Tag der Jogginghose : Verpönter Schlabberlook

Eine Frau in Jogginghose
Eine Frau in Jogginghose

Die Jogginghose ist gemütlich, aber in Schulen ungern gesehen. Heute ist internationaler Baumwollbuxen-Tag

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21. Januar 2016, 06:15 Uhr

Sie gilt als Sportklassiker, als gemütliche Baumwollbuxe für die Couch, in manchen Kreisen sogar als Modetrend: die Jogginghose. Immer am 21. Januar wird der verpönte Schlabberlook salonfähig. Zum internationalen Jogginghosentag gehen Anhänger demonstrativ in Jogginghosen zur Arbeit, ins Restaurant oder zu besonderen Schlabber-Partys. Auch mancher Schüler drückt dann in Schlabberhose die Schulbank. Dabei ist die ausgebeulte Sporthose in Schulen selten gern gesehen.

Schulen können den Schlabberlook zwar nicht wirklich verbieten, denn für Schüler gilt das Grundrecht auf freie Entfaltung der Persönlichkeit. „Rechtlich haben sie fast keine Möglichkeit, nur wenn der Schulfrieden gestört oder Unterricht unmöglich gemacht wird oder es gegen die Sitten geht“, sagt Gerhard Brand, stellvertretender Bundesvorsitzender des Verbands Bildung und Erziehung (VBE).

Aber viele Schulen finden in ihrem Leitbild oder in der Schulkonferenz einen Konsens mit Eltern und Schülern, welche Kleidungsstücke tabu sind. „Die Schule hat natürlich den Auftrag, nicht nur zu bilden, sondern auch zu erziehen“, erklärt Brand. „Wenn jemand mit einer Jogginghose zum Bewerbungsgespräch kommt, darf er sich nicht wundern, dass er den Job nicht bekommt.“

Eine Schule im schwäbischen Schwieberdingen schaffte es mit ihrer Schulordnung im November in die Schlagzeilen. Sie schreibt eine „angemessene und ordentliche Kleidung“ vor – die Jogginghose gehöre nicht dazu, sagt Schulleiterin Ilse Riedl.

Dabei handelt es sich nicht um ein Verbot: „Wir sind uns mit den Eltern einig, dass die Jogginghose keine angemessene Kleidung zum Lernen ist“, ist Riedl überzeugt. Sie will ihren Schülern damit Rüstzeug fürs Leben mitgeben und hält sich an die Worte von Modestar Karl Lagerfeld: „Wer eine Jogginghose trägt, hat die Kontrolle über sein Leben verloren“, sagte der einst über die ausgebeulte Sportkleidung im Alltag. Auch bauchfreie Tops und tiefe Ausschnitte fallen an der Hermann-Butzer-Schule in die Kategorie unerwünscht.

Dabei würde Riedl am Jogginghosen-Tag sogar ein Auge zudrücken. „Ich werde das Thema zwar nicht platzieren. Aber wenn das von meinen Schülern käme – ich habe doch Humor. Dann darf man eben einmal so richtig daneben greifen im Kleiderschrank.“

Matthias Geisriegler greift gerne bewusst zur Jogginghose. „Sie ist bequem, mit allem kombinierbar, sie ist zeitlos!“, sagt der 22-jährige Österreicher, der den Jogginghosentag 2009 gemeinsam mit Schulfreunden ins Leben gerufen hat. „Prinzipiell finde ich nicht, dass irgendwas gegen Jogginghosen an der Schule spricht. Zumindest einmal im Jahr ist das überhaupt kein Problem.“

Skurrile Straftaten im Schlabberlook

Einige Menschen mit krimineller Energie schätzen neben der Bequemlichkeit auch den Nutzen der Jogginghose. Ungewöhnliche Beispiele für Straftaten im Schlabberlook:

Jogginghose als Terrarium:

„Unregelmäßige Wölbungen“ in der weiten Hose eines Kanadiers kamen US-Polizisten verdächtig vor. Bei einer Kontrolle an der Grenze fanden sie die Lösung: Der 27-Jährige hatte sich 51 lebende Schildkröten an den Körper geklebt.  Dem Mann drohen nun bis zu zehn Jahre Haft.

Jogginghose für starke Raucher:

Am Zigarettenregal eines Supermarkts im schwäbischen Laichingen ließ sich im Mai 2015 ein Ladendieb von seinen Komplizen mehr als 100 Schachteln mit Glimmstängeln in die Jogginghose stopfen und flüchtete. Eine Kassiererin nahm die Verfolgung auf. Mit vollen Hosen ist schlecht rennen, darum trennte sich der Langfinger von seiner Beute und kam davon.
Hose in der Hose in der Hose:
Ein Mann in Wesseling bei Köln musste im März 2014 vor der Polizei gleich vier Hosen herunterlassen. In der Umkleidekabine eines Geschäfts hatte der Ladendieb drei neue Jeans und seine alte Jogginghose übereinandergezogen. Ein Kaufhausdetektiv bemerkte den seltsamen Gang des Kunden und rief die Polizei.
Jogginghose als Tresor:
Zöllnern in Weil  an der Grenze zur Schweiz fiel im August 2010 ein nervöser Autofahrer mit „unnatürlichen Ausbuchtungen“ am Körper auf. Unter seinem weiten Beinkleid trug der 50-Jährige eine Jogginghose. Diese war unten an den Beinen zugeklebt und mit 50-Euro-Scheinen vollgestopft. Er wollte 82 000 Euro heimlich über die Grenze schaffen.
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