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Jahrhundertflut 2002 : Was bleibt, das sind die Bilder

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Vor 15 Jahren erlebte Deutschland eine Katastrophe, bei der 21 Menschen starben.

svz.de von
erstellt am 12.Aug.2017 | 09:00 Uhr

Eine einzelne Hauswand steht noch inmitten der reißenden Fluten, den Rest hat die sonst so beschauliche Müglitz mit sich gerissen. Das Foto vom Haus der Familie Jäpel ist eines der vielen Bilder, die die Jahrhundertflut von 2002 im Gedächtnis sehr vieler Menschen hinterlassen hat. Stundenlang mussten die Jäpels auf der nur 36 Zentimeter breiten Mauer ausharren, bis Hilfe kam.

„Die Leute haben die Fenster geschlossen, weil sie die Schreie der Menschen auf der Mauer nicht mehr hören konnten“, hatte Helmut Berthold  im Jahr 2002, wenige Tage später, die dramatische Nacht geschildert. Der Pfarrer im Ruhestand ist inzwischen gestorben, den Wiederaufbau seines Ortes hat er zuvor noch aktiv begleitet.

Jedes vierte Haus in der Gemeinde südöstlich von Dresden verschwand damals  in den Fluten. Zwei Bewohner überlebten das Hochwasser nicht. Insgesamt gab  es in Sachsen 21 Tote durch die Flut.

Vier Millionen Deutsche waren in den dramatischen zwei Wochen bis Ende August unmittelbar von Hochwasser betroffen, vor allem an Elbe und Donau, aber auch an vielen kleineren Flussläufen und Bächen. Hunderttausende mussten Haus und Hof zeitweise verlassen. Die Schäden in Sachsen, Sachsen-Anhalt, Bayern, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen und Schleswig-Holstein summierten sich am Ende  des damaligen Sommers auf 9,2 Milliarden Euro.

Statt eines kühlenden Sommergewitters nach einem heißen Tag lud Tief „Ilse“ am 11. August 2002 bis dato undenkbare Wassermassen über dem Erzgebirge ab. Kleine Bäche schwollen zu reißenden Strömen an, schnitten einige Orte binnen Stunden von der Außenwelt ab. In Dresden flutete in der Nacht zum 13. August die Weißeritz den Hauptbahnhof, später setzte die Elbe die historische Altstadt unter Wasser – auch diese Bilder gingen um die Welt.

Passau und Regensburg wurden von einer Flutwelle der Donau überrollt, in Österreich und Tschechien versanken ganze Landstriche in den Wassermassen. In Sachsen-Anhalt überschwemmte die Mulde erste Orte.

In  Sachsen hieß es im Handumdrehen Land unter in Grimma, Meißen oder Döbeln. Überall spielten sich dramatische Szenen ab: Mit Hubschraubern, Schlauchbooten oder Schaufelradladern holten die Rettungskräfte eingeschlossene Menschen aus ihren Häusern.

In Dresden wurde die Rekordmarke von 8,77 Metern aus dem Jahr 1845 für den Wasserstand der Elbe mit 9,40 Metern deutlich überboten – normal sind zwei Meter. Zeitgleich verschärfte sich die Situation in Bitterfeld, Dessau und rund um Lutherstadt Wittenberg. Ein ganzes Land blickte  angespannt auf die Elbe und ihre Zuflüsse. Immer wieder gaben Deiche nach, brachen Dämme. Um dem Hochwasser die Stirn zu bieten, schaufelten Zehntausende Soldaten, Rettungskräfte und Freiwillige bis zum Umfallen Sand in Säcke, um die aufgeweichten Deiche zu halten. Am 19. August erreichte die Flutwelle der Elbe Norddeutschland. Gleichzeitig zeigten sich die Deutschen großzügig wie nie: Allein bei den großen Hilfsorganisationen gingen fast 180 Millionen Euro an Spenden ein. Die Jahrhundertflut schrieb zudem unzählige Geschichten gelebter Solidarität.

Nach 14  Tagen wurde am 28. August schließlich in den letzten Gebieten der Katastrophenalarm aufgehoben. Es begann das große Aufräumen und ein Umdenken in puncto Vorbeugung. Allein in Sachsen wurden seit 2002 rund 2,6 Millionen Euro in den Hochwasserschutz und die Schadensbeseitigung an Gewässern investiert. In den kommenden Jahren sind dafür weitere 630 Millionen Euro vorgesehen.

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