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Pro & Kontra zum Muttertag : Tradition oder altes Rollenklischee?

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Ob ein Strauß Blumen oder einfach mal im Haushalt helfen: Am Muttertag wollen viele Kinder ihre Mutter ehren und sich bei ihr bedanken. Auf den ersten Blick scheint der Muttertag kein kontroverses Thema. Kinder machen ihren Müttern eine Freude – was kann daran falsch sein? Gegner finden, der Tag bediene ausgediente Rollenklischees. Befürworter argumentieren, es sei eine schöne Familientradition. Was spricht dafür, was spricht dagegen?

PRO: Besonders kleine Kinder freuen sich, an diesem Tag ihrer Mutter etwas Gutes zu tun. „Der Tag kann ein Ausdruck kindlicher Bindung an die Mutter sein“, sagt Andreas Engel von der Bundeskonferenz für Erziehungsberatung. Für die Kleinen trifft der Tag mitten ins Herz: Sie zeigen ihrer Mutter, wie gern sie sie haben und sind glücklich, wenn Mama sich freut. Vielen Kindern macht es Freude, etwas zu basteln und dann zu verschenken. „Kinder gehen ganz offen und naiv auf diesen Tag zu“, erklärt Engel. Auch wenn sie eigentlich wegen etwas sauer auf die Mutter sind, vergessen sie das an diesem Tag.

Wer sich an der Kommerzialisierung des Tages durch die Blumenhändler stört, kann den Muttertag zum Beispiel für einen gemeinsamen Familienausflug nutzen. „Dann hat der Tag etwas, das die ganze Familie berührt und wird zum Gemeinschaftserlebnis“, erklärt Engel. Das schafft schöne Erinnerung für alle. Außerdem ist es etwas, das besonders ältere Kinder anspricht, die vielleicht nicht mehr so gern basteln oder ihr Taschengeld nicht für Blumen ausgeben möchten.

KONTRA: Die Idealisierung der Mutter an diesem Tag hat mit der Realität nichts zu tun, sagt Andreas Engel. „Frauen werden auf die Mutterrolle reduziert – das ist ein ganz konservatives Weltbild.“ Außerdem muss man sich fragen: „Wenn die Mutter an einem Tag so überhöht wird, ist das vielleicht auch ein Zeichen dafür, dass ihre Arbeit im Alltag mit Füßen getreten wird.“ Interessant ist auch der Vergleich mit dem Vatertag: Üblicherweise ziehen hier Männer mit reichlich Alkohol durch die Lande. „Das sind schon zwei sehr unterschiedliche Herangehensweisen“, sagt Engel.

Wenn Eltern den Muttertag in der Familie nicht feiern möchten, sollten sie ihren Kindern die Gründe dafür erklären. „Gerade bei kleineren Kindern ist das natürlich nicht leicht, weil sie das möglicherweise gar nicht verstehen“, sagt Engel. Wenn dann noch für den Muttertag gebastelt wird, ist es umso schwieriger. „Es ist gut, wenn in der Familie eine innere Distanz zu dem Tag geschaffen wird.“ Eltern können ihm eine neue Bedeutung geben: Zum Beispiel kann der Muttertag einfach zum Familientag werden.

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