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System gegen Einbrecher : Wenn die Plane Alarm schlägt

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Um Einbrecher in die Flucht zu schlagen, bietet ein Student aus Bremerhaven Spediteuren ein System an, das laute Töne von sich gibt

Sie kommen in der Nacht, wenn der Fernfahrer in der Kabine liegt und schläft. Sie schneiden mit einem scharfen Messer die Plane des Anhängers auf. Wenn sie Ware finden, mit der sie etwas anfangen können, räumen die Diebe den Lkw leer.

„Planenschlitzer“ sind ein großes Thema in der Transportbranche. Da stößt die Idee eines Studenten aus Bremerhaven auf großes Interesse bei den Spediteuren: Er rüstet die Lastwagenplanen mit einer von außen unsichtbaren Alarmanlage aus. Schlitzt ein Täter mit einem Messer die Plane auf, ertönt ein schriller, lauter Alarmton – der den Dieb in die Flucht schlagen soll.

„Inzwischen habe ich knapp 20 Kunden und viele Anfragen“, sagt der 33-jährige Andreas Gießler. Er studiert in Bremerhaven Transportwesen und Logistik und kam beim Besuch einer Fachmesse auf die Idee mit der „Alarmplane“. Nachfragen gebe es bereits aus Dubai und Österreich.

Sein Angebot ist eine Antwort auf ein großes Problem der Branche: Der bundesweite Schaden durch „Planenschlitzer“ liegt laut Bundesamt für Güterverkehr bei etwa 300 Millionen Euro pro Jahr. In Niedersachsen haben sich die Fallzahlen von 2015 zu 2016 um sieben Prozent auf gut 750 Fälle nach oben entwickelt, sagt Frank Federau, Sprecher beim Landeskriminalamt in Hannover.

Ob Computer, Baumaterial und Werkzeuge, Buntmetall, Unterhaltungselektronik, Nahrungsmittel, Bekleidung, Haushaltsgeräte, Spielzeug, Tabak und Kosmetikartikel: „Es gibt eigentlich kaum etwas, was nicht gestohlen wird“, sagt Federau. Die bisher ermittelten Täter seien überwiegend aus osteuropäischen Ländern gekommen. Die Beute werde häufig über Hehler abgesetzt. Zu vermuten sei, dass größere Komplettladungen auch auf Bestellung gestohlen werden, sagt Federau. Die Schadenshöhen variieren zwischen 500 Euro bis zu Millionenbeträgen.

Aber auch, wenn keine Ladung gestohlen wird, haben die Spediteure einen hohen Schaden, denn Werkstattarbeiten und Standzeiten verursachen Kosten.

Das System der Alarmplane beruht auf feinen Drähten, die an der Innenseite der Lastwagen-Planen angebracht werden. Wird ein Draht durchtrennt, geht der Alarm los. Das Besondere sei das eigene, fahrzeugunabhängige Stromnetz, mit der die Alarmanlage betrieben werde, sagt Gießler.

Optional sei es auch möglich, dass die Alarmanlage keinen Alarmton auslöst, sondern über Mobilfunk die Polizei verständigt und etwa die GPS-Position des Fahrzeuges weitergibt. „Das halte ich persönlich nicht für sinnvoll“, sagt Gießler aber. Technisch sei es möglich, das Mobilfunknetz zu stören – dann würde der Alarmruf ins Leere laufen.

Das System setzt also auf Abschreckung durch den Alarmton. Er solle nicht nur die Diebe in die Flucht schlagen und damit den Raub verhindern, sondern auch den Lkw-Fahrer und seine Kollegen auf dem Parkplatz warnen. „Wir weisen unsere Mitarbeiter an, bei Zwischenfällen sicher im Fahrerhaus zu bleiben und die Polizei zu rufen“, sagt Frank Vinke, der Leiter Nationale Verkehre bei der Osnabrücker Spedition Koch International. Die Spedition schule regelmäßig die Fahrer, wie sie sich in solchen Situationen zu verhalten haben.

Das Transportunternehmen hat seit Ende Juli in einem Fahrzeug eine Alarmplane verbaut und will einen neunmonatigen Testlauf machen.

Elmar Stephan

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