Serie Wochentage : Warum man am Donnerstag nicht krank werden sollte

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Der schreckliche Montag, der stressige Dienstag, der langweilige Mittwoch, der Fast-schon-Wochenende-Donnerstag, der Endspurt-Freitag, der Freizeit-Samstag und der besinnliche Sonntag: Unsere Wochentage sind mit vielen Assoziationen verknüpft. Woher kommen sie? Und stimmen sie überhaupt? Unsere Serie zu den Wochentagen geht diesen Fragen auf den Grund. Heute lesen Sie Teil 4: Donnerstag, der kleine, fröhliche Fast-schon-Freitag.

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08. August 2019, 05:00 Uhr

Osnabrück | Was haben Freddie Mercury, Nelson Mandela, Marie Curie und Johann Wolfgang von Goethe gemeinsam? Sie waren allesamt Donnerstagskinder. Diesen sagt man nach, tolerant, einfühlsam, großmütig und gebildet zu sein. Auch Ehen, die am Donnerstag geschlossen werden, sollen unter einem Glücksstern stehen: "Donnerstagsehe – Glücksehe", so der Volksmund. Für Arbeitnehmer fungiert der Donnerstag häufig als freundlicher Brückentag zum überaus beliebten Freitag, der wiederum das lang ersehnte Wochenende einläutet. Amerikaner nennen den Donnerstag liebevoll "little friday" – kleiner Freitag.

Doch warum hat der Donnerstag so ein gutes Image? Und woher stammt sein klangvoller Name? Das und mehr verraten wir im vierten Teil unserer Serie zu den Wochentagen:

Woher kommt der Name?

Wie die meisten Wochentage ist auch der Donnerstag einem Gott beziehungsweise einem Planeten gewidmet, und zwar dem germanischen Gott Donar, auch als Thor bekannt. Für die Römer indes war der Donnerstag der Tag des Jupiter – im Lateinischen "dies iovis". Von diesen Götternamen leitet sich jeweils der Wochentagsname her, bei uns Donnerstag, Tag des Donar.

Wie heißt der Tag bei unseren Nachbarn?

Das englische "thursday" erinnert phonetisch bis heute an die nordische Gottheit Thor, auch "Donnergott" oder "Donnerer" genannt. Der französische Begriff "jeudi" ist an den römischen Gott Jupiter angelehnt ist, ebenso der italienische Name "giovedi" sowie die spanische Variante "jueves". Die niederländische Entsprechung "donderdag" ist der deutschen ähnlich, hier war Donar Namensgeber.

Was sagt der Volksglaube? Was sollte man an diesem Tag besser vermeiden, was sollte man unbedingt tun?

Der Volksglaube sieht im Donnerstag einen guten Tag für Feiern aller Art, vor allem für Hochzeiten, insbesondere von Schlossern und Schmieden. Das passt gut, gilt doch der Donnerstag (ebenso wie der Dienstag) als Fleischtag. Folgerichtig sollte man an diesem Tag gut essen, nicht aber schwer arbeiten, Holz hacken, Mist ausfahren oder das Spinnrad drehen. Auch vor Gewittern braucht man donnerstags keine Angst zu haben, an diesem Tag sind sie ungefährlich, so heißt es. Darüberhinaus gilt der Donnerstag – ebenfalls neben dem Dienstag – als günstiger Tag für Gerichts- und Vertragsangelegenheiten. Und am Donnerstag gesammelte und zu Kränzen gedrehte Kräuter sollten aufgehängt im Haus gegen Blitzschlag helfen.

Vielerorts, vor allem im Süden Deutschlands, hatten Bedienstete am Donnerstagnachmittag frei, der Tag galt damit fast als ein Feiertag. Für Seemänner ist er das bis heute, bei der Marine nennt man ihn "Seemannssonntag", wo es früher ein gutes Essen, heute immer noch Kuchen und Kaffee gibt. Der Grund ist unklar, möglicherweise war der Tag für eine Auszeit der Mannschaft günstig, da in der Regel freitags keine Schiffe ausliefen, weshalb dafür auch keine besonderen Vorbereitungen getroffen werden mussten. Außerdem fungierte Donar zu früheren Zeiten als wichtiger Wettergott, was ihm eine besondere Bedeutung insbesondere für Seefahrer verlieh.

In heutiger Zeit weisen Statistiken und Studien den Donnerstag als guten Tag zum Tanken aus, denn dann sind Benzin und Diesel häufig günstiger als an anderen Wochentagen. Für Freunde des Nachrichtendienstes Twitter ist der Tag ebenfalls interessant, hier lassen sich besonders viele Likes generieren. Wer mag, geht ins Kino, donnerstags laufen immer die neuesten Filme an, und Softwareanbieter stellen ihre neuesten Updates üblicherweise am Donnerstag zur Verfügung. Auch der Lebensmitteleinkauf lohnt sich, denn an diesem Tag bieten viele Discounter Sonderangebote an, und vielerorts ist Donnerstag Markttag.

Doch was man an einem Donnerstag tunlichst unterlassen sollte, ist krank zu werden. Wer donnerstags krank wird, wird nicht mehr gesund, warnt der Volksmund.

Ist dieser Tag auch ein wiederkehrender Feiertag?

Allerdings, denn sowohl Christi Himmelfahrt als auch Fronleichnam liegen immer auf einem Donnerstag, ebenso der Gründonnerstag in der Karwoche. Dies hat seinen Grund: Die meisten Weisheiten und Bräuche des Volkes hingen früher eng mit dem Gedenken an den Gott Donar zusammen, was der Kirche allzu heidnisch vorkam. Sie installierte daraufhin nicht nur an einigen Donnerstagen im Jahr wichtige Kirchenfeste, sondern erklärte den Donnerstag auch vielerorts zu einem Hexentag, was das Ansehen dieses heidnisch-verehrten Tages schmälern sollte.

Am Donnerstag vor Rosenmontag feiern die Narren Weiberfastnacht, im Schwäbischen ist es der schmutzige oder schmotzige Donnerstag, auch hier sind Faschingsfreunde unterwegs.

Wer hat ihn besungen oder ihm ein Kunstwerk gewidmet?

Udo Jürgens hat 1977 ein Lied namens "Donnerstag" herausgebracht. Darin geht eine allein gelassene Ehefrau, deren Mann donnerstags immer beim Kartenspielen ist, an diesem Abend fremd – und zwar mit dem lyrischen Ich. Hui, welch ein moralischer Abgrund, den Jürgens damals besang. Harmloser kommt das nachdenkliche "Thursday's Child" von David Bowie aus dem Jahr 1999 daher. Darin sinniert er, obgleich selbst an einem Mittwoch geboren, über ein Leben als Donnerstagskind nach.

Welche kuriosen Geschichten drehen sich um diesen Tag?

Wer an einem Donnerstag die bayerische Landeshauptstadt besucht, sollte vorsichtig sein: Statistisch betrachtet geschehen in München donnerstags zwischen 17 und 18 Uhr die meisten Verkehrsunfälle. Wer in Köln wohnt, hat andere Sorgen: Hier haben Einbrecher den Donnerstag als Lieblingstag für ihre kriminellen Machenschaften auserkoren, vor allem zwischen 18 und 20 Uhr sind sie unterwegs.

Auch für Anna Göldi oder auch Göldin, geboren am 24. Oktober in Sennwald in der heutigen Schweiz, brachte ein Donnerstag größtes Unglück: Als eine der letzten Frauen in Europa wurde sie der Hexerei beschuldigt und zum Tode verurteilt, sie starb am 13. Juni 1782, an einem Donnerstag, durch das Schwert. Der Fall hatte damals für großes Aufsehen gesorgt. 2007 wurde die verurteite "Giftmörderin Göldin" rehabilitiert, der Fall gilt bis heute als Justizmord.

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