Suche nach Nazi-Goldzug erfolglos : Steine, Erde und gähnende Leere

Die Bagger schaufelten nichts frei.
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Die Bagger schaufelten nichts frei.

Viel mehr haben die Hobby-Schatzgräber bei der Suche nach dem angeblichen Nazi-Goldzug in Polen nicht gefunden. Doch es gibt schon eine neue Idee, wie es weitergehen soll. Eine Hinhaltetaktik, kritisieren Experten.

Das Aufsehen war gewaltig, die Erwartungen enorm, als vor knapp zwei Wochen gelbe Bagger in der Nähe des niederschlesischen Walbrzych (Waldenburg) anrollten. Auf der Suche nach dem sagenumwobenen Nazi-Panzerzug, der in einem unterirdischen Tunnel vermutet wurde, schaufelten sie sich rund sechs Meter tief in den Boden. Doch zum Vorschein kamen nur Berge braunschwarzer Erde und – gähnende Leere.

„Kurz gesagt: An dieser Stelle, auf dem Bahnkilometer 65 gibt es keinen Tunnel und keinen Zug“, sagt der polnische Sprecher des Teams von Hobby-Schatzgräbern, Andrzej Gaik, nach Zuschütten der Gruben. „Das heißt aber nicht, dass es ihn gar nicht gibt“, setzt er gleich hinterher. „Wir geben nicht auf.“ Die Bagger seien zwar abgefahren, doch die Suche noch längst nicht beendet, betont Gaik. Mit einer neuen Methode – seismischen Messungen – will das Team die bisherigen Ergebnisse der Bodenradarbilder, auf denen das deutsch-polnische Schatzgräber-Duo Piotr Koper und Andreas Richter ihre Entdeckung gemacht haben will, überprüfen. Auf die Untersuchung mit Schallwellen würden Bohrungen folgen, sagt die deutsche Sprecherin des Teams, Christel Focken. Doch dafür müssen neue Genehmigungen eingeholt werden. Dies könne mehrere Monate dauern. Doch sie bleibt siegessicher: „Wir würden nicht weitersuchen, wenn wir nicht denken würden, dass dort etwas ist“.

Weniger optimistisch sind die Experten der Bergbauakademie AGH in Krakau. Sie hatten das Gebiet schon im letzten Jahr untersucht. Ihr Fazit: Einen Zug, in dem Nazis, wie es in den Gerüchten heißt, ihre Kriegsbeute vor der Sowjetarmee versteckt haben sollen, gibt es dort nicht. Ein Tunnel dagegen wäre möglich – um das sicher ausschließen zu können, hätten ihre Messungen nicht ganz gereicht. In der Region in Südwestpolen gibt es viele unterirdische Gänge. Die Nazis hatten dort ein großes Stollensystem namens „Projekt Riese“ bauen lassen.

Schlechte Chancen sieht auch der Historiker Tomasz Glowinski von der Universität Wroclaw (Breslau). „Der Goldzug scheint eine Legende zu sein“, sagte er. Es mangele an wissenschaftlich anerkannten Beweisen für seine Existenz. Bisher seien Nazi-Schätze an abgelegenen, schwer erreichbaren Orten gefunden worden - nicht nahe einer großen Stadt in einem an Gleise gebundenen Zug, sagt er. Trotzdem drückt er den Hobby-Schatzgräbern die Daumen. „Die ganze Sache regt die Fantasie ungemein an und ist eine tolle Werbung für Walbrzych und auch die Geschichte“, sagt Glowinski.

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