte Diesel-Fahrzeuge von Volkswagen auf dem bisher ungenutzten Parkplatz des Silverdom-Stadions in Pontiac
Mehrere tausend gebrauchte Diesel-Fahrzeuge von Volkswagen auf dem bisher ungenutzten Parkplatz des Silverdom-Stadions in Pontiac

Was wird aus den Schummel-Dieseln von VW? In den USA werden sie zurückgekauft und landen auf einem verlassenen Stadionparkplatz

svz.de von
04. April 2017, 05:00 Uhr

Der „Silverdome“ war einst eine Ikone der boomenden Autoregion Michigans. Heute steht das Sportstadion wie ein Mahnmal des Niedergangs verlassen in der Ödnis des Detroiter Vororts Pontiac und bröckelt vor sich hin. Der VW-Konzern erweitert diese Kulisse um ein Symbol seiner eigenen Krise: Auf den Parkplätzen um das Stadion herum stehen Tausende ausrangierte Dieselwagen, die wegen illegaler Software zur Abgas-Manipulation aus dem Verkehr gezogen und von US-Kunden zurückgekauft werden müssen. Was nun aus den Überbleibseln von „Dieselgate“ wird, ist ungewiss. Der Wolfsburger Autobauer gibt die Fahrzeuge aber nicht verloren.

Dass VW den Parkplatz eines maroden Geisterstadions als Sammelstelle für seine stillgelegten Autos wählt, passt ins triste Bild, das der Konzern derzeit in den USA abgibt. Der Silverdome war einst ein schillernder Showtempel – The Who, Elvis und Led Zeppelin traten hier auf. Die 1975 eröffnete Arena zog als Bühne für Großevents wie einen Papstbesuch und als Heimat von Sportteams die Massen an. 2013 wurde der Betrieb krisenbedingt eingestellt, zur Sanierung fehlte das Geld.

Um das Stadion, in dem 1979 der Monster Truck „Big Foot“ Weltpremiere feierte und „Wrestlemania“ 1987 über 93 000 Fans anzog, erstreckt sich heute ein Meer von Volkswagen – Jetta, Passats und Golfs der durch den Abgasbetrug als Bluff entlarvten Serie „Clean Diesel TDI“.

Spötter bezeichnen das Areal als „VW-Autofriedhof“ oder „wertvollsten Schrottplatz der Welt“. Doch VW hat die Hoffnung nicht aufgegeben, die Dieselautos in einen legalen Zustand umzurüsten und als Gebrauchtwagen zu verkaufen. Der Ruf hat zwar gelitten, es ist schwer einzuschätzen, wie viel die Aktion einbringen würde – aber ein Teil der hohen Kosten des Skandals ließe sich wohl wieder ausgleichen.

Dafür müssten aber die US-Umweltämter grünes Licht geben. Noch immer versucht VW, sie von Umrüstungsplänen zu überzeugen, mit denen der Konzern die Manipulations-Software in den Autos beseitigen will. Das ist kompliziert, nicht zuletzt weil durch ihren Wegfall andere Faktoren wie Spritverbrauch und Motorleistung verändert werden könnten. Eigentlich ist das Unterfangen ohnehin längst gescheitert, denn wäre VW nicht wiederholt mit seinen Vorschlägen abgeblitzt, wären die Rückkäufe gar nicht erst angeordnet worden. So muss der Konzern die meisten der rund 580 000 Autos so oder so erstmal zurücknehmen. Spannend ist jedoch, was dann damit passiert.

Einen kleinen Mutmacher gab es im Januar, als Reparaturpläne für etwa 67 000 der Dieselwagen genehmigt wurden. Dass die Mühen nicht aussichtslos sind, zeigt sich auch daran, dass für etwa 60 000 von gut 80 000 größeren vom Skandal betroffenen Fahrzeugen gar nicht erst Rückkäufe angeboten werden mussten, weil die Behörden von einer erfolgreichen Umrüstung ausgehen. Fest steht: Für VW ist jedes der vielen ausrangierten Autos, die derzeit am Silverdome und anderen Sammelstellen im ganzen Land lagern, bares Geld wert. Auch wenn nur ein Bruchteil der Ausgaben für Rückkäufe und Reparaturen durch Wiederverkäufe wieder reinkämen, könnten Milliarden gespart werden.

Bei VW ist man trotz aller bisherigen Zurückweisungen zuversichtlich, sich mit den US-Regulierern auf eine Umrüstung einigen zu können.

Die Dieselwagen mit der Schummel-Software aus dem Verkehr zu ziehen und auf Halde zu lagern, bedeutet auch logistisch einen Kraftakt. Einer VW-Sprecherin zufolge wurden über 1300 zusätzliche Arbeitskräfte für die Abwicklung des Programms angeheuert. Einmal die Woche würden große Trucks zu den Autohäusern der Vertragshändler geschickt, wo die Rückkäufe abgewickelt werden, um Autos abzuholen und zu Sammelplätzen wie dem in Pontiac zu bringen. Man beschäftige auch Personal, um die stillgelegten Wagen dort in Schuss zu halten.

Inzwischen droht allerdings schon wieder neuer Ärger: Wie die Lokalzeitung „Oakland Press“ berichtet, hat die Stadt Pontiac eine Klage gegen die Besitzergesellschaft des heruntergekommenen Silverdomes eingereicht.

Grund: Die massenhafte Lagerung von Gebrauchtwagen stelle einen Verstoß gegen die Sicherheits- und Ordnungsvorschriften dar. Wenn es blöd läuft, müsste sich VW also bald einen neuen Parkplatz für seine Dieselautos suchen.

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