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Waldbrände in Italien : Wenn die Mafia mit dem Feuer spielt

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

In Italien gibt es derzeit so viele Waldbrände wie lange nicht mehr.Daran ist nicht nur die Hitze, sondern sind auch illegale Machenschaften schuld.

Touristen blicken angstvoll hinter sich. Im Wald hinter dem Ferienort lodern Flammen, dicker Rauch zieht über die Hügel. Die Menschen werden mit kleinen Booten aus dem sizilianischen Dorf San Vito Lo Capo gefahren. Ähnliche Szenen gibt es in der süditalienischen Region Basilikata, wo an einem Strand Menschen zusammenlaufen und schwarze Rauchsäulen hinter ihnen aufgehen.

Auch am Vesuv qualmt es derweil weiter, als sei der Vulkan soeben ausgebrochen. „Die Brände setzen das Leben von Tausenden Einwohnern und Touristen aufs Spiel“, erklärte der Umweltschutzverband WWF.

Es sind nur Momentaufnahmen von dem, was sich derzeit in Süditalien abspielt. Überall Brände, Flammen, Rauch. Seit Mitte Juni wurde fast so viel Waldfläche verbrannt wie im gesamten vergangenen Jahr nicht, hat die Umweltschutzorganisation Legambiente errechnet.

„Sizilien brennt, und wenn nicht rechtzeitig gehandelt wird, bleibt nur Asche“, warnte jetzt der Generalsekretär des Verbraucherschutzverbandes Codacons, Francesco Tanasi. Ein Großteil des Landes leidet unter einer extremen Hitzewelle und Trockenheit.

Aber: „Es ist nicht nur die Schuld des Klimas. Hinter den Bränden steckt vor allem die Hand der Öko-Mafia und der Pyromanen“, heißt es in einem Bericht von Legambiente. Unter Öko-Mafia versteht man in Italien Organisationen, die Umweltverbrechen begehen. Dazu gehört auch die illegale Müllentsorgung.

„Italien brennt jeden Sommer. Es brennt wegen der kriminellen Energie des Menschen, mafiös oder nicht mafiös, um die eigenen schmutzigen Interessen zu verfolgen“, schreibt Legambiente. Bestes Beispiel sind die Feuer am Vesuv. Am Fuße des Vulkans klagen Anwohner über illegalen Abfall, der dort seit Jahren abgelegt werde und über möglicherweise giftigen Rauch durch die Feuer. „Der Vesuv ist in den letzten Jahren eine riesengroße Müllkippe geworden“, sagte der Autor Roberto Saviano, der sich mit dem Mafia-Buch „Gomorrha“ über die Machenschaften der Camorra weltweit einen Namen gemacht hat. Die Feuer würden nicht nur gelegt, um Müll verschwinden zu lassen, sondern auch um Platz für neue Müllkippen zu schaffen.

Andernorts ginge es um Immobilienspekulation, so Saviano. Wenn ein Grundstück verbrannt sei, würde es per Gesetz für 15 Jahre blockiert – entweder zahle man also vorab mafiösen Clans Geld oder sie verbrennen das Grundstück, um eine Baugenehmigung zu verhindern. „Wie immer weiß die Politik darauf keine Antwort zu geben.“ Das alles habe nichts mit psychisch kranken Brandstiftern zu tun.

Zwar gibt es auch diese. Und Bauern, die Wald verbrennen, um Farmland zu schaffen. Oder Menschen, die einfach unachtsam bei sengender Hitze ihren privaten Müll verbrennen. Die Gründe sind vielfältig. Wichtig sei, die Täter härter zu bestrafen, sagte der Chef des Zivilschutzes, Fabrizio Curcio. „Wer gefasst wird, muss so bestraft werden, dass er eine Mahnung für die ist, die weiter Feuer legen.“ Bisher ist in dieser Hinsicht aber offenkundig noch nicht genug geschehen.

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erstellt am 15.Jul.2017 | 10:00 Uhr

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