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Dachau : Vom Blaulicht ins Rotlicht

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Jahrelang sorgte Uwe Ittner als Polizeibeamter für Ordnung – dann führte er ein Bordell

svz.de von
erstellt am 28.Okt.2015 | 21:00 Uhr

Von außen ist der unscheinbare Bungalow im Gewerbegebiet von Dachau nichts Besonderes. Etwas versteckt liegt er hinter einer Autowerkstatt. Erst drinnen wird klar, dass es sich nicht um ein gewöhnliches Wohnhaus handelt. Ein weißes Ledersofa, griechisch anmutende Statuen, kitschige Malereien, große Spiegel an den Wänden und eine Striptease-Stange schreien ganz laut: Porno! Der „Salon Patrice“ ist ein Bordell. Eins von diesen diskret gelegenen Häusern, von denen es auch im katholischen Bayern das eine oder andere gibt.

Das Besondere an diesem Haus ist der Mann, der auf dem weißen Ledersofa sitzt: Uwe Ittner rief das Bordell vor einigen Jahren mit seiner damaligen Lebensgefährtin, der Namensgeberin Patrice, ins Leben. Vorher war er 25 Jahre lang Polizist in München – Kriminalpolizist, Fahnder. Rund 30 Kilometer trennen den „Salon“ vom Münchner Polizeipräsidium. Doch es ist eine andere Welt. „Viele wollten dann nichts mehr mit mir zu tun haben“, sagt Ittner. „Die wenigen Freunde, die ich bei der Polizei hatte, haben mir vorgeworfen, ich hätte die Seiten gewechselt. Für die war ich ein Zuhälter – und fertig.“

Über seinen Wechsel „Vom Blaulicht ins Rotlicht“ hat Ittner ein Buch geschrieben, das genau so heißt und seit einigen Tagen auf dem Markt ist. „Wenn ich jetzt noch Polizeibeamter wäre, würde ich mit Sicherheit irgendwo in einem warmen Büro sitzen, die Füße hochlegen und zu gegebener Zeit ein Weißbier aufmachen“, sagt er. „Es ist nur die Frage, ob man so ein Berufsleben will. Ich wollte das schon damals nicht. Das hat mich nicht befriedigt.“ Als Polizist lernte er eines Tages die Prostituierte Patrice kennen. Die beiden verliebten sich. „Daraus ist Liebe geworden – mit dem kleinen Schönheitsfehler, dass ich Polizist war und sie angeschafft hat. Ich hatte da moralisch keine Bedenken. Aber wissen durfte das natürlich niemand. Es ist nicht unbedingt gern gesehen, wenn ein Polizist mit einer Hure zusammen ist.“

Ein Polizist sei tatsächlich zu besonderem Wohlverhalten verpflichtet, sagt ein Gewerkschaftssprecher. „Der Rock von Vater Staat ist eng, aber warm.“

Das sei für Ittner aber nicht das größte Problem gewesen. „Ich wusste, dass es nur eine Illusion ist, die sie verkauft, aber ich hatte daran zu knabbern, wenn ich wusste, dass sie arbeitet und dann mit wer weiß wie vielen Männern Geschlechtsverkehr hat. Wir haben uns dann immer wieder darüber gestritten und standen dann vor der Entscheidung: Wir trennen uns – oder sie gibt ihren Beruf auf. Sie hatte dann die Idee, das Bordell aufzumachen.“

Auch das, so sagt er, sei aber gar nicht so einfach gewesen. „Allein schon rein praktisch gab es da durchaus Schwierigkeiten: Wo machst du so ein Haus auf? Wo bekommst du eine Genehmigung? In Bayern muss eine Gemeinde, in der man ein Bordell aufmachen will, mindestens 30 000 Einwohner haben. Neben einem Kindergarten geht's nicht, neben einer Schule geht's nicht. Rein geschäftsmäßig muss man sich dann auch noch fragen: Wie ist die Konkurrenzsituation? Dann muss man einen Vermieter finden. Und wo bekomme ich ein Geschäftskonto?“ Inzwischen gibt es das Haus seit elf Jahren.

Die Führung des Bordells hat er inzwischen übrigens an seine neue Lebensgefährtin abgegeben. Eines hat sich durch seinen ungewöhnlichen Jobwechsel übrigens nicht geändert: „Wenn ich auf einer Party oder so gesagt habe, was ich beruflich mache, dann sind die Leute schon manchmal zusammengezuckt. Aber das war als Polizist nicht anders.“

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