Weihnacht auf See : Weltenbummler-Weihnacht

Weihnachtsmann in Sicht? Maya und Lena haben die Umgebung des Seglers fest im Blick. Die beiden feierten das vergangene Fest vor Südamerika. Ihre Eltern planen schon die nächste Weltreise. t
Weihnachtsmann in Sicht? Maya und Lena haben die Umgebung des Seglers fest im Blick. Die beiden feierten das vergangene Fest vor Südamerika. Ihre Eltern planen schon die nächste Weltreise. t

Die vergangenen Weihnachtsfeste haben Maya (9) und Lena (7) ganz woanders gefeiert: auf einem Boot am anderen Ende der Welt.

svz.de von
24. Dezember 2014, 08:00 Uhr

Ob der Weihnachtsmann sie überhaupt findet? Hier in der Bucht Caleta Horno ist es nicht sehr weihnachtlich. Es gibt keinen Laden, wo man ein Festessen oder einen Tannenbaum kaufen kann. Bäume sind weit und breit nicht zu sehen. Am Strand haben Maya und Lena Wnuk gerade mal einen vertrockneten Zweig gefunden, der an die Form eines Tannenbaums erinnert.

Das vergangene Weihnachtsfest verlebten die beiden Kinder mit ihren Eltern, Nathalie Müller und Michael Wnuk, in Argentinien, in Südamerika. Hier auf der Südhalbkugel ist im Dezember Sommer, allerdings regnet es viel. Vor zehn Tagen waren sie von der argentinischen Hauptstadt Buenos Aires mit ihrem Boot, der „Iron Lady“ losgesegelt, in Richtung Süden.

Nun machte die Segelfamilie ein paar Tage Pause, denn Heiligabend wollten die Mädchen nicht auf See verbringen. Außerdem, so erklären Maya und Lena auch heute noch stolz, gab es hier so nette Nachbarn: die Magellan-Pinguine, Seelöwen, Robben und viele Vögel. An Land waren Gürteltiere und Guanacos, eine Lama-Art, zu sehen. Und dann waren da noch die Delfine. Sie begleiteten Maya, Lena und ihre Eltern, wenn sie mit dem Beiboot vom Boot zum Strand fuhren. Am 23. Dezember haben sie noch mal Kekse gebacken und sangen dabei Weihnachtslieder. Der Backofen war winzig klein. Machte nichts, dann mussten Maya und Lena eben dreimal so oft das Backblech mit den Plätzchen füllen. Immerhin funktionierte der Ofen trotz der Schaukelei zuverlässig. Denn er bewegte sich so im Seegang, dass er immer aufrecht stand. Kardanische Aufhängung nennen Bootleute diese Konstruktion, auf See fast schon überlebenswichtig.

Weihnachten auf See und in der Fremde – kein Problem: Der trockene Zweig wird mit grünen Stoffresten umwickelt. Eine kleine Kiste mit Tannenbaumschmuck hatten die Segler dabei. Dazu bastelte Maya noch Vögel, Sterne und Fische aus Walnuss-Schalen, Filz und Papier. Am Heiligen Abend war das Boot festlich geschmückt. Die wichtigste Frage für die Kinder blieb: Wird der Weihnachtsmann die Geschenke hierherbringen? Mutter Natalie hatte dafür eine einfache Lösung. Die Kinder wurden mit Vater Michael auf Angeltour geschickt, schließlich brauchen auch Weltenbummler erstmal ein Festessen. Zwar wollten die Fische einfach nicht beißen – wahrscheinlich haben die Pinguine, Seelöwen und Vögel schon das Weihnachtsessen weggefischt – doch so hatte Nathalie genügend Zeit die Geschenke aus dem Versteck zu holen. Und in der Stadt hatte sie auch genügend Vorräte gebunkert. Als die Mädchen mit ihrem Vater ohne Fang zum Boot zurückkehren, stand das Festessen auf dem Tisch im Salon. Und – unter dem Tannenbaum stapelten sich Geschenke. Was für eine Bescherung! Am ersten Weihnachtstag packte die Familie schon wieder den Weihnachtsbaum weg und segelt weiter, Richtung Süden, denn die Fahrt geht um Kap Horn auf die andere Seite des Kontinents, vom Atlantischen in den Pazifischen Ozean. Schon bevor sie mit Maya und Lena auf ihre große Südamerika-Reise gingen, haben Nathalie Müller und Michael Wnuk die Welt umsegelt. Die beiden Mädchen sind sogar in der Ferne geboren – Maya vor neun Jahren in Malaysia in Asien und Lena vor sieben Jahren in Südafrika.

Maya war auch bei der ersten Reise eine Zeit lang mit an Bord. Dann lebte die Familie einige Jahre in ihrer Heimatstadt Düsseldorf, bevor sie 2011 nach Argentinien aufbrach. Von dort ging die Reise über Chile, Surinam und die Karibik zurück nach Deutschland. Hier machten die vier im August in Flensburg fest, wo sie nun leben, arbeiten und zur Schule gehen. Doch auch das soll nicht für immer sein. Nathalie und Michael Müller suchen schon wieder nach einem neuen Boot – für die nächste große Reise.


Mehr Infos: www.sy-marlin.de

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