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A7 bei Rendsburg : Verkehrschaos an der Rader Hochbrücke – ein Vorgeschmack auf den Neubau?

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Bis zum Neubau ist es noch ein weiter Weg. Die Region um Rendsburg befürchtet wegen des anfälligen Kanaltunnels den permanenten Verkehrskollaps.

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erstellt am 06.Okt.2017 | 12:10 Uhr

Rendsburg | Wegen der anhaltenden Regenfälle stehen die Bauarbeiten auf der Rader Hochbrücke still. Die Sanierung wird sich daher voraussichtlich bis Mitte kommender Woche hinziehen, teilte der Landesbetrieb Straßenbau und Verkehr mit. Derzeit ist pro Richtung nur eine Spur befahrbar. Mit Staus ist weiter zu rechnen. Für die Fahrbahn in Richtung Flensburg sind laut Landesbetrieb noch zwei, Richtung Hamburg etwa vier regenfreie Tage notwendig, um die Bauarbeiten abschließen zu können. Bis dahin wird zu folgenden Umleitungen geraten: A215 (Bordesholm) – B76 ( Kiel ) – L265 ( Eckernförde) – A7 (Owschlag). Ursprünglich sollten die Arbeiten bis zum 8. Oktober erledigt sein. „Wenn wir weiter so gutes Wetter haben, kann es auch schneller gehen“, hatte Matthias Forster vom Landesbetrieb Ende September sogar versprochen. Nun dauert doch – wieder einmal – alles länger als geplant.

Die Belastung der zu ersetzenden maroden Rader Brücke war schon von täglich 42.500 Fahrzeugen im Jahr 2010 auf 54.200 im Jahr 2015 gestiegen. Damit wurde bereits die für 2030 prognostizierte Zahl erreicht. Ein Ersatzbau muss bis 2026 stehen, weil Experten der alten Brücke keine längere Lebensdauer bescheinigen.

Dass die derzeitigen Staus beim Bau der neuen Brücke zum Dauerzustand werden könnten, befürchtet der Rendsburger Immobilienmakler Randy Delfs (RD Immokontor). „Wenn tatsächlich erst mal nur zwei Spuren zur Verfügung stehen, während die alte Brücke abgerissen wird, würden wir unser blaues Wunder erleben.“ Sollte der Tunnel in dieser Zeit nicht befahrbar sein, sei die Region über Jahre abgehängt. Delfs prognostiziert, dass Pendler nach Kiel aufgrund der unsicheren Lage künftig den Bereich Oster- und Westerrönfeld, Schacht-Audorf, Bredenbek sowie Bovenau als Wohnorte bevorzugen könnten. Als wenig problematisch für Hausbesitzer schätzt er hingegen den Bau der neuen Brücke ein: „Während der Bauphase wird es vielleicht zu Beeinträchtigungen kommen, aber auf Dauer wird sich moderner Lärmschutz positiv auf die Preise in Borgstedt und Umgebung auswirken.“

Neubau soll auch den Lärmschutz verbessern

Unterdessen trafen sich Mitte der Woche zahlreiche Vertreter aus den Bereichen Wirtschaft, Politik und Naturschutz im Rendsburger Kreishaus zu einem Gespräch über den Bau der neuen Rader Hochbrücke. Schleswig-Holsteins Verkehrs-Staatssekretär Thilo Rohlfs informierte die Anwesenden über die Hintergründe der Entscheidung des Bundes für einen sechsspurigen Neubau der Brücke, erklärte ein Sprecher des Verkehrsministeriums auf Nachfrage der Landeszeitung. Unter anderem sei noch mal das Verkehrsgutachten vorgestellt worden, demzufolge, wie berichtet, der Verkehr auf der Hochbrücke zwischen 2010 und 2015 deutlich zugenommen habe. Zwar rechtfertige die prognostizierte Verkehrsbelastung im Jahr 2030 eigentlich keinen sechsspurigen Ausbau, allerdings soll die Brücke deutlich über diesen Zeitraum hinaus genutzt werden. Nach drei Anläufen von Landesverkehrsminister Bernd Buchholz (FDP) habe es schließlich grünes Licht aus Berlin gegeben.

Das Interesse der bei dem Gespräch im Kreishaus anwesenden Bürgermeister habe vor allem dem Lärmschutz gegolten. Verbesserungen in diesem Bereich seien vorgesehen, sagte Rohlfs. „Ich bin zuversichtlich, dass wir mit großer Anstrengung aber auch mit der nötigen Sorgfalt das Planfeststellungsverfahren im Frühjahr 2019 beginnen können. Ziel bleibt die Fertigstellung des ersten Teilbauwerks im Jahr 2026 für eine Richtungsfahrbahn.“ Ministerpräsident Daniel Günther werde sich zudem weiter für einen sechsspurigen Ausbau der A7 Richtung Dänemark einsetzen, allerdings habe dies derzeit keine Priorität. Die neue Brücke soll 36 Meter breit sein und 16,5 Meter östlich neben der bisherigen gebaut werden, erläuterte Bürgermeister Pierre Gilgenast gestern im Rendsburger Senat.

Naturschützer gegen weiteren Kiesabbau

Einen gemeinsamen Tunnel für Straßen- und Schienenverkehr statt Brückenneubauten hätte hingegen der Landesnaturschutzverband Schleswig-Holstein bevorzugt. Das erklärte gestern dessen Geschäftsführer Ragnar Schaefer. „Die Kosten dafür wären womöglich deutlich höher gewesen, aber die Rendsburger und die Rader Hochbrücke beeinflussen das Landschaftsbild massiv. Auch der Vogelzug ist bei großen Bauten am Nord-Ostsee-Kanal ein wichtiges Thema.“ Positiv sei aus Sicht der Naturschützer allerdings, dass der Bau der neuen Brücke unmittelbar neben der alten geplant sei. „Wir werden uns intensiv mit dem Planfeststellungsverfahren befassen“, kündigte Schaefer an. Er kritisierte außerdem Aussagen der Geschäftsführer der Firma Glindemann, wonach, wie berichtet, ein Bau der Rader Hochbrücke an einer fehlenden Genehmigung für weiteren Kiesabbau in Grevenkrug zu scheitern drohe. „Landschaftsschutzgebiete sollte tabu bleiben, sonst kann man sich sparen, diese Gebiete überhaupt auszuweisen“, sagte Schaefer.

Das Beispiel Brekendorf zeige, dass als Folge des Kiesabbaus entgegen anderslautender Versprechungen keine blühenden Landschaften zu erwarten seien. „Viele Argumente sind vorgeschoben. Es geht ums Geldmachen – und Steuern.“ Sollte der Kiesabbau nachträglich doch noch genehmigt werden – eine Überarbeitung der Regionalpläne könnte das möglich machen –, „fänden wir das natürlich nicht in Ordnung“. Auch dieser Kies sei irgendwann weg – und dann gehe es weiter. „Denkt man das zu Ende, könnte man auch irgendwann die Hüttener Berge abgraben.“ Schaefer zufolge seien Konzepte für einen sparsameren Umgang mit Rohstoffen nötig, beispielsweise der Einsatz von Recycling-Material. An diesen Gedanken angelehnt ist auch die heutige Jahreshauptversammlung der Naturschützer, die sich ab 14 Uhr in der Tingleffhalle in Westerrönfeld treffen. Thema: „Biologische Vielfalt: Wo geht die Reise hin?“ Die Veranstaltung ist öffentlich.

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