Namenswahl : Wenn Kinder Kaulquappe heißen sollen

Gabriele Rodriguez
Gabriele Rodriguez

Eltern bei Namenwahl für ihre Kinder immer kreativer. Kurioser Alltag der Namenberaterin Gabriele Rodriguez

von
26. Juni 2017, 06:00 Uhr

Juschin, Flauschi oder Keks – Gabriele Rodriguez kennt alle schrägen Ideen, auf die Eltern bei der Suche nach einem Vornamen für ihr Kind kommen. Rodriguez (56) arbeitet seit 23 Jahren in der Namenberatungsstelle der Universität Leipzig. Sie erstellt Gutachten über Herkunft und Eignung von Namen und erklärt Eltern, warum Kaulquappe als Vorname für die Tochter halt nicht geht.Jetzt hat Rodriguez ein Buch über ihre Erfahrungen geschrieben: „Namen machen Leute – Wie Vornamen unser Leben beeinflussen“. Auf 248 Seiten erzählt sie darin aus dem Alltag einer Namenkundlerin. Sie schildert Historisches, etwa dass Familiennamen sich erst im 12. Jahrhundert etablierten. Oder sie widmet sich dem „Kevinismus“, dem Verfall des höchst beliebten Modenamens hin zu einem Stigma in nur 20 Jahren.

Die Idee für ein Buch sei 2014 entstanden, zum 20. Jubiläum der Wiedergründung der Namenberatung der Uni Leipzig. Es dauerte drei Jahre von der Idee bis zum Buch. Rund 3000 Anfragen zu Vornamen bekämen die Namenberater pro Jahr, berichtet Rodriguez. Die Palette reiche von Eltern wie Kerstin und Ron, die sich als Summe ihrer beiden Vornamen Keron für ihren Sohn ausgedacht haben, bis hin zu Anrufen von Müttern, die sich besorgt fragen, ob dem Namen Henry wohl eine ähnliche Karriere wie Kevin bevorsteht. Rund 1000 Kurzgutachten zu Vornamen fertigen die Leipziger pro Jahr. Diese Expertisen helfen Standesämtern bei der Entscheidung, ob ein Name in Deutschland zulässig ist oder nicht.

Dieser ganze Prozess sei jedoch einem ständigen Wandel unterworfen, berichtet Rodriguez. Zum Beispiel habe sie selbst 1998 den Wunschnamen Orelie noch abgelehnt, weil er nur eine Hörform – also quasi eine falsche Schreibweise – der französischen Aurélie war. „Das geht heute alles durch“, sagt Rodriguez. Jedes Jahr kämen in Deutschland rund 1000 komplett neue Vornamen dazu.

In ihrem Buch schildert Rodriguez auch, wie Stars aus Film und Musik die Wahl der Vornamen beeinflussen. „Ich selbst habe eigentlich gar keine Zeit, Fernsehen zu gucken. Aber ich weiß immer ganz genau, was läuft“, sagt Rodriguez lachend. Beliebte Figuren aus Film und Fernsehen führten zu gehäuften Anfragen in der Beratungsstelle.

Aber auch da musste Rodriguez Eltern schon ausbremsen: „Birkenfeld als Vorname für eine Tochter geht leider nicht.“

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen