Serie: Woche der Sicherheit : Von falschen Enkeln und Polizisten

Besser keine Auskünfte erteilen: Trickbetrüger versuchen gezielt, Senioren am Telefon davon zu überzeugen, Geld abzuheben. Dabei geben sie sich auch als Polizisten aus.
Besser keine Auskünfte erteilen: Trickbetrüger versuchen gezielt, Senioren am Telefon davon zu überzeugen, Geld abzuheben. Dabei geben sie sich auch als Polizisten aus.

Der Enkeltrick hat weitgehend ausgedient, dafür geben sich Trickbetrüger am Telefon immer häufiger als Polizist, Staatsanwalt oder Richter aus.

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11. November 2017, 08:00 Uhr

Heute beginnt die Woche der Sicherheit zum Thema „Sicherheit im Alter“. Diese Themen folgen in der kommenden Woche: Geld &Versicherungen, Wohnen, Gesundheit, Gewalt, Datensicherheit, Verkehr.

„Na, wer ist am Telefon. Rate doch mal! Ja klar, ich bin es, dein Enkel, und stecke gerade finanziell in der Klemme.“ Das war, einfach ausgedrückt, der berühmt-berüchtigte Enkeltrick. Inzwischen ist das in Deutschland ein alter Hut. Doch was, wenn sich der Anrufer als Polizist, Staatsanwalt oder Richter ausgibt, von wichtigen Ermittlungen spricht und am Ende die Wertsachen des Angerufenen sicherstellen möchte? Das ist recht neu und führt bei vielen Senioren in Deutschland zum Erfolg.

 „Die Täter nutzen eine spezielle Technik, die bei einem Anruf auf der Telefonanzeige der Angerufenen die Polizei- Notrufnummer 110 oder eine örtliche Telefonnummer erscheinen lässt – obwohl die Anrufer zumeist aus dem Ausland agieren“, erläutert Gerhard Klotter, Vorsitzender der Polizeilichen Kriminalprävention der Länder und des Bundes. Und schon da sollten Betroffene hellhörig werden. Denn die Polizei oder andere Organe des Staates würden nie über Notrufhotlines anrufen.

Besonders perfide sei die Gesprächsführung der Betrüger. Unter Vorwänden – beispielsweise, dass die Polizei Hinweise auf einen geplanten Einbruch habe – gelinge es Tätern immer wieder, den Opfern mittels geschickter Gesprächsführung glaubhaft zu vermitteln, dass ihre Wertsachen zu Hause nicht sicher seien. Ein Zivilpolizist werde vorbeikommen, um das gesamte Geld in „Sicherheit“ zu bringen.

„Wir hatten schon Fälle, da wurden die Opfer zur Bank geführt, weil angeblich der Filialleiter vorhabe, das Konto seiner Kunden zu plündern. Ein Taxifahrer war dann der Geldbote zum Polizisten, der das Geld verwahren wird, weil es sich um angeblich verdeckte Ermittlungen handelt“, so Bernd Spilker von der Kriminalprävention.

Um bis zu 50 000 Euro seien so im Einzelfall Senioren betrogen worden. Um gar nicht erst in den Fokus der Täter zu gelangen, empfehlen die Beamten, sich aus dem Telefonbuch streichen zu lassen. Für Spilker und seine Kollegen hilft nur verstärkte Aufklärung. Und vonseiten der Polizei gibt es noch einen Hinweis: „Die Polizei wird niemals nach Wertsachen fragen, Sie um Geld bitten oder Sie zur einer Bank schicken. Das gibt es einfach nicht.“

Tipps der Polizei: So sollten sich Angerufene verhalten

Wer von falschen Polizisten angerufen wird, kann die Identität nicht anhand des Telefondis-plays erkennen. Deshalb gibt die echte Polizei Tipps, wenn es zu einem Anruf kommt:

  •  Bei einem Anruf der Polizei erscheint nie die Notrufnummer 110.
  • Gibt sich der Anrufer als Polizeibeamter aus, lassen Sie sich den Namen nennen und rufen Sie Ihre örtliche Polizeibehörde an. Vergewissern Sie sich, dass es diesen Beamten gibt und wie er erreichbar ist.
  • Geben Sie unbekannten Personen keine Auskünfte über Ihre Vermögensverhältnisse oder andere sensible Daten.
  • Öffnen Sie unbekannten Personen niemals die Haustür, oder ziehen Sie eine Vertrauensperson hinzu.
  • Übergeben Sie unbekannten Personen niemals Geld oder Wertsachen, auch nicht Boten oder angeblichen Mitarbeitern von Polizei oder Staatsanwaltschaften.
  • Wenn Sie Opfer eines Trick-Anrufers geworden sind, erstatten Sie Anzeige. Weitere Informationen und Tipps unter: www.pfiffige-senioren.de; www.polizei-beratung.de  
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