Mit Attrappen gegen Raser : Wenn Bürger Blitzer basteln

Die selbstgebaute Radarfallen-Atrappe
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Die selbstgebaute Radarfallen-Atrappe

Ein Anwohner am Bodensee hat eine täuschend echte Radarkontroll-Attrappe aufgestellt

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06. April 2017, 05:00 Uhr

Erst bremst das eine Auto ab, dann ein zweites und ein drittes. Kein Fahrer will von dem Blitzer an der Bundesstraße 33 bei Markdorf am Bodensee erwischt werden. Dabei ist die Radarkontrolle gar nicht echt – ein Anwohner hat sie aus einem Kanalrohr nachgebaut. Die schwarze Säule sieht täuschend echt aus, in den kleinen Fenstern meint man im Vorbeifahren sogar eine Kamera zu erkennen.

Wie genau er den Tempo-Messer gebastelt hat und warum, will der Mann aber nicht verraten. Er habe im Internet viel Kritik dafür einstecken müssen, manche Autofahrer seien sogar so verärgert, dass sie laut hupend an seinem Haus vorbei führen, sagt er. Auch andernorts kamen Bürger schon auf ähnliche Ideen – legal ist das aber nicht immer. Die Behörden bleiben angesichts des Fake-Blitzers im baden-württembergischen Markdorf allerdings ziemlich entspannt: „Wir haben das geprüft und uns entschieden, es nicht zu beanstanden“, sagt ein Sprecher des Landratsamtes. Der Verkehr werde durch die falsche Radarkontrolle nicht gestört. „Es blitzt nicht, es blendet nicht. Für uns ist das unproblematisch.“

Am Rande: Zebrastreifen selbst gemalt
Die Stadt hat Anzeige erstattet.
Foto: Gemeinde Eppertshausen
Die Stadt hat Anzeige erstattet.

Vermutlich unter dem Einfluss von Alkohol soll ein 22-Jähriger im südhessischen Eppertshausen Zebrastreifen und Parkbuchten auf zwei Straßen gemalt haben. Der Mann habe die Taten zugegeben, teilte die Polizei gestern mit.  „Ein Grund könnte sein, dass eine gewisse Alkoholeinwirkung im Spiel war“, sagte ein Sprecher. Ärger über den Straßenverkehr oder womöglich fehlende Sicherheit schieden als Motiv aus. Nun drohe ein Ermittlungsverfahren wegen Amtsanmaßung, Sachbeschädigung und gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr.

Ähnlich sehen es die Stadt Markdorf und der zuständige Gemeindeverwaltungsverband. Zwar müssen Bauwerke einen bestimmten Abstand zur Straße und auch ein gewisses Format einhalten. Der falsche Blitzer werde aber trotzdem geduldet, sagt Hauptamtsleiter Klaus Schiele. „Wir werden uns dann wieder um die Angelegenheit kümmern, wenn wir wirklich einen Grund dafür haben und den sehen wir im Moment nicht.“ Die Idee des Mannes sei eine kreative Lösung und „eine besondere Ausdrucksweise von Meinungsfreiheit“, sagt Schiele weiter. „Wir haben dem eine Chance gegeben.“ Zudem sei die Intention des Anwohners grundsätzlich verständlich: Der Mann wünsche sich in der Nähe einen Blitzer – der ist aber laut Landratsamt momentan nicht geplant.

Der Blitzer-Bauer vom Bodensee ist nicht der Erste, der einen kreativen Umgang mit seinem Ärger über Raser pflegt: Im Ruhrgebiet hatten Anwohner der Stadt Moers 2011 eine Radarfalle aus einem Vogelhäuschen nachgebaut. Der „Starenkasten“ hatte obendrein ein Herz für Tiere – mit einem Einflugloch für kleine Vögel auf der Rückseite. Die Kommune blieb ebenfalls entspannt. „Wir haben das Häuschen vor Ort angeschaut und festgestellt, dass alles seine Richtigkeit hat“, sagte ein Stadtsprecher damals.

Weniger legal war dagegen eine Attrappe in Sachsen-Anhalt: Unbekannte bauten 2015 eine falsche Radarkontrolle aus einem Vogelhäuschen. Im Inneren war eine Fahrrad-Rückleuchte installiert, die rot blinkte. Zudem hatten die Täter mit weißer Farbe an zwei Stellen die Zahl „50“ auf die Fahrbahn gesprüht.

Wie sehr sich Menschen über solche Attrappen aber offenbar auch ärgern können, zeigt ein Fall aus dem Jahr 2005: Unbekannte hatten im Saarland einen falschen Blitzer mit einer Ladung Sprengstoff in die Luft gejagt – laut Polizei flogen die Teile bis zu 30 Meter weit.

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