Tödliches Autorennen in Berlin : War es Mord?

Die gesperrte Tauentzienstraße nach einem illegalen Autorennen.
Die gesperrte Tauentzienstraße nach einem illegalen Autorennen.

Bundesgerichtshof prüft lebenslange Haft für Raser. Das Urteil kommt am 1. März.

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01. Februar 2018, 20:45 Uhr

Sie waren versessen auf schnelle Autos, scherten sich nicht um Verkehrsregeln und fuhren im Temporausch einen Menschen tot. Zwei Berliner Raser wurden dafür vom Landgericht Berlin zu lebenslangen Haftstrafen wegen Mordes verurteilt. Nun überprüft der Bundesgerichtshof (BGH) das bundesweit erste Mordurteil nach einem illegalen Autorennen. Unter großem Medien- und Publikumsinteresse verhandelten die höchsten deutschen Strafrichter gestern in Karlsruhe den aufsehenerregenden Fall der zwei Autoraser. Sein Urteil verkündet der BGH am 1. März.

Auf den Tag genau vor zwei Jahren – kurz nach Mitternacht – waren die beiden damals 24 und 26 Jahre alten Männer in ihren PS-starken Autos mit bis zu 170 Stundenkilometern über den Kurfürstendamm gerast. Bei ihrem nächtlichen Wettrennen über elf Kreuzungen mit mehreren roten Ampeln erfasste der Ältere mit seinem Wagen an der Ecke Tauentzienstraße/Nürnberger Straße den Geländewagen eines 69-Jährigen, der bei Grün in die Kreuzung fuhr. Dessen Fahrer hatte keine Chance: Sein Auto wurde mehr als 70 Meter weit geschleudert; der 69-Jährige starb noch an der Unfallstelle.

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Der Unfallort glich einem Trümmerfeld, Granitblöcke wurden herausgerissen. Zeugen dachten zunächst an ein Bombenattentat. Bei dem furchtbaren Geschehen wurde auch die Beifahrerin des 24-Jährigen schwer verletzt, die beiden Raser kamen mit leichten Blessuren davon. Beide waren schon zuvor als Verkehrssünder auffällig geworden.

Auch wenn die beiden niemanden vorsätzlich töten wollten – aus Sicht des Landgerichts Berlin haben sie den Tod anderer Menschen billigend in Kauf genommen, um zu gewinnen. Die beiden hätten „mittäterschaftlich und mit bedingtem Vorsatz“ gehandelt und das Auto dabei als Mordwaffe genutzt. Neben der lebenslangen Haftstrafe wegen Mordes wurde ihnen der Führerschein auf Lebenszeit entzogen.

Gegen dieses Urteil legten die Männer Revision ein. Ihre Verteidiger plädierten vor dem BGH dafür, das Urteil aufzuheben und an eine andere Kammer zurückzuverweisen. Sie monierten mehrere Rechtsfehler und sehen keine Hinweise für ein vorsätzliches Tötungsdelikt als Voraussetzung für das Mordurteil.

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