Wohnungs-Sharing mit Airbnb : Traumhaus für den Urlaub

Im Grünen: Über das Portal „Airbnb“ angebotenen Domizile, wie dieses Haus einer Künstlerin in der Provence, sind oft schöner und nicht teurer als die Objekte etablierter Anbieter.
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Im Grünen: Über das Portal „Airbnb“ angebotenen Domizile, wie dieses Haus einer Künstlerin in der Provence, sind oft schöner und nicht teurer als die Objekte etablierter Anbieter.

Die Vermietung von Ferienwohnungen über das Portal Airbnb ist sehr beliebt – und hoch umstritten. Auch in MV gibt es zahlreiche Angebote.

svz.de von
16. Juni 2016, 11:58 Uhr

Das Vermieten von Ferienwohnungen unter Privatleuten sorgt derzeit in Großstädten wie Berlin für viel Unmut. Auch Datenschützer und die Steuerbehörden ärgern sich über „Airbnb“. Und doch hat die Initiative etwas zu bieten – auch für Brandenburg-Besucher.

Es war Liebe auf den ersten Blick. Als der Verfasser dieser Zeilen unter www.airbnb.de jenes Haus in der Provence mit dem großen Garten und den lichtdurchfluteten Zimmern sah, war es um ihn geschehen. Nicht billig, aber auch nicht teurer als die Angebote klassischer Ferienhaus-Portale im Netz, versprach das einer Bildhauerin gehörende Domizil ein Urlaubsgefühl der besonderen Art. Also bei Airbnb registriert, Haus reserviert, bezahlt, hingefahren. Fazit: Alles super gelaufen, nette Kontakte geknüpft, gerne wieder. Und das, obwohl die Bedenken vorab groß waren.

Kaum ein Unternehmen im Touristikbereich bekommt derzeit so schlechte Presse wie das kalifornische Start-up, das nach eigenen Angaben mittlerweile zwei Millionen Quartiere in 190 Ländern in seinem Portfolio hat. In Berlin und anderen europäischen Großstädten gibt es Klagen darüber, dass massenweise Wohnungen dem normalen Mietmarkt entzogen werden, weil die Besitzer ihre Quartiere lieber im Netz als Ferienwohnung für Touristen anbieten. Der Bürgermeister von New York klagte schon vor Jahren, dass der Stadt Steuereinnahmen entgehen, weil weniger Besucher ins Hotel gehen. Vielerorts wird bereits mit Gesetzen gegen private Ferienwohnungsbetreiber reagiert.

Der Begriff Airbnb kommt von Air (Luftmatratze) und Bed and Breakfast (Unterkunft mit Frühstück). Grundgedanke der Portalbetreiber ist, jene Menschen zusammenzubringen, die ihre Wohnung zeitweise untervermieten wollen, und jene, die in einer anderen Stadt ein preiswertes und eher unkonventionelles Domizil suchen. Das Portal macht dabei nicht viel mehr, als den Kontakt zwischen beiden Seiten herzustellen, die Buchung abzuwickeln und dafür eine saftige Gebühr zu verlangen.

Datenschutz scheint für das US-Unternehmen ein Fremdwort zu sein. Gastgeber müssen ein Profil mit Foto und Telefonnummer erstellen. Das geht ja noch. Wer ein Quartier mieten will, muss zusätzlich ein Facebook-Profil haben sowie seine Paypal- oder Kreditkartendaten und sogar eine ungeschwärzte Kopie seines Personalausweises hinterlegen. Vor allem Letzteres ist eigentlich unzumutbar und laut deutschen Datenschutzgesetzen sogar verboten. Aber es hält offensichtlich am Ende doch kaum Leute davon ab, sich zu registrieren. Das Unternehmen rechtfertigt die hohen Auflagen als Beitrag zu Vertrauen und Sicherheit zwischen den Vertragspartnern. Jeder soll wissen, mit wem er es zu tun hat. Hat man sich unter großen Bauchschmerzen registriert, folgt der angenehme Teil. Die Quartiersuche in der Wunschregion, ob Provence, Florida oder Uckermark, ist auf dem Portal benutzerfreundlich gestaltet. Viele Fotos und längere Texte zu den Wohnungen oder Häusern vermitteln Eindrücke, die durchaus ein Urteil zulassen. Zu sehen ist auch, wie lange der Vermieter bereits dabei ist, wie ihn frühere Gäste bewertet haben, welche Storno-Bedingungen gelten.

Bei der Recherche kann man durchaus ins Träumen kommen. Sucht man zum Beispiel für Anfang Juni etwas für vier Personen in der Uckermark, stößt man auf das „Dreamhouse mit Sauna“ für 110 Euro pro Nacht, plus Gebühr für Airbnb – bei vier Nächten insgesamt 57 Euro. Auf über 50 Fotos ist der Blick in den 4000 Quadratmeter großen Garten und auf naheliegende Hügel ebenso festgehalten wie jeder Winkel des Wohnzimmers. Für die Gäste gibt es WLAN, Fahrräder und orientalische Küchengewürze gratis. Frühere Besucher loben das Haus geradezu hymnisch. Die Kommunikation mit dem Vermieter wird als sehr angenehm beschrieben. Es gibt viele Angebote dieser Güte.

Anet Hoppe, Geschäftsführerin der Tourismus Marketing Uckermark GmbH, sieht es positiv. „Das ist eine Bereicherung. Über Airbnb kann man Urlaub in Objekten machen, die sonst einfach nicht auf dem Markt sind“, sagt sie. „Wenn Gäste nach eher unkonventionellen Ferienhäusern fragen, dann weisen wir sie auf diese Angebote hin.“ Eine Konkurrenzsituation zu klassischen Anbietern bestehe nicht. „Wir sehen das ganz entspannt. Da nimmt niemand dem anderen etwas weg“, betont Anet Hoppe.

Auch beim Tourismus Marketing Brandenburg sieht man Airbnb als „sinnvolle Ergänzung“ der Urlaubsangebote in der Mark. Das Besondere sei „das Erleben einer oftmals speziellen Wohnatmosphäre“, sagt TMB-Sprecher Patrick Kastner. Aber er hebt auch warnend den Zeigefinger. Das Portal sei nur dann in Ordnung, wenn Kurtaxe und Steuern abgeführt werden. Ein wunder Punkt. Wie genau es die Vermieter mit den Abgaben nehmen, ist völlig unklar. Airbnb selbst hält sich da heraus, weist die Gastgeber lediglich vage darauf hin, dass sie „möglicherweise“ Steuern bezahlen müssen, je nachdem wie viel Gewinn sie erzielen und welche Abgaben vor Ort fällig werden.

Olaf Lücke, Hauptgeschäftsführer des Hotel- und Gaststättenverbands Dehoga in Brandenburg, geht davon aus, dass sich die Mehrheit der Vermieter nicht gesetzeskonform verhält. „Wir wollen gleiche Wettbewerbsbedingungen für alle Gastgeber auf dem Markt. Das ist mit Airbnb nicht gegeben“, stellt Lücke klar. Er verlangt, dass alle Vermieter ein Gewerbe anmelden und sich den oft kostspieligen Brandschutzbestimmungen unterwerfen. „Die Zahl der angebotenen Airbnb-Quartiere in der Mark wächst. Vor allem in Potsdam müssen wir langsam aufpassen“, sagt Lücke.

Mathias Hausding

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