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Neue Details zu DDR-Gründerpaar : Walter Ulbrichts Frau wollte keine Hausfrau sein

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Aus der Onlineredaktion

Walter Ulbricht fuhr 1945 Opel, seine Frau Lotte heiratete dreimal: Dokumente enthüllen unbekannte Details des DDR-Gründerpaars.

svz.de von
erstellt am 17.Okt.2017 | 12:00 Uhr

Nach seiner Rückkehr aus dem Moskauer Exil stellte Walter Ulbricht (1893-1973) die Weichen für einen „Arbeiter- und Bauernstaat“, die spätere DDR. Er selbst war von Anfang an einer der mächtigsten kommunistischen Funktionäre, die Deutschland nach sowjetischem Vorbild umgestalten sollten. Auf seiner Mitgliedskarte der 1946 gegründeten Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED) gab er als Beruf allerdings nur „Parteiarbeiter“ an. Seine Frau Charlotte („Lotte“) wählte auf ihrer Mitgliedskarte die gleiche Berufsbezeichnung. Die Parteiausweise sind Teil des Nachlasses des Herrscherpaares, der am Sonnabend in Hamburg unter den Hammer kommt.

 

Die Auktion umfasst zahlreiche Ausweise, Dokumente und Briefe der Ulbrichts. Als Startpreis hat der Auktionator, Carsten Zeige, für alle Einzelstücke zusammen eine Summe von 10 000 Euro aufgerufen, er rechnet aber mit einem weit höheren Preis. Besonders Sammler von Ausweisen seien interessiert, sagt Zeige. „Die von bekannten Persönlichkeiten sind besonders reizvoll.“ Die Dokumente könnten aber auch für Historiker von Interesse sein: Das Familienstammbuch, die Heirats- und eine Scheidungsurkunde werfen Fragen auf. Demnach heirateten Charlotte Kühn und Walter Ulbricht im Jahr 1950. Ihren Nachnamen hatte Kühn aber schon 1946 mit Genehmigung des Polizeichefs von Sachsen in Ulbricht geändert. Zuvor war sie mit dem Parteifunktionär Erich Wendt verheiratet gewesen, der in der Sowjetunion unter Stalin in Ungnade gefallen war. Es gab aber noch einen weiteren Ehemann, den sie 1923 geheiratet hatte, und zwar Otto Schultchen. Eine Gerichtsurkunde im Nachlass belegt, dass dieser sich 1942 von Charlotte Schultchen, geb. Kühn, scheiden ließ. Grund: Sie sei nach Moskau ausgewandert.

Beitragsmarken der Kommunistischen Partei Deutschland (KPD) kleben in einem Mitgliedsausweis aus dem Jahr 1945 des DDR Politikers Walter Ulbricht.
Beitragsmarken der Kommunistischen Partei Deutschland (KPD) kleben in einem Mitgliedsausweis aus dem Jahr 1945 des DDR Politikers Walter Ulbricht. Foto: Christian Charisius
 

Dort hatte die spätere First Lady der DDR schon 1938 gelernt, was es heißt, hinter einer „unübersteigbaren Mauer“ zu leben. So formulierte sie damals in einem Brief an den Generalsekretär der Kommunistischen Internationale, Georgi Dimitroff. Sie bettelte ihn um eine Beschäftigung an, denn auch sie war im Rahmen der stalinistischen Säuberungen kaltgestellt worden.

„Da ich fast 20 Jahre ununterbrochen beruflich und politisch tätig bin und ausserdem weder Lust noch Talent zur Hausfrau habe, bedeutet dieser Zustand nicht nur geistigen Stillstand, d.h. Rückschritt, sondern auch schwere gesundheitliche Schädigung“, klagte sie laut Abschrift eines Briefes an den „lieben Genossen Dimitroff“.

 Ein Vaterländischer Verdienstorden in Gold der ehemaligen DDR aus dem Nachlass des DDR-Gründers Walter Ulbricht.
Ein Vaterländischer Verdienstorden in Gold der ehemaligen DDR aus dem Nachlass des DDR-Gründers Walter Ulbricht. Foto: Christian Charisius
 

Ihr Mann Walter fuhr unter den Russen besser. Ein Dokument zeigt, dass ihm die sowjetischen Behörden am 11. Mai 1945, also unmittelbar nach Kriegsende, die Erlaubnis erteilten, einen Opel Super 6 zu nutzen. Einen Freifahrtschein für die Reichsbahn hatte er auch. Doch der Ausweis sieht wenig benutzt aus. Etwas abgenutzter erscheint ein „Behelfsmäßiger Personalausweis“, ausgestellt am 1. März 1946 in Berlin. Obwohl das Passbild den damals 52-Jährigen mit Stirnglatze, dunklen Haaren und dem charakteristischen Spitzbart zeigt, heißt es in der Beschreibung: „Haarfarbe: blond, besondere Kennzeichen: keine“. Ein Abdruck des rechten Zeigefingers sollte wohl die zweifelsfreie Identität garantieren.

Zusammen mit den Ulbricht-Urkunden kommen auch zahlreiche DDR-Orden, Uniformen und Auszeichnungen anderer Funktionäre unter den Hammer. Sie stammen aus einer Sammlung sowie dem Nachlass eines Generals.

Zeige hat sich in dem Bereich bereits einen Namen gemacht. Der in Ost-Berlin aufgewachsene Auktionator versteigerte vor zehn Jahren Nachlassobjekte des DDR-Staatsratsvorsitzenden Willi Stoph. Es folgten weitere Auktionen zu Stasi-Minister Erich Mielke und zuletzt zu Devisenbeschaffer Alexander Schalck-Golodkowski.

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