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Eurovision-Song-Contest : Von Mönchsgesang bis Schlager

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Heute Abend wird der deutsche Vertreter für den Eurovision-Song-Contest in Schweden gewählt. Die Teilnehmer sind so unterschiedlich wie noch nie

svz.de von
erstellt am 25.Feb.2016 | 12:00 Uhr

Die deutsche Eurovision-Song-Contest-Geschichte ist voll mit versöhnlichen Liedtiteln: „Ein bisschen Frieden“ von Nicole, „Ein Lied kann eine Brücke sein“ von Joy Fleming oder einfach Guildo Horns Bekenntnis, dass er alle lieb hat („Guildo hat euch lieb!“). Auf eine ähnlich versöhnliche Stimmung dürfen auch die Macher des diesjährigen ESC-Vorentscheids hoffen, wenn heute der deutsche Beitrag für die Endrunde in Schweden endlich feststeht. Die ARD zeigt den Vorentscheid „Eurovision Song Contest 2016 - Unser Lied für Stockholm“ ab 20.15. Uhr.

Genug Diskussionen hat es zuvor ja schon gegeben. Eigentlich hatte Xavier Naidoo (44) das Ticket nach Stockholm schon in der Tasche. Da der Sänger zwar musikalisch äußerst erfolgreich, wegen einiger politischer Äußerungen allerdings umstritten ist, zog der zuständige NDR die Nominierung nach Protesten wieder zurück. Nun gibt es also wieder einen Wettbewerb mit mehreren Künstlern. Das Kandidatenfeld ist ziemlich bunt gemischt. Auf eine selbst gewählte Zuspitzung auf einen einzelnen Künstler folgt die große Vielfalt.

Diese Sänger sind dabei

1. Alex Diehl: Bayerischer Singer-Songwriter, der mit seinem Beitrag „Nur ein Lied“ in guter deutscher ESC-Friedenslied-Tradition steht.

2. Avantasia: Rock-Projekt um den in Metal-Kreisen bekannten Musiker Tobias Sammet („Edguy“). Das Lied „Mystery Of A Blood Red Rose“ erinnert weniger an die finnischen ESC-Gewinner und Hardrocker von Lordi, eher an opulente Rock-Arien der 80er.

3. Ella Endlich: lässt die Schlager-Tradition beim ESC aufleben. Mit „Küss mich, halt mich, lieb mich“ hatte sie 2009 einen kleinen Hit. Nun singt sie „Adrenalin“.

4. Gregorian: Mittelalter-Projekt des Hamburger Musikproduzenten Frank Peterson, bei dem die Sänger Mönchskutten tragen. In „Masters Of Chant“ trifft gregorianischer Gesang auf Pop-Musik.

5. Jamie-Lee Kriewitz aus der Nähe von Hannover hat bereits gute Erfahrungen mit Publikums-Abstimmungen gemacht – sie gewann die Show „The Voice of Germany“.

6. Joco: Die Schwestern Josepha und Cosima Carl sind eher Insidern bekannt. Sie machen mit dem Lied „Full Moon“ Indie-Pop der anspruchsvolleren Sorte.

7. Keøma: Die australische Sängerin Kat Frankie und der Kölner Rockmusiker Chris Klopfer machen mit „Protected“ elegischen Indie-Pop.

8. Laura Pinski ist das Rückkehrticket von Ralph Siegel auf die deutsche ESC-Bühne. Ihr Lied „Under The Sun We Are One“ stammt aus der Feder des ewigen ESC-Komponisten.

9. Luxuslärm: Die westfälische Band ist bereits bei Stefan Raabs „Bundesvision Song Contest“ auf Platz vier gelandet.

10. Woods Of Birnam: Sänger Christian Friedel schart Ex-Mitglieder der Band Polarkreis 18 um sich.

In der von Barbara Schöneberger (41) moderierten Show treten unter anderem gregorianische Mönche (Gregorian) gegen Schlager (Ella Endlich) und Großstadt-Indie-Pop (Keøma) gegen opulenten Bombastrock (Avantasia) an. Es gibt zehn Bands und Musiker, aber bislang keinen wirklichen Favoriten.

Einem größeren TV-Publikum könnte eventuell die Sängerin Jamie-Lee Kriewitz bekannt sein, die die ProSiebenSat.1-Show „The Voice of Germany“ gewonnen hat und mit schrillen Outfits im asiatischen Manga-Stil auffällt. Dass „The Voice“-Stimmen ESC-tauglich sind, hatte im Vorjahr schon Andreas Kümmert mit seinem Sieg im Vorentscheid vorgemacht – auch wenn er das Ticket am Ende nicht haben wollte. Noch so ein Rückzieher in der deutschen ESC-Geschichte. 2016 sei mit allen Künstlern ausgiebig gesprochen worden, sagte ARD-Unterhaltungskoordinator Thomas Schreiber. „Natürlich haben wir allen gesagt: Wir wollten jetzt nicht in Serie das Andreas-Kümmert-Ergebnis haben.“

Die kunterbunte Kandidatenmischung sorgt immerhin dafür, dass der ewige Grand-Prix-Komponist Ralph Siegel wieder von einem großen Finale träumen darf. Der mittlerweile 70-Jährige, 1982 mit Nicole und „Ein bisschen Frieden“ erfolgreich, steckt hinter dem Lied der noch eher unbekannten Düsseldorferin Laura Pinski.

Dass es vor der Show die ein oder andere Diskussion gegeben hat, wundert Michael Sonneck nicht wirklich, den Präsidenten des Eurovision Club Germany, in dem sich ESC-Fans zusammengeschlossen haben. „Seit Stefan Raab und dem Sieg von Lena hat der ESC in Deutschland an Bedeutung gewonnen. Er wird jetzt ein wenig als eine Art nationale Aufgabe betrachtet“, meint Sonneck. Von den nun präsentierten Kandidaten sei er eigentlich ganz positiv überrascht. „Man hätte ja vermuten können, dass sich viele Künstler nach dieser Vorgeschichte nicht als Notlösung sehen wollten.“

Die Vorauswahl haben nach Angaben des NDR Vertreter der jungen ARD-Radios, des NDR, der Musikbranche und der Produktionsfirma Brainpool getroffen. Heute Abend können die Zuschauer per Telefon, per SMS oder über eine App für ihren Favoriten abstimmen. Zuerst soll so das Zehnerfeld auf drei Musiker und Bands verkleinert werden. Aus diesem Trio wird dann noch mal der Gewinner gewählt. Der oder die Sieger werden dann am 14. Mai in Stockholm als deutscher ESC-Beitrag auf der Bühne stehen.

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