Müll durch Kapseln und Becher : Umweltsünde Kaffee

Einweg-Kaffeebecher auf einem vollen Mülleimer
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Einweg-Kaffeebecher auf einem vollen Mülleimer

Immer mehr Müll durch Kapseln und Becher. Für die Unternehmen sind die bunten Einzelportionen ein Riesengeschäft

svz.de von
25. August 2016, 20:00 Uhr

Kaffee ist das Lieblingsgetränk der Deutschen. 162 Liter oder 650 Tassen trinken sie davon im Schnitt pro Jahr. Doch der Genuss der gerösteten Bohnen aus Kapseln oder Einwegbechern gilt als Umweltsünde. Dadurch entstehen Tonnen von Müll. Und nur ein kleiner Teil wird de facto recycelt.

Umweltschützer warnen seit langem vor den Folgen, doch die deutschen Kaffeetrinker stört das wenig: Der Marktanteil von Kapseln wächst beständig. 2008 wurden in Deutschland etwa 800 Tonnen Kaffeekapseln verkauft.2014 waren es nach Angaben des Kaffeeverbandes dann schon 17 750 Tonnen und im vergangenen Jahr 20 600 Tonnen. 2015 hatten Kapseln einen Marktanteil von 5,5 Prozent – ein Plus von 16 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. „Nahezu jeder große Kaffeeanbieter macht inzwischen auch in Kapseln“, sagt Thomas Fischer von der Deutschen Umwelthilfe. Neben den bekannten Herstellern wie Nespresso und Nestlé bieten auch Discounter wie Aldi und Lidl eigene Kapseln an. Und der Verbrauch wird weiter steigen: „Die Kapseln sind eine Lizenz zum Gelddrucken.“ Daher bewerben die Unternehmen sie massiv und versuchen, ihnen ein positives Image zu verschaffen.

Dabei bestehe eine durchschnittliche Kapsel aus zwei bis drei Gramm Verpackung und sechs bis sieben Gramm Kaffee, sagt Fischer. „Das bedeutet, die Hälfte des Produktgewichts ist Verpackung. Das ist ein unglaublich schlechtes Verhältnis.“ Zum Vergleich: Bei einer 500-Gramm-Packung Kaffee mache die Verpackung rund 15 Gramm aus.

Nach Rechnungen der Stiftung Warentest wären 500 Müllwagen nötig, um den etwa 5000 Tonnen schweren Kapsel-Müll aus dem Jahr 2014 abzutransportieren. Auch beim Kaffee für unterwegs fällt die Bilanz ernüchternd aus: Der Kaffeeverband geht davon aus, dass jeder Deutsche im Schnitt 5,8 Liter „Kaffee to go“ pro Jahr konsumiert.

Nach Angaben der Umwelthilfe werden so jährlich bundesweit 2,8 Milliarden Einweg-Kaffeebecher verbraucht. Das bedeutet: Jede Stunde werfen die Deutschen etwa 320 000 Becher weg.

Die Entsorgung ist das nächste Problem: „Coffee-to-go“-Becher werden nur selten wiederverwertet. Denn meistens landen sie nach dem Austrinken in einer öffentlichen Mülltonne und werden dann später verbrannt.

Kaffeekapseln wiederum sind rein rechtlich gesehen keine Verpackung und dürfen daher nicht im Gelben Sack entsorgt werden. Einige Hersteller haben jedoch inzwischen Lizenzen erworben – das heißt, sie zahlen dafür, dass ihre Kapseln im Dualen System recycelt werden.

In einem Imagefilm im Internet illustrieren Grüner Punkt und Nespresso gemeinsam, wie die Alukapseln wiederverwertet werden. „Wir können das Material der Kapseln zu einem hohen Anteil zurückgewinnen und in den Aluminiumkreislauf zurückführen“, teilte Michael Wiener, CEO (Chief Executive Officer) der Duales System Holding dazu mit. Der Kaffeesatz störe dabei nicht.

Dass man sie recyceln kann, sei allerdings kein Argument dafür, überhaupt Alu-Kapseln zu nutzen, sagen Experten. Denn Aluminium ist in der Herstellung extrem aufwendig, benötigt Unmengen an Wasser und Energie. Und: „Zur Förderung des Aluminiumerzes Bauxit werden in Australien und Brasilien ganze Landstriche umgegraben und mit Giftstoffen verpestet“, sagt Fischer.

Damit sich etwas ändert, fordert die Umwelthilfe, dass Hersteller für ressourcenintensive Verpackungen mehr zahlen müssen. Fischer: „In Dänemark gibt es bereits eine Verpackungssteuer für Kunststoffe.“ Hierzulande sei der Verbrauch von Verpackungen in den vergangenen zehn Jahren aber nicht teurer, sondern billiger geworden. „Sonst würde es sicher den einen oder anderen Anbieter geben, der umdenkt.“

Die umweltfreundlichste Art des Kaffeetrinkens bleibt das ganz normale Aufbrühen mit Filter – mit Muße.

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