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Zweiter Besuch nach «Harvey» : Trump in Houston: Diesmal als Tröster und Mutmacher

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US-Präsident Donald Trump kommt zum zweiten Mal ins texanische Katastrophengebiet und tröstet Flutopfer. Zugleich richten sich besorgte Blicke schon auf einen neuen Hurrikan im Atlantik.

svz.de von
erstellt am 03.Sep.2017 | 21:41 Uhr

US-Präsident Donald Trump hat Flutopfer in Texas bei einem Treffen Mut zugesprochen und sich «sehr glücklich» über die bisherigen Rettungs- und Hilfsmaßnahmen geäußert. Am Sonntag schlossen Gläubige im ganzen Land die Menschen in den von «Harvey» verwüsteten Gebieten in ihr Gebet ein.

Aber während sich das Wasser in den meisten Teilen von Ost-Texas nach und nach zurückzieht, hat sich im Atlantik ein neuer starker Wirbelsturm zusammengebraut. Vorläufig ist jedoch völlig unklar, ob «Irma» eine Gefahr für das US-Festland darstellen wird.

Am Sonntag war der Hurrikan der drittstärksten von fünf Kategorien noch 1600 Kilometer von den Kleinen Antillen entfernt. Das Hurrikan-Zentrum in Miami erwartete, dass der Sturm bei seinem weiteren Zug über das Wasser weiter an Stärke zulegt. Ob er die Region am Golf von Mexiko oder die US-Küste ansteuern wird, dürfte erst gegen Ende der Woche klarer sein.

Wie groß das Ausmaß der Verwüstungen durch Wirbelsturm «Harvey» ist, wird mit sinkenden Wasser-Pegelständen immer deutlicher. Der Sender ABC zitierte die texanische Behörde für Katastrophenmanagement mit der Schätzung, dass insgesamt mindestens 185 000 Häuser ganz oder teilweise beschädigt worden seien.

Der Wiederbau könnte nach Angaben von Gouverneur Greg Abbott bis zu 180 Milliarden Dollar (152 Milliarden Euro) kosten. Das betroffene Gebiet und die Zahl der betroffenen Menschen seien weitaus größer als seinerzeit bei Hurrikan «Katrina», sagte Abbott in mehreren Fersehinterviews.

Seine neuen «Harvey»-Schätzungen haben damit zu tun, dass sich das Flutwasser in Texas zurückzieht und dadurch das Ausmaß der angerichteten Verwüstungen immer deutlicher wird. «Das wird eine riesige Katastrophe, mit der Menschen fertig werden müssen», sagte der Gouverneur dem Sender CNN. «Es wird Jahre dauern, diese Herausforderung zu bewältigen.»

Viele Menschen - so in Houston - konnten inzwischen erstmals nach ihrer Flucht oder Rettung aus den Fluten mit eigenen Augen sehen, was «Harvey» mit ihrem Zuhause, ihrem Hab und Gut angerichtet hat. Dabei gab es wiederholt herzzerreißende Szenen. Besonders angespannt blieb die Lage noch in der Stadt Beaumont: Sie ist weiter weitgehend von der Versorgung mit Wasser und Nahrung von außen abhängig.

Trump kam jedoch am Samstag offensichtlich als Tröster und Mutmacher nach Texas. Bei seiner ersten Visite am vergangenen Dienstag hatte er sich ausschließlich auf die Hilfsoperationen konzentriert, aber keinen persönlichen Kontakt zu Opfern gehabt - was ihm teilweise harsche Kritik einbrachte. Diesmal suchte er mit First Lady Melania an seiner Seite zunächst eine Notunterkunft in einem Teil des Houstoner NRG Stadions auf und zeigte sich ganz als Präsident zum Anfassen.

Trump schüttelte Hände, legte Betroffenen den Arm um die Schulter, strich Kindern über das Haar und plauderte mit ihnen. Wiederholt posierte er auch für Selfies und half zusammen mit Melania beim Austeilen von Essen, unter anderem Hotdogs und Chips. «Es läuft gut. Ich glaube, die Menschen wissen wirklich zu schätzen, was getan worden ist. Es wurde sehr effizient getan, sehr gut», sagte Trump, dessen Stimmung Beobachter als überaus optimistisch, ja bisweilen fast überschwänglich schilderten. «Wir sind sehr glücklich damit, wie alles läuft. Eine Menge Liebe, es gibt eine Menge Liebe.»

Das «Erste Paar» der USA besuchte in Houston eine Kirche, in der Hilfspakete gepackt werden, und flog dann in den Nachbarstaat Louisiana weiter. «Harvey» hat auch hier Überschwemmungen angerichtet, wenn auch in deutlich geringerem Umfang.

Am Samstag erhöhte die Trump-Regierung den Anteil der Bundeshilfen, die für das Aufräumen von Schutt und Müll in Texas gewährt werden. Bereits am Freitag hatte das Weiße Haus in zwei Stufen beim Kongress erste Hilfsgelder in Höhe von rund 14,5 Milliarden Dollar (12,2 Milliarden Euro) beantragt. Ein Großteil davon soll in den ausgeschöpften Topf der Behörde für Katastrophenmanagement (Fema) fließen.

Die Summen gelten jedoch nur als eine Art «Anzahlung»: Nach Schätzungen könnten die Hilfen, die aus Washington benötigt werden, die 100-Milliarden-Dollar-Marke überschreiten. Bereits 440 000 Menschen haben Anträge auf Unterstützung aus dem Bundestopf gestellt, denn nur ein kleiner Teil der Flutopfer in Texas ist gegen Hochwasser versichert.

Für Sonntag hatten Trump und der texanische Gouverneur Greg Abbott zu einem nationalen Tag des Gebetes für die Flutopfer aufgerufen. In einer Vorabendmesse wenige 100 Meter von der größten Notunterkunft in Houston entfernt wies Father Paul Felix in seiner Predigt darauf hin, dass die Katastrophe die Menschen zusammengebracht habe. Bei allem Schmerz sei es ermutigend gewesen, «das Ausmaß der Güte und Selbstlosigkeit» zu sehen, das sich vor dem Hintergrund der Tragödie entfaltet habe.

Felix betete zugleich, «dass Gott uns und unsere Häuser» von weiteren Zerstörungen während der Hurrikan-Saison verschonen möge. Diese Saison dauert im Atlantik noch bis Ende November. August/September sind üblicherweise der Höhepunkt.

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