Rezension ARD-Film „Gift“ : Tödliches Risiko?

Szenenfoto mit Heiner Lauterbach und Julia Koschitz
Foto:
Szenenfoto mit Heiner Lauterbach und Julia Koschitz

ARD-Film „Gift“ entfacht Debatte über Gefahr durch Arzneimittelfälschungen und Billigimporte aus Indien & Co.

von
18. Mai 2017, 05:00 Uhr

Es war ein Schocker zur besten Sendezeit: Der ARD-Film „Gift“, ein Thriller über die Machenschaft eines global agierenden Netzwerks von Pharma-Großhandel und Arzneimittelfälschern, dem Interpol-Ermittler durch einen Zufall auf die Schliche kommen. Heiner Lauterbach in der Rolle des Arzneimittel-Händlers Günther Kompalla, Ulrich Matthes als Investmentbanker Matteo Kälin und Maria Furtwängler als Pharmalobbyistin Vera Edwards – ein Drama zwischen München und den Slums von Mumbai über Profit, Gier und tödliche Risiken. Panschen, Fälschen, Abkassieren: Der Film wirft auch die Frage auf, wie es um die Sicherheit von Arzneimitteln in Deutschland bestellt ist. Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) geht in die Offensive und erklärt, dass in Deutschland konsequent gegen Gefahren durch gefälschte Medikamente vorgegangen wurde. „Jeder Fall von gefälschten Arzneimitteln ist einer zu viel. Deshalb müssen kriminelle Machenschaften von Arzneimittelfälschern konsequent verfolgt werden, dazu arbeiten die Arzneimittelbehörden von Bund und Ländern eng mit den Strafverfolgungsbehörden zusammen“, sagte Gröhe gestern im Gespräch mit unserer Berliner Redaktion. „Um Patientinnen und Patienten besser zu schützen, wird es ab Februar 2019 europaweit Sicherheitsmerkmale für verschreibungspflichtige Arzneimittel geben.“ So könnten die Echtheit des Arzneimittels überprüft und einzelne Packungen nachverfolgt werden.

„Damit Verbraucher bei Online-Bestellungen besser geschützt sind, haben wir ein gemeinsames europäisches Versandhandelslogo geschaffen. Daran erkennen Verbraucher, dass sie es mit einem verlässlichen Anbieter zu tun haben“, sagte Gröhe.

Laut Weltgesundheitsorganisation werden im Handel mit gefälschten, minderwertigen und illegalen Medikamenten jährlich weltweit Umsätze bis zu 430 Milliarden US-Dollar erreicht – in Europa gibt es den Angaben zufolge jährliche Steigerungen von 40 Prozent pro Jahr. Es geht um die ganze Brandbreite – von der Anti-Babypille bis zum teuren Krebsmedikament, von Naturheilmitteln bis zu Viagra. „Gefälschte Arzneimittel sind eine Gefahr für die Gesundheit der Menschen. Verunreinigungen, falsche Dosierungen oder unbekannte Zusätze können womöglich lebensbedrohend sein“, erklärte Karl-Josef Laumann (CDU), Patientenbeauftragter der Bundesregierung, gestern im Gespräch mit unserer Berliner Redaktion. „Ich empfehle den Bürgern, Medikamente über die Apotheke vor Ort zu beziehen und mit dem Apotheker zu reden.“

Für SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach ist die Debatte, die der ARD-Film ausgelöst hatte, zwar wichtig. Es bestehe jedoch kein Grund zur Verunsicherung. Die Zahl der gesicherten Fälle von Arzneimittelfälschungen etwa bei hochwirksamen Krebsmedikamenten sei in Deutschland gering, so Lauterbach.


zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen