Online fegt Städte leer : Was Kommunen gegen das Ladensterben tun

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05. September 2015, 16:00 Uhr

Die Prognosen sind alarmierend: Rund 45 000 Ladengeschäften in Deutschland droht nach Schätzung des Instituts für Handelsforschung (IFH) in Köln bis 2020 das Aus. Mehr als jeder zehnte Laden könnte damit für immer seine Tore schließen. Die Fachzeitschrift „Textilwirtschaft“ spricht bereits vom „Horrorszenario Geisterstadt“.

Besonders bedroht vom Ladensterben sind der Studie zufolge ländliche Regionen, Kleinstädte und Mittelzentren. Ihnen setzt nicht nur der Boom des Online-Handels zu, sondern auch der Bevölkerungsrückgang.

Doch immer mehr Kommunen versuchen, sich gegen das allmähliche Sterben ihrer Innenstädte zu wehren. Beispiel Rietberg: Die Stadt mit ihren 28 000 Einwohnern leidet schon heute unter einer wachsenden Zahl leerstehender Geschäfte an der Rathausstraße im Stadtzentrum. Ziel ist die Gründung eines City-Outlet-Centers.

Vorbild ist Bad Münstereifel. In dem Städtchen mit seinen 19 000-Einwohnern wurde vor gut einem Jahr ein City-Outlet eröffnet. Seitdem haben nach Angaben des Betreibers mehr als eine  Million Kauflustige das in den Ort integrierte Outlet besucht. Rund 250 neue Arbeitsplätze seien geschaffen worden, heißt es.

Auch andernorts wird mit dem Gedanken gespielt, dem Beispiel Bad Münstereifel zu folgen. Dabei fragen sich Experten längst, für wie viele derartige Schnäppchen-Paradiese in Deutschland noch Platz ist. „Wenn die eine oder andere Stadt so etwas umsetzen kann, ist das ein Einzelfall. Von solchen Produkten braucht man ja nicht viel“, urteilt etwa Manuel Jahn, der Experte für Einzelhandelsimmobilien bei der Unternehmensberatung GfK Geomarketing ist.

Wuppertal versucht, den boomenden Online-Handel mit den eigenen Waffen zu schlagen. Das Projekt „onlineCity Wuppertal“ (OCW) bietet den lokalen Händlern die Möglichkeit, mit einem gemeinsamen Internetauftritt um Kunden zu werben. Viele Produkte im Wuppertaler Online-Angebot können noch am selben Tag zugestellt werden.

Ob all diese Maßnahmen im Zeitalter des Internets reichen, um das Leben in den Einkaufsstraßen abseits der Metropolen zu erhalten, wird sich wohl erst in Zukunft zeigen.

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