Extremes Wetter : Spontane Kapriolen - Ist das noch normal?

Das Foto vom 27.03.2006 zeigt die Windhose über Hamburg Harburg.
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Das Foto vom 27.03.2006 zeigt die Windhose über Hamburg Harburg.

Umweltministerin Barbara Hendricks über extreme Wetterereignisse, Klimawandel und Frühwarnsysteme

svz.de von
08. Juni 2016, 21:00 Uhr

Überschwemmungen und sintflutartiger Regen im Süden und Westen Deutschland, jetzt der Tornado in Hamburg – ist das noch normal? Mit Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) sprach Rasmus Buchsteiner über Klimawandel, Frühwarnsysteme und Versicherungen.

Das Wetter in Deutschland scheint außer Rand und Band geraten zu sein. Eine Folge der Klimawandels?
Hendricks: Nicht jedes Wetterereignis ist ein Anzeichen für den Klimawandel. Fest steht aber: Durch den Klimawandel häufen sich diese Ereignisse. Acht der zehn wärmsten Jahre seit Beginn der Wetteraufzeichnungen liegen in diesem Jahrtausend. Mit immer neuen Temperaturrekorden erhöht sich auch die Wahrscheinlichkeit für Wetterlagen, die Extremereignisse begünstigen. Umso wichtiger ist es, die Anpassung an den Klimawandel stärker voranzutreiben. Das nötige Wissen ist vorhanden.

Muss es bessere Frühwarnsysteme geben?
Wir sind ja längst dabei, bessere Frühwarnsysteme zu entwickeln. Anders als beim Flusshochwasser lassen sich spontane Wetterkapriolen wie Starkregen oder Tornados nur sehr kurzfristig vorhersagen. Hierfür brauchen wir auch noch mehr Erfahrung. Die Länder und auch der Deutsche Wetterdienst arbeiten an besseren Vorhersagen und mehr Risikovorsorge. Hier brauchen wir aber auch noch mehr Forschung.

Wie lässt sich in den Kommunen besser vorsorgen?
Gerade in Richtung Süddeutschland sage ich: Die Gemeinden, die jetzt besonders betroffen sind, will ich gerne im Rahmen von Stadtentwicklungsprogrammen beim Wiederaufbau unterstützen und auch bei Maßnahmen, die solche verheerenden Schäden vermeiden oder begrenzen können. Die Starkregenvorsorge muss bei der Planung in den Kommunen stärker mitgedacht werden: bei der Stadtentwicklung, bei der Grünflächenplanung, bei der Entwässerung.

Immer mehr Flächen werden versiegelt, das Wasser hat immer weniger Raum zum Versickern. Wie lässt sich gegensteuern?
Ganz klar: Wir müssen der Natur wieder mehr Raum geben. Jede Überschwemmung setzt ein neues Stoppschild gegen Versiegelung. Zurzeit verlieren wir 70 Hektar pro Tag an unbebauter Freifläche. Hier müssen sich alle verantwortlichen Stellen wesentlich stärker engagieren. Eine Reihe von Kommunen tut dies bereits und hat beim freiwilligen Flächenzertifikathandel teilgenommen. Dieses Instrument wollen wir stärken und als Mittel gegen den Flächenverbrauch verbindlich einführen. Darüber hinaus wollen wir in Zukunft direkt in den Mittelgebirgen und Hügellandschaften ansetzen, wo bei Starkregen schnell viel Wasser in tiefergelegene Gebiete fließt. Dort muss das Wasser wieder besser versickern und zurückgehalten werden können. Dann kommt auch weniger Wasser in die Flüsse. Dazu bereiten wir gerade ein Gesetz vor.

Die Schäden von Unwettern gehen in die Milliarden. Wäre es nicht Zeit, Anwohner in Risikogebieten über eine Elementarschadensversicherung abzusichern?
Die Justizminister der Länder und des Bundes prüfen gerade Modelle für Elementarschadensversicherungen. Ich denke, in einigen Wochen wissen wir besser, ob wir damit wirklich mehr Schutz und Sicherheit für Menschen in Risikogebieten bewirken können. Fakt ist: Eine Pflichtversicherung für Elementarschäden darf nicht zu weniger privater Vorsorge führen.


 

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