Nach dem Erdbeben in Italien : Überlebt in den Armen einer Toten

Giorgia wird geborgen.
Giorgia wird geborgen.

Mädchen nach 16 Stunden unter Trümmern gefunden – für die Schwester kam jede Hilfe zu spät

svz.de von
26. August 2016, 21:00 Uhr

Für die Helfer in der italienischen Erdbebenregion liegen Freude und Trauer oft ganz nah beieinander: In dem verwüsteten Ort Pescara del Tronto ist ein vierjähriges Mädchen nach 16 Stunden lebend unter den Trümmern ihres Kinderzimmers gefunden worden – für die ältere Schwester kam aber jede Hilfe zu spät. Die kleine Giorgia und die neunjährige Giulia seien in enger Umarmung unter zwei Metern Geröll entdeckt worden, zitierte die Zeitung „La Repubblica“ gestern den Retter Massimo Caico.

„Wir haben stundenlang gegraben und zunächst nichts gefunden“, sagte er. Plötzlich aber sei zunächst eine Puppe unter den Steinen aufgetaucht, und dann ein Fuß. „Er war ganz kalt. Ein ganz schlechtes Zeichen“, erinnerte sich Caico. Als der leblose Körper Giulias ausgegraben wurde, habe er aber bemerkt, dass sich die Erde daneben ganz leicht bewegte. Dann sei ein leichtes Stöhnen zu hören gewesen.„Da hat sich der Albtraum in einen Traum verwandelt“, so Caico.„Giorgia lebt!“, habe er geschrien.

Das kleine Mädchen habe den Mund voller Erde gehabt, sei aber offenbar durch den Körper ihrer Schwester geschützt worden. „Und wahrscheinlich ist irgendwie ein winziger Luftstrahl zu ihr durchgedrungen, der ausgereicht hat“, sagte der Feuerwehrmann. Sie sei praktisch unverletzt gewesen und habe gleich nach Wasser gefragt. „Wenn es Wunder gibt, dann war das ganz sicher eins.“ Die Eltern der Mädchen seien schon Stunden vorher lebend geborgen worden, sie lägen schwer verletzt im Krankenhaus.

Während die Retter weiter nach Überlebenden in der Erdbebenregion suchen, werden die ersten Opfer zu Grabe getragen. Die Regierung in Rom hat den Notstand und einen Tag der nationalen Trauer ausgerufen.

Bei der Erdbebenkatastrophe kamen nach gestrigen Angaben des Zivilschutzes mindestens 267 Menschen ums Leben, 387 wurden verletzt ins Krankenhaus gebracht. Ministerpräsident Matteo Renzi versprach einen schnellen Wiederaufbau und eine bessere Erdbebenvorsorge. „Wir haben die moralische Pflicht gegenüber den Frauen und Männern dieser Gemeinden“, sagte Renzi.

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