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Erdbeben und Schneechaos : Viele Tote in verschüttetem Hotel in Italien

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Die Menschen in Mittelitalien wurden erneut von schweren Erdbeben heimgesucht. Ein Hotel wurde von einer Lawine verschüttet.

svz.de von
erstellt am 19.Jan.2017 | 11:07 Uhr

In dem von einer Lawine verschütteten Hotel in der Erdbebenregion in Italien sind nach offiziellen Angaben etliche Menschen ums Leben gekommen. „Es sind viele Tote“, sagte ein leitendes Mitglied der Rettungskräfte laut Nachrichtenagentur Ansa am Donnerstag. In dem Gebäude in den Abruzzen werden laut Ansa um die 30 Menschen vermutet, die möglicherweise seit über 24 Stunden eingeschlossen sind.

Einige der Rettungskräfte stecken im Schnee fest. Auch Krankenwagen kämen etwa neun Kilometer vor dem Hotel nicht weiter, berichtete die Nachrichtenagentur Ansa. Bereits erreicht haben den Unglücksort Einsatzkräfte der Bergrettung, die auf Skiern zu dem Hotel gelangt sind, und der Feuerwehr, die mit einem Helikopter und einem Kettenfahrzeug zu der Herberge vorgedrungen sind.

Die Rettungskräfte von Zivilschutz, Feuerwehr und Bergrettung waren am späten Mittwochabend in die wegen des vielen Schnees schwer zugängliche Region vorgerückt. Zuvor hatte es einen Hilferuf per SMS gegeben, wie Medien berichteten. „Hilfe, Hilfe, wir sterben vor Kälte“, zitierten Ansa und die Zeitung „La Repubblica“ die Textnachricht.

Auf Rufe der Rettungskräfte am Ort des verschütteten Hotels hat bislang niemand reagiert. „Wir rufen aber niemand antwortet“, berichteten Helfer vom Unglücksort. Die dramatische Szenerie, die sich den Helfern zeige, sei ein „tragisches Gemisch aus Erdbeben und Lawine“. „Die Lawine ist immens“, zitierte Ansa die Helfer.

Zwei Menschen, die sich zum Zeitpunkt des Unglücks im Freien aufgehalten haben sollen, wurden laut Ansa gerettet. In der Nacht kam es zu weiteren Erdstößen in der schwer gebeutelten Region.

Schneemassen und Kälte erschwerten die Rettungsarbeiten. Die bergige Region wurde bereits im August und im Oktober von der Naturgewalt heimgesucht. In den Abruzzen und den Marken seien 130.000 Haushalte ohne Strom, einige Ortschaften sind von der Außenwelt abgeschlossen.

Einsatzkräfte hatten bereits am Mittwochabend eine Leiche aus den Trümmern eines Hauses in der Gemeinde Castel Castagna in der Provinz Teramo geborgen. Binnen einer Stunde hatten am Mittwoch mehrere schwere Erdstöße - alle mit einer Stärke über 5 - die Region um den bereits zerstörten Ort Amatrice erschüttert. Die Beben waren auch in der 150 Kilometer entfernten Hauptstadt Rom deutlich und lange zu spüren. Die Region wird seit Monaten immer wieder von schweren Erdbeben erschüttert.

Bundeskanzlerin Angela Merkel bot Italien deutsche Hilfe an. „Ich kann mir vorstellen, wie schrecklich das ist“, sagte sie. EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker sagte Italien Unterstützung zu. „Ein Erdbeben in Italien ist ein Erdbeben in Europa“, sagte er.

Schon vor den schweren Erdbeben am Mittwoch ächzte die Region unter den Schneemassen. Nun setzten viele Bürgermeister der betroffenen Orte Hilferufe ab. „Der Notfall ist nicht das Erdbeben (...), sondern der Schnee“, sagte etwa der Bürgermeister von Amatrice, Sergio Pirozzi, laut Nachrichtenagentur Ansa. Mehr Räumfahrzeuge und Schneefräsen seien notwendig. „Wir haben Ortsteile, die von zwei Meter hohem Schnee isoliert sind.“

Zehntausende Menschen wurden bei den Beben im vergangenen Jahr obdachlos und wohnen seither in Übergangsunterkünften. Man könne nicht ausschließen, dass auf die Beben am Mittwoch weitere, noch schwerere Erdstöße folgen, sagte der Geologe der Erdbebenwarte INGV, Carlo Meletti, der Zeitung „La Repubblica“. Dass vier so starke Beben innerhalb weniger Stunden aufeinander folgen, sei eine neue Qualität, sagte ein anderer INGV-Experte der Nachrichtenagentur Ansa. „Das ist ein neues Phänomen in der jüngsten Geschichte angesichts der Art und Weise, wie es aufgetreten ist.“

Italien wird immer wieder von schweren Erdbeben heimgesucht. Grund für die Beben sind riesige Spannungen, die sich im Untergrund aufbauen. Der „Adriatische Sporn“ - ein Anhängsel der afrikanischen Erdplatte - reibt sich dort an der eurasische Platte. Auch deshalb haben sich Italiens Mittelgebirge aufgefaltet. Die enormen Energien können sich immer wieder in Beben entladen.

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