Autogeschichte : Unvergesslich: Der Trabi wird 60

Ein Trabant P50 aus der Nullserie, die im November 1957 im damaligen VEB Automobilwerk Zwickau startete.
Ein Trabant P50 aus der Nullserie, die im November 1957 im damaligen VEB Automobilwerk Zwickau startete.

Am Ende einer Epoche: Von den mehr als drei Millionen gebauten Trabant sind heute nur noch 34.000 zugelassen.

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05. November 2017, 09:00 Uhr

Ein Symbol des DDR-Alltags wird 60: Am 7. November 1957 erblickte der erste Zwickauer Trabant als P50 das Licht der Automobilwelt. Der Trabant wurde erstmals öffentlich vorgestellt, mit Frontantrieb, 500 ccm luftgekühltem Zweizylinder-/Zweitaktmotor, 18 PS und Duroplast-Karosserie.

Es folgte eine Null-Serie von 50 Fahrzeugen, am 10. Juli 1958 lief die Serienproduktion an. Der staatlich verordnete Verkaufspreis betrug 7450 Mark.

Im Laufe der Zeit stieg die Motorleistung auf zunächst 20 PS (P50/1), dann mit 600 ccm auf 23 PS (P60 ab 15. Oktober 1962) und bis zum Schluss der Zweitakt-Ära auf 26 PS (P601). Geschaltet wurde sein Vier-Gang-Getriebe per „Krückstockhebel“, ab P50/2 war das Getriebe synchronisiert. Eine Hycomat-Kupplung (ähnlich Saxomat) gehörte ab 1965 zur Ausstattungsoption. Der Limousine folgte 1960 ein Kombi mit dem Namen „Universal“, später ein offener Kübel für NVA und Forstwirtschaft.

Ab 1978 fertigte der VEB Sachsenring Zwickau dann den Kübel auch in ziviler Version „Tramp“. Im stillen Kämmerlein wurde so manche Weiterentwicklung betrieben und es entstanden immer wieder Prototypen wie der Trabant 610, für die sich aber in der DDR-Wirtschaft keine „Einordnung“ fand. Auch ein zusammen mit Škoda entwickeltes Gemeinschaftsauto scheiterte letztlich an nicht bewilligten Mitteln. Die Wartezeit zum Kauf eines Trabant steigerte sich auf bis zu 14 Jahre, die Unzufriedenheit der Bevölkerung nahm stetig zu. Auch der Verkaufspreis des Trabant steigerte sich, kostete der P60 1965 noch 7850 Mark (Limousine Standard), der Universal 9300 Mark, so waren 1989 schon rund 13 000 Mark für die Limousine und fast 14 000 Mark für den Universal fällig. Die Limousine Trabant 1.1 mit Viertaktmotor (1,1-Liter, 40 PS) kostete dann bereits 19 865 Mark (1990), nach der Währungsunion im September 1990 stolze 10 887 DM.

Von 1957 bis 1990 liefen 131 435 P50, 106 628 P60 und 2 821 391 P601 vom Band. Hinzu kamen noch 39 474 Trabant 1.1 mit VW-Lizenzmotor.

Von den mehr als drei Millionen gebauten Trabant waren vor zehn Jahren noch 52 400 in Deutschland zugelassen. Aktuell sind nur noch 34 449 (in Mecklenburg-Vorpommern 2766) laut KBA-Bericht zugelassen. Heute ist der kleine Zweitakter aus Zwickau ein Kult-Auto. Sein Name bezog sich damals im Jahre 1957 auf den ersten Sputnik. Der „große Bruder“, die UdSSR, hatte gerade den ersten Satelliten (Trabanten) am 4. Oktober 1957 auf eine Erdumlaufbahn geschossen. Der Volksmund nannte den Kleinen auch „Rennpappe“, „Plastebomber“, „Kugelporsche“, „Asphaltblase“, „Fluchtkoffer“. Sein Lieblingsname war und bleibt aber immer „Trabi“. In den 34 Jahren seines Bestehens durfte der Trabant nur in sehr engen Grenzen weiterentwickelt werden.

Am 30. April 1991 lief der letzte Trabant in Zwickau vom Band – ein Trabant 1.1 Universal (Kombi) in der Farbe pink. Sein Weg war kurz: Aus der Fabrikhalle vom Band ging es direkt ins benachbarte Automobilmuseum.

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