Schaufensterpuppen in Schweden : Vollschlank statt mager

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Schaufensterpuppen sind überall sehr, sehr schlank – in Schweden aber hat man sich der Realität angepasst

Schaufensterpuppen sind zumeist sehr dünn. Doch die britische Kleiderkette Topshop hat den Bogen anscheinend überspannt. Eine Filiale in London löst nach einem Bericht über eine vermeintliche Magerpuppe weltweite Empörung aus. Laut der britischen Zeitung „Guardian“ entsprechen die meisten Schaufensterpuppen im Land den Kleidergrößen 36 bis 38 bei 1,80 Metern Länge.

Das neue Model liegt weit darunter, obwohl die durchschnittlichen Werte für britische Frauen Kleidergröße 44 und eine Körperlänge von 1,63 Metern sind. Sogar sportliche Frauen sehen daneben übergewichtig aus. Auch die dünne Freundin der Bloggerin Becky Hoppers, die auf die Puppe aufmerksam machte, wirkte daneben fast mollig. Das Foto verbreitete sich schnell im Internet und löste viel Kritik aus.

Bloggerin Hopper verweist auf Schweden als wünschenswertes Vorbild. Dort gönnt man sich ein entspannteres Verhältnis zu Schlankheit und Schönheit – wohl auch, weil Schweden als gut aussehend gelten. Als wirklich schön werden immer häufiger Menschen mit nicht zu perfektem Aussehen bewertet.

Hopper verweist auf ein Beispiel: So habe Åhléns, die größte schwedische Kaufhauskette, wahrscheinlich zum entspannten Umgang mit Schönheitsidealen beigetragen. Schon seit 2005 hat sie in ihren 77 Kaufhäusern neben dünnen auch dickere weibliche Puppen aufgestellt, die gewöhnliche Kleidung zur Schau stellen, aber auch pikante Dessous. Ausgangspunkt war eine XXL-Kollektion für größere Frauen. Dann hat die Kaufhauskette die molligeren Puppen für das gesamte Kleidersortiment eingesetzt.

„Wir haben heute einen Mix aus fülligen und normalen Puppen in der gesamten Unterwäsche- sowie der Kleiderabteilung für Damen“, sagt Cathrine Wigzell, Pressechefin von Åhléns. „Wir entschlossen uns damals dazu, weil unsere Kundinnen ja auch sehr unterschiedlich gebaut sind. Wir wollen die Gesellschaft wie sie ist, widerspiegeln“, sagt sie. Das Qualitätskaufhaus sorgte damit für viel und zumeist positives Aufsehen.

Auch Schwedens Modedesigner haben inzwischen versucht, dem auch immer häufiger bei Männern zu sehenden Trend zur Magersucht entgegen zu wirken. Zwar sind die Models auf der Fashion Week in Stockholm bis auf wenige Ausnahmen noch immer schlank. Aber es wurde auf freiwilliger Basis durchgesetzt, keine extrem schlanken Models mehr einzusetzen, bei denen etwa die Oberarme dünner sind als die Unterarme.

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