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Vornamen : Wenn Dior auf Chanel trifft

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Manche Eltern wollen für ihr Kind einen ausgefallenen Namen – und die Ämter lehnen diese immer seltener ab

svz.de von
erstellt am 16.Jan.2014 | 21:30 Uhr

Ein Vorname wie „Pumuckl“ oder „Pepsi-Carola“ kann für ein Kind zur Qual werden – doch Deutschland ist offener geworden und bei Standesämtern werden ungewöhnliche Namenswünsche von Eltern immer seltener abgelehnt. In Essen etwa sagte das Standesamt zuletzt im Jahr 2007 Nein, als ein Junge „Anakin Skywalker“ heißen sollte. In Wiesbaden liegt die letzte Ablehnung 23 Jahre zurück. Auch in Münster lehnt das Standesamt nur selten ab: Bei der Kombination „Marie-Johanna“, die schnell gesprochen wie „Marihuana“ klinge, weise man Eltern nur darauf hin, dass der Name Probleme machen könne.

In Kiel dagegen gab es 2013 eine Ablehnung: Mit dem Antrag, ihr Mädchen „Gucci“ – nach der italienischen Luxus-Modemarke – zu nennen, kamen die Eltern nicht durch. Anders erging es dagegen einem Jungen, dessen Eltern sich den Vornamen „Maier“ für ihren Sohn wünschten – Mutter und Vater wiesen nach, dass „Maier“ durchaus ein üblicher männlicher Vorname sei, wenn auch in Holland.

Die Stadt Essen erlaubte 2013 unter anderem für eine Tochter den Namen „Milka“ sowie auch „Imperial-Purity“ sowie „Sunshine“. Zwei Jungs bekamen die Namen „Courage“ und „Sheriff“.

Einige Städte verweisen bei allzu Abstrusem auf die Namenberatungsstelle an der Uni Leipzig. Deren Webseiten listen Gerichtsurteile auf: So ging 1992 der Name „Lafayette“ durch – für einen Jungen, der noch einen zweiten männlichen Vornamen benötigte.

Was fällt überhaupt noch durch? Antwort: „November“, „Pfefferminze“ oder „La Toya“. „Dior“ dagegen ist – anders als „Gucci“ in Kiel – erlaubt, sofern es enge Bindungen zum senegalesischen Kulturkreis gibt, denn da kommt der Name her. Ein Berliner Standesamt erlaubte auch „Chanel“ als Mädchenname.

Gerhard Bangert vom Bundesverband der deutschen Standesbeamten erklärt, dass die Rechtsprechung großzügiger geworden sei – nach einer Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts 2008. Nur noch zwei Einschränkungen gebe es: Der Name dürfe dem Kindeswohl nicht schaden und er müsse dem Wesen nach ein Vorname sein. Streitigkeiten seien inzwischen selten.

Und zwar weil die Standesämter beraten, sagt Andrea Hart, Leiterin des Frankfurter Standesamts. Aber „Osama“ oder „Adolf“ abzulehnen, sei nicht möglich, sagt Hart. Das Standesamt in Hannover ließ auch „Despot“ zu.

Eine Rückbesinnung macht das Standesamt München aus: „Der Trend geht zu traditionellen Namen“, sagt Leiter Gerhardt Wirsing. Anton oder Charlotte seien populärer als manche Neuschöpfung. Ungewöhnlich seien „Crazy Horse“, „Peppels“ oder „Regen“ gewesen. Meistens hätten sich die Eltern jedoch einsichtig gezeigt.

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