Möglicher Ausbruch : Vulkan in Island brodelt: Öræfajökull lässt Gletscher absacken

Blick auf den mächtigen Gletscher Öræfajökull. /Archiv

Blick auf den mächtigen Gletscher Öræfajökull. /Archiv

Einer der gefährlichen Vulkane Islands muckt mit Erdbeben und Hitze auf. Das Ministerium hat die Notfallpläne schon auf dem Tisch.

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21. November 2017, 11:57 Uhr

Reykjavik/Hof | 300 Jahre war es recht still um Islands Öræfajökull (Aussprache in etwa: Örejfajökütl), dessen Name sich sowohl auf den Gletscher als auch auf das darunter liegende Vulkanmassiv bezieht. Seit ein paar Tagen wird es allerdings wärmer unter dem Eis. Aus der Vogelperspektive ist im Gletscher eine kreisrunde Einwölbung sichtbar: Im Video des Dänischen Rundfunks zeigt sich die Kontur des Kraters, über dem das schmelzende Eis absackt.

Das Vulkanmassiv, um das es geht, liegt an der Westkante des Gletschermassivs Vatnajökull und ist eines der größten in ganz Island. Seit es dort Anfang November zu Erdbeben kam, wird der Öræfajökull genau überwacht, denn eine Eruption wäre äußerst gefährlich für die Anwohner in der Umgebung. Die Flut könnte doppelt so groß werden wie die verheerenden Schmelzwasserläufe der Skeiðará 1996.

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DR/Screenshot Youtube
 

1362 sorgte der Öræfajökull für den größten Vulkanausbruch in der Siedlungsgeschichte des Landes. Weil er mehrere Höfe komplett von der Bildfläche verschwinden ließ und einen ganzen Landstrich wegriss, nennt man ihn Öræfajökull, das bedeutet „Einödegletscher“. Alle paar Jahre rumort es zwar im Krater, doch seit 1362 ist er nur noch ein Mal wirklich ausgebrochen – 1727 – und damals vergleichsweise harmlos.

Der Seismologe Reynir Bödvarsson von der Universität Uppsala hält es diesmal für möglich, dass es anders als bei den vier harmlosen Turbulenzen in den letzten 20 Jahren diesmal zu einer Eruption kommt. Eine Prognose des Zeitraums ist jedoch nur schwer möglich: „Es kann sein, dass er sich auf einen Ausbruch vorbereitet, aber das kann Wochen, Monate, Jahre oder Jahrzehnte dauern", sagte Bödvarsson dem schwedischen Sender SVT. Das meteorologische Institut in Island sieht derzeit keine Anzeichen dafür, dass eine Eruption bevorsteht, obgleich geologische und geothermische Aktivitäten im Gebiet gemessen wurden und man die Entwicklung derzeit sehr genau beobachtet.

Aufgrund der zunehmenden Aktivität des Öræfajökull hat Islands Ministerium für zivile Sicherheit und Notfallvorsorge schon einmal die bestehenden Evakuierungspläne hervorgekramt. In der Umgebung in Islands Süd-Süd-Osten befinden sich mehrere Orte, die von der zu erwartenden, verheerenden Flutwellle durch das Schmelzwasser betroffen wären. Innerhalb von 40 Minuten wäre es laut Angaben des Ministeriums gegenüber SVT möglich, die Anwohner zu evakuieren. Die Flutwelle könnte die Ringstraße allerdings auch schon in 30 Minuten erreichen, die Evakuierung müsste also unbedingt vor dem Ausbruch beginnen.

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