Glücksatlas : Was macht uns zufrieden?

Lebenszufriedenheit in Deutschland
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Lebenszufriedenheit in Deutschland

Der so genannte Glücksatlas legt jährlich offen, wie ausgeglichen die Deutschen sind

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25. November 2015, 21:00 Uhr

Glück lässt sich messen. Wie es in Deutschland verteilt ist, untersucht seit fünf Jahren der sogenannte Glücksatlas. Aber welche Faktoren spielen wirklich eine Rolle?

Was ist Glück? Und warum ist von Lebenszufriedenheit die Rede?

Die Lebenszufriedenheit ist ein wichtiger Teil des Glücks, wie Glücksforscher Karlheinz Ruckriegel von der Technischen Hochschule Nürnberg erklärt. „Die Glücksforschung unterscheidet zwischen zwei Formen des Wohlbefindens: der emotionalen und der kognitiven“, sagt der Ökonom. Letztere ist ein andauerndes Gefühl und beschreibt die Lebenszufriedenheit, von der auch im Glücksatlas die Rede ist. Das emotionale Wohlbefinden hingegen meint das tägliche Verhältnis zwischen positiven und negativen Gefühlen. Es sollte Experten zufolge etwa bei 3:1 liegen.

Wie wird die Lebenszufriedenheit im Glücksatlas gemessen?

Grundlage der Befragung ist eine Skala von 0 bis 10, in deren Rahmen sich die Befragten selbst einschätzen müssen. Ausgewertet wurden zum einen die Daten des sogenannten sozio-oekonomischen Panels. Die fortlaufende Erhebung misst seit 1984 wie zufrieden sich die Deutschen selbst einschätzen. 2015 wurden dazu mehr als 19 000 Menschen befragt. Zusätzlich fließen die Ergebnisse einer bundesweiten Erhebung vom Institut für Demoskopie Allensbach ein. Die Forscher befragten von Februar bis Mai 2015 rund 5800 Teilnehmer nach deren Lebenszufriedenheit.

Welche Faktoren beeinflussen das Glück?

In der Glücksforschung sind mehrere Indikatoren bekannt, die einen Einfluss haben. Dazu gehören unter anderem Bildung, Gesundheit, Arbeit und Einkommen, aber auch Umwelt, Unabhängigkeit, Optimismus und Dankbarkeit. Besonders wichtig ist auch der sogenannte Gemeinsinn. Ruckriegel erklärt den wie folgt: „Habe ich jemanden, auf den ich mich verlassen kann, wenn ich Hilfe brauche?“

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Gibt es Faktoren, die wichtiger sind als andere?

„Alles wird nie ganz gegeben sein“, gibt der Experte zu bedenken.„Ganz wichtig sind die sozialen Beziehungen. Wenn Sie keine grundlegenden sozialen Beziehungen haben, wird es schwierig.“ Leichter haben es ihm zufolge zudem Menschen, die optimistisch und dankbar sind. „Man kann das trainieren - beispielsweise mit Dankbarkeitstagebüchern. Damit ändert sich zwar nicht die Welt, aber die Sichtweise.“ Und noch etwas: „Geld, Schönheit, Popularität – das ist eher weniger zielführend.“

Welchen Einfluss hat der Wohnort?

Im Glücksatlas steht seit Jahren der Norden an der Spitze des Rankings, während ostdeutsche Bundesländer hinten liegen. Letzteres erkläre sich unter anderem durch eine schlechtere Situation auf dem Arbeitsmarkt, sagt Studienleiter Bernd Raffelhüschen von der Uni Freiburg. In der aktuellen Erhebung schob sich mit Baden zudem eine südliche Region auf den zweiten Platz. „Die Korrelation zwischen Nordseeluft und Glück ist jetzt gebrochen“, folgert Raffelhüschen.

Das regional unterschiedliche Wetter spielt Glücksforscher Ruckriegel zufolge indes eine untergeordnete Rolle: „Wenn man länger an einem Ort lebt, passt man sich an das Wetter an.“ Im europaweiten Vergleich liegt Dänemark auf Platz eins und Deutschland auf Rang 10.

Warum sind die Dänen glücklicher?

Das hängt auch mit ihrer Mentalität zusammen, wie Raffelhüschen erklärt. Die Grundeinstellung sei dort positiver. Ökonom Ruckriegel nennt noch weitere Gründe: „Der Unterschied besteht darin, dass in Dänemark die Einkommensungleichheit geringer ist. Auch die Work-Life-Balance ist eine andere mit mehr Kinderbetreuungsmöglichkeiten und festen Arbeitszeiten.“

Und wie wird man nun glücklich?

Ein wesentlicher Punkt ist unsere Zeit. „Wir müssen die Zeit so verwenden, dass wir damit ein Höchstmaß an Lebenszufriedenheit erreichen“, erklärt Ruckriegel. „Deswegen ist auch die vielzitierte Work-Life-Balance so wichtig.“

Das lässt sich an einer Sonderbefragung zur Arbeitszufriedenheit im Glücksatlas ablesen: Demnach sind Berufstätige zwar glücklicher als Menschen ohne Job. Ihre Lebenszufriedenheit kann aber schnell kippen – wenn sie länger arbeiten müssen.

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