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Übersetzungssoftware : Smalltalk auf „Delfinisch“

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

In vier Jahren sollen Menschen mit Meeressäugern reden können. Dazu sollen enorme Datenmengen genutzt werden.

Es klingt nach Science-Fiction und vor allem auch nach Wald Disney. Können wir Menschen uns bald mit Delfinen unterhalten? Die renommierte Köngliche Technische Universität in Stockholm (KTH) und der schwedische Übersetzungssoftwareentwickler Gavagai wollen in einem Vierjahresprojekt künstliche Intelligenz nutzen, um die Sprache der Delfine zu verstehen.

Gavagai beschäftigt sich bereits seit längerem damit, menschliche Sprachen nicht über gewöhnliche Definitionslisten zu übersetzten. Statt dessen nutzt die IT-Firma künstliche Intelligenz, die Sprachen, wie ein Kind, intuitiv aus dem Zusammenhang semantisch erlernt, ohne dass ein Erwachsener Wortbedeutungen ausdrücklich erklärt. Das Programm namens „Gavaiga Living Lexicon“ erschließt sich also über künstliche Intelligenz von alleine Sprachen aus riesigen Datenmengen und generiert daraus Übersetzungswörterbücher für Menschen. Rund 40 Sprachen beherrscht das System schon. Der Dienst ist seit 2015 im Netz frei zugänglich.

Nun wollen die Schweden sich in die Tierwelt begeben. Man hofft innerhalb von vier Jahren über die gleiche Lösungsmethode die künstliche Intelligenz des Computers dazu nutzen zu können, die Pfiffe, Klicklaute und Quietschgeräusche der Delfine für uns Menschen zu entschlüsseln. Weil bislang kein Mensch „delfinisch“ spricht, ist das schließlich der einzige Weg. Für Delfine entschieden sich die Wissenschaftler, weil sie als besonders intelligent gelten und es bereits sehr viel Forschungsmaterial über sie gibt.

„Es ist bekannt, dass Delfine ein komplexes akustisches Kommunikationssystem haben. Wir wissen aber nicht, ob das tatsächlich einer Sprache mit richtigen Silben, Wörtern und Sätzen gleicht“, sagt Jussi Karlgren, IT-Professor an der KTH und Mitbegründer von Gavaiga dieser Zeitung. „Ich möchte deshalb nicht von der Erlernung einer Art Delfinsprache reden. Das ist zu groß und unwissenschaftlich ausgedrückt. Es geht uns darum uns eine Bedeutungsliste für unterschiedliches Pfeifen und Klicken der Delfine zu erstellen“, sagt er vorsichtig. Sollte das gelingen, könnten Menschen mit einem die Geräusche der Delfine nachahmenden Gerät tatsächlich etwas wie ein rudimentäres Gespräch mit den Meeressäugern beginnen. „Ein solches Projekt ist möglich geworden, weil Computer und Datenströme heute viel kräftiger sind, als noch vor wenigen Jahren“, sagt er.

Aus der Delfinforschung ist bereits bekannt, dass die Meeressäuger tatsächlich so etwas wie eine Sprache haben könnten. Mit ihren Geräuschen sprechen sie sich etwa bei der gemeinsamen Jagd, der Verteidigung oder der Paarung ab. Auch ist bekannt, dass jeder Delfin einen eigenen Namen in Form eines Signaturpfiffes hat, an dem ihn die anderen Delfine erkennen.

Die Stockholmer Forscher wollen die künstliche Intelligenz ihrer Computer mit enormen Delfin-Datenmengen aus der ganzen Welt füttern. Da geht es um Geräusche, aber auch Bewegungen und andere Kommunikationsweisen, die für den Computer so kodiert werden, dass er Zusammenhänge erkennt und die Bedeutung dahinter erkennen kann. Eben wie ein Kleinkind, dessen Gehirn noch so schnell und verzweigt arbeitet, dass es eine Sprache in kürzester Zeit aus dem Zusammenhang erlernt.

Sollte es zu einem Durchbruch kommen, was höchst unsicher ist, könnte eine gewaltige Barriere zwischen Menschen und Tierwelt einreißen. Ein Dialog zwischen den Arten wäre zumindest in Ansätzen denkbar. Aber das ist eigentlich schon wieder Science Fiction und vor allem auch Wald Disney.

 

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erstellt am 19.Mai.2017 | 12:00 Uhr

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