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Hochwasser im Harz : Video: Mitten im Schlamm

vom
Aus der Onlineredaktion

Nach dem Hochwasser wird im Harz aufgeräumt. In Silstedt ist die Bundeswehr seit dem frühen Abend mit zwei Hubschraubern im Einsatz, um Deiche zu befestigen. Viele sind enttäuscht, dass der Hochwasserschutz nicht besser ist

Ein leicht modriger Geruch liegt über dem kleinen Ort Rhüden im Harz. Vor vielen Häusern standen gestern ratlose Menschen. Die Bewohner sind gerade dabei, ihr Hab und Gut zum Trocknen nach draußen zu bringen. Am Mittwoch stand das Wasser zwischen 30 Zentimetern und über einem Meter hoch in den Gebäuden.

Einen Tag danach steht Elke Kleineidam, Inhaberin eines Rhüdener Frisörsalons, in den Trümmern ihrer Existenz. Fliesen lösen sich von den Wänden. So gut wie alle Schränke im Geschäft sind hinüber. Der Salon stand fast 16 Stunden unter Wasser. Vor zehn Jahren wurde der Salon in Folge eines Hochwassers schon einmal überspült, allerdings für einen viel kürzeren Zeitraum. „Der Schaden wird erst noch sichtbar, wenn es anfängt, richtig zu trocknen“, beschreibt die Frisörmeisterin aus Erfahrung. Auch 2007 seien die Fliesen erst nach einem halben Jahr gerissen. Der Boden im Salon musste komplett erneuert werden. „So ein extremes Hochwasser hatten wir noch nie.“ Der Schaden dürfte sich auf 7000 bis 10 000 Euro belaufen, schätzt die Geschäftsfrau. Sie befürchtet, auf den Kosten sitzen zu bleiben.

Für viele Gebäude in der Nähe des Flusses Nette im Rhüdener Ortskern wäre eine Elementarschadenversicherung wegen des Hochwasserrisikos so teuer, dass sie die Kosten für die Reparaturen gleich selbst übernehmen könnten, sagt Ehemann Bernd Kleineidam. „Es müsste endlich mal ’was beim Hochwasserschutz getan werden“, fordert Carola Knauth, Mitarbeiterin im Frisörsalon. Aus ihrer Sicht hätte schon lange ein Deich errichtet werden können. Nun schrubbt das Team des Salons erstmal den Boden und macht alles sauber, räumt Kaputtes nach draußen.

In der knapp 30 Kilometer von Rhüden entfernten Stadt Goslar pumpen Feuerwehrleute währenddessen rund um die Marktkirche in der Altstadt das Wasser aus mehreren Kellern. Dort hat sich die Lage entspannt. In der Nacht zu gestern hatte der Landkreis den Katastrophenalarm aufgehoben. Wo in der Altstadt vor rund 24 Stunden noch reißende Wassermassen über die Straßen liefen, gingen gestern schon wieder Touristen in Sandalen vorbei. Auch die Pizzeria „Amaretto“, dessen Besitzer am Mittwoch knietief im Wasser in seinem Keller stand, hat wieder geöffnet. Draußen sitzen Gäste. „Nur Schlamm“, beschreibt der Gastronom den Blick ins ausgepumpte Untergeschoss. Dort gelagerte Nudeln und Mehl waren durch das Wasser verdorben. „Ich war heute Morgen erst mal einkaufen“, berichtet Inhaber Michele Pantaleo. Seine Versicherung habe er noch nicht erreicht, vermutlich rufen im Moment viele Betroffene wegen der Schäden dort an.

Auch die Stadt Goslar dürften die Folgen des Hochwassers noch länger beschäftigen. Schon am Mittwochabend sagte OB Oliver Junk, es seien auch viele Straßen und Brücken beschädigt worden. Der Stadtchef rechnet mit Millionenschäden.

Noch nicht komplett sichtbar ist das Ausmaß der Zerstörung in Hildesheim. Dort waren die Helfer gestern noch in Alarmbereitschaft. Es gebe Wassereinbrüche, das Grundwasser steige, und die Kanäle seien randvoll, sagte ein Feuerwehrsprecher. In Braunschweig stellte sich die Feuerwehr auf Überflutungen ein. 

 

 

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