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Dänemark : Tod im Unterseeboot

vom
Aus der Onlineredaktion

Dänischer U-Boot-Eigentümer sagt aus: Journalistin nach einem angeblichen Unglück im Meer versenkt

Anscheinend hielt der exzentrische Erfinder und U-Bootkapitän M. dem Druck unzähliger Verhöre in der Untersuchungshaft nicht mehr stand. Nun packte er aus. Er habe die vermisste Journalistin Kim Wall vor elf Tagen, angeblich nach einem tödlichen Unglück an Bord, im Meer versenkt, gibt er, laut einer Pressemitteilung der Polizei, zu. Taucher suchen nun gezielt nach der Leiche.

Den genauen Ort habe M. nicht wiedergeben können, heißt es. Er habe die 30-jährige Journalistin irgendwo in der weiten Køge Bugt südlich von Kopenhagen versenkt, so M..

Der gesamte Fall ist so verwickelt und skurril, dass er an einen skandinavischen Krimi erinnert. Am frühen Donnerstagabend des 10. Augusts war der 46-jährige Erfinder mit Wall in seinem selbstgebauten U-Boot „UC3 Nautilus“ in See gestochen. Die freie Journalistin wollte über den prominenten dänischen Tüftler, der drei U-Boote daheim gebaut hatte und als Nächstes unter dem Motto „Amateurs in Space“ mit einer aus Kaufhausartikeln selbstgebauten Rakete 100 Kilometer weit ins Weltall wollte, schreiben.

Am Tag darauf versenkte M. das U-Boot absichtlich, wie die Polizei später feststellte. M. wurde gerettet, doch von der hübschen Schwedin fehlte jede Spur. Auch im danach geborgenen U-Boot war sie nicht mehr. M. behauptete zunächst, er habe sie noch am Donnerstag um 22.30 Uhr vor Kopenhagen an Land gebracht und sei alleine weitergefahren. Davon war auf zwei Überwachungskameras an der beschriebenen Landungsstelle aber nichts zu sehen. M. wurde festgenommen. Dann schwieg er anscheinend einfach, während Walls Eltern und ihr Lebenspartner bangten und hunderte von Rettungsarbeitern und Freiwilligen eine umfangreiche Suche nach der Vermissten mit Booten, Hubschraubern und Tauchern durchführten.

M. sei erleichtert über sein Geständnis, sagte seine Anwältin Betina Hald Engmark gestern dem dänischen Sender TV2. Er wolle nun bei der Suche nach der Leiche helfen, sagte sie.

Die Polizei hat den derzeit bestehenden Verdacht von „fahrlässiger Tötung unter erschwerenden Umständen“ nicht auf „Mord“ geändert. Das bedeutet, dass sie M. zumindest teilweise das angebliche Unglück abnimmt, sagten Rechtsexperten gestern. Dennoch bleibt offen, warum M. die Leiche nach einem tödlichen Unglück versenkt hat und zunächst eine Lügengeschichte auftischte, und warum er dann auch noch sein U-Boot versenkte.

Derzeit ranken sich die unterschiedlichsten Geschichten um das Wesen des anscheinend etwas verwirrten Tüftlers. M. sei als Mensch ein Unikum, sagt sein Bruder Benny Langkjaer Egesö der Zeitung „Expressen“. „Du kannst mit ihm kein normales Gespräch führen, wenn du ihm aber eine schwarze Tafel zum Zeichnen in die Hand drückst, kann er sich über Zeichnungen ausdrücken“, so Langkjaer Egesö. Der eigenbrötlerische M. ist in armen Verhältnissen aufgewachsen. Sein strenger, gefühlskalter Vater war schon 76, als M. gerade zum Teenager heranreifte. „Die beiden redeten ausschließlich über Wissenschaft, nicht über Gefühle“, so der Bruder. Auch heute noch kann M. nur über Technik mit den Geschwistern reden, so der Bruder. „Ein Mann, besessen von Pulver und Raketen. Faszinierend und unvorhersehbar. Intensiv und hyperaktiv. Ein erwachsener Mann , der sich wie ein ADHD-Kind auf Speed verhält“, beschreibt die Dänin Susanne Johansson den ihr bekannten Erfinder in der Zeitung BT.

Mehr Klarheit über M. und die tragischen Ereignisse in seinem U-Boot werden wohl erst das Auffinden der Leiche und eine Obduktion zur Todesursache bringen. Wenn die Leiche überhaupt noch gefunden wird.

 

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