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Nach Hurrican “Maria“ : Trumps „tolle Reise“ ins Katastrophengebiet

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Aus der Onlineredaktion

Fast zwei Wochen hat sich US-Präsident Donald Trump Zeit gelassen, bis er in dem von Hurrikan „Maria“ völlig zerstörten Puerto Rico nach dem Rechten sieht.

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erstellt am 05.Okt.2017 | 08:00 Uhr

Fast zwei Wochen hat sich US-Präsident Donald Trump Zeit gelassen, bis er in dem von Hurrikan „Maria“ völlig zerstörten Puerto Rico nach dem Rechten sieht. Als er sich dann endlich in dem US-Außengebiet in der Karibik blicken lässt, erzählt er vor allem von sich selbst und der großartigen Arbeit seiner Regierung. Der bizarre Auftritt im Katastrophengebiet gipfelt in einem Treffen mit Hurrikanopfern in einer Kapelle, wo Trump wie ein Basketballspieler Pakete mit Küchenrolle in die Menge wirft. „Hier ist so viel Liebe im Raum“, schwärmt er. Die meisten Puerto-Ricaner dürften sich von der fünfstündigen Stippvisite eher vor den Kopf gestoßen fühlen.

Gleich nach seiner Ankunft brüskiert er die Insulaner mit einem geschmacklosen Rechenbeispiel. „Wenn man sich eine echte Katastrophe wie ,Katrina’ anschaut mit Aberhunderten von Toten, und sieht, was hier bei dem Sturm passiert ist mit 16 Toten, könnt ihr sehr stolz sein“, sagt er verblüfften Militärs, Rettungskräften und Politikern in einem Hangar am Militärflughafen von San Juan.

Kurz nach Trumps Abflug teilt Gouverneur Ricardo Rosselló mit, die Zahl der Todesopfer sei auf mindestens 34 gestiegen. „Maria“ hat große Teile der Karibikinsel zerstört. Eigentlich sollte Trump sich über die Situation vor Ort informieren lassen, aber der Präsident erklärt den Einsatzkräften lieber selbst, wie er die Lage sieht. „Wir haben viele großartige Menschen hier, die so hart arbeiten. Wir können sehr stolz darauf sein, was wir in Puerto Rico leisten.“

„Das ist das Schlimmste, was ich je gesehen habe“, sagt Generalleutnant Jeffrey Buchanan, der den Einsatz der Streitkräfte leitet. Obwohl Puerto Rico als assoziierter Freistaat nicht direkt zu den USA gehört, haben die Bewohner die US-Staatsangehörigkeit.

Dabei stammen viele der erfolgreichsten Musiker und Sportler des Landes aus Puerto Rico. Der Sänger Luis Fonsi landete mit „Despacito“ kürzlich einen Welthit, das Video zu dem Song wurde im Viertel La Perla gefilmt. Jetzt kehrt Fonsi an den Drehort zurück, um Wasser und Lebensmittel zu verteilen. Mit dabei: Seine Kollegen Ricky Martin, Nicky Jam und Gloria Estefan.

Trump will sich in Puerto Rico als Krisenmanager präsentieren. Anstatt aber zuzuhören und Trost zu spenden, macht er den Trip zur Trump-Show. Im Briefing lobt er Gouverneur Rosselló dafür, dass dieser gut über seine Regierung gesprochen hat. Dann fordert er Puerto Ricos Kongressabgeordnete Jenniffer González dazu auf, etwas Nettes über ihn zu sagen. „Ich, ich, ich“, kommentiert CNN-Reporter Chris Cillizza die bizarre Situation.

Mit der Berichterstattung über seinen denkwürdigen Ausflug ins Katastrophengebiet ist Trump überhaupt nicht zufrieden. „Wow, so viele Fake-News-Geschichten heute“, schreibt der Präsident gestern auf Twitter. „Egal was ich tue oder sage, sie schreiben oder sagen nicht die Wahrheit.“

Angesichts tausendfachen Leids findet Trump einfach nicht die richtigen Worte. „Das ist eine tolle Reise. Euer Wetter ist so gut wie nirgendwo sonst, aber hin und wieder erwischt es euch. Jetzt seid ihr wirklich hart getroffen worden.“

Und: „Puerto Rico, es tut mir leid, euch das sagen zu müssen, aber ihr habt unser Budget ein bisschen durcheinandergebracht“, sagt er mit Blick auf die Ausgaben für Rettungseinsätze und die Aufräumarbeiten. „Aber das geht schon in Ordnung.“

 

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