Längster Ortsname Europas : Vom Scherz zum Geschäftsmodell

Bitte genau lesen: Das Bahnhofsschild.
Bitte genau lesen: Das Bahnhofsschild.

Ein walisisches Dorf mit Rekord-Namen wird dank pfiffiger Einwohner zum Touristenmagneten

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07. März 2018, 12:00 Uhr

Gwenno Ann Gawler, Verkäuferin im kleinen Delikatessenladen eines abgelegenen Dorfes in Wales, ist verblüfft über die Heerscharen von Touristen. „Chinesen, Japaner, Russen, Franzosen, Niederländer – sie kommen einfach alle.“

Es ist der 58 Buchstaben lange Name des Ortes im Westen Großbritanniens, der die Touristen in Scharen anlockt. Er heißt: Llanfairpwllgwyngyllgogerychwyrndrobwllllantysiliogogogoch. Damit hält das unscheinbare Dorf, in dem es oft regnet, einen Rekord: Es hat den längsten amtlichen Ortsnamen in Europa. Wer glaubt, dass dieser Name Humbug ist, der irrt gewaltig. Er bedeutet: „Marienkirche in der Mulde der weißen Hasel, in der Nähe eines schnellen Strudels und der Kirche St. Tysilio bei der roten Höhle“. Das Wortungetüm entstand im 19. Jahrhundert als Marketing-Gag. Ursprünglich hieß der Ort nur Llanfair Pwllgwyngyll.

Doch als ab den 1850er-Jahren eine Eisenbahnlinie durch das Dorf führte, suchten die Bewohner nach einer Möglichkeit, die Reisenden zum Zwischenstopp zu bewegen. Ein gewiefter Schuster habe sich den werbewirksamen langen Namen ausgedacht, sagt Gemeinderat Alun Mummery. Das ultralange Bahnhofsschild gehört zu den beliebtesten Fotomotiven in Wales, wenn nicht gar in ganz Großbritannien, wie Einheimische behaupten. Die Menschen in Wales hatten eine weitere Idee: Der Ort schloss werbewirksam Partnerschaften mit Orten, die extrem kurze Namen haben. Seitdem verbindet die Waliser eine Freundschaft mit einer kleinen Gemeinde in Frankreich: Y.

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