Unglück des A 321 : „Sie flog nicht, sie fiel“

Wrackteil des Airbus A-321: Moskauer Experten zufolge soll die Maschine noch in der Luft zerbrochen sein.
Wrackteil des Airbus A-321: Moskauer Experten zufolge soll die Maschine noch in der Luft zerbrochen sein.

Experten suchen nach der Ursache für den Absturz des russischen Passagierflugzeugs in Ägypten

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02. November 2015, 21:00 Uhr

Nach dem schwersten Flugzeugabsturz in der russischen Geschichte mit 224 Toten in Ägypten suchen Ermittler mit Hochdruck nach den Ursachen. Die russische Fluggesellschaft hat eine technische Störung und einen Pilotenfehler „völlig ausgeschlossen“. Die Katastrophe sei durch „mechanische Einwirkung“ erfolgt, sagte Kolavia-Vizechef Alexander Smirnow gestern. Kremlsprecher Dmitri Peskow sagte, er schließe keine Version aus – „vom Terrorakt bis zum Unfall“. Was weiß man, was noch nicht? Eine Bestandsaufnahme.

Hat die Technik des Airbus A321 versagt?
Die sibirische Fluggesellschaft Kolavia betont, die mehr als 18 Jahre alte Maschine sei technisch in Ordnung gewesen. Russische Behörden bestätigen, dass das Unternehmen alle Zertifikate besessen habe. Kolavia-Mitarbeiter Viktor Jung sagte, die Gesellschaft schließe einen Fehler der Crew und eine technische Störung aus. Weder Risse noch ein Ausfall der Systeme oder schlechter Treibstoff hätten das Unglück auslösen können.

Moskauer Medien zufolge wurde das Heck des Airbus jedoch bei einer Landung in Kairo 2001 beschädigt. Sie zitieren Experten mit den Worten, trotz der Reparatur sei dieses Teil eine Schwachstelle geblieben. Dafür spreche, dass das Heck nach dem Absturz rund acht Kilometer vom restlichen Wrack entfernt gelegen habe. Zudem habe die Maschine in den vergangenen Jahren mehrere Besitzer gehabt.

Ist der Hergang der Katastrophe geklärt?
Als unbestritten gilt, dass der Ferienflieger 23 Minuten nach dem Start im Badeort Scharm el Scheich über der Sinai-Halbinsel abstürzte. Ägyptische Behörden berichteten zunächst von einem Notruf der Crew. Dem widerspricht Kolavia-Vizechef Smirnow. Die Mannschaft sei zum Zeitpunkt der Katastrophe „vollständig arbeitsunfähig“ gewesen. Der Airbus habe in weniger als einer Minute massiv an Geschwindigkeit verloren und sei abgesackt. Nach Beginn der Katastrophe konnte die Maschine nicht mehr gesteuert werden, sagt auch Viktor Jung. „Sie flog nicht, sie fiel.“ Meteorologen schließen Wetterturbulenzen als Ursache aus: Zum Unfallzeitpunkt herrschten gute Flugbedingungen.

Wie läuft die Untersuchung ab?
Entscheidende Hinweise erhoffen sich die Ermittler vom Flugschreiber und vom Stimmenrekorder der Unglücksmaschine. Die „black boxes“ werden vermutlich in Ägypten ausgewertet. An den Ermittlungen sollen auch deutsche und französische Experten der Firma Airbus teilnehmen.

Was spricht für einen Anschlag?
Seit Beginn der russischen Luftangriffe gegen Rebellen in Syrien vor einem Monat wächst in Moskau die Angst vor Terroranschlägen als Rache islamistischer Extremisten. Nach der Flugzeugkatastrophe hatte sich prompt ein Ableger der Miliz Islamischer Staat zu einem Anschlag auf das Flugzeug bekannt. Experten bestätigten die Echtheit dieser Mitteilung aber nicht.

Was spricht gegen einen Raketenbeschuss?
Einen Abschuss mit einer Rakete schließen Spezialisten aus, weil die Extremisten im Norden der Sinai-Halbinsel nicht über die nötigen Waffen verfügen sollen. Denkbar wäre indes eine Explosion an Bord der Maschine – etwa einer in den Airbus geschmuggelten Bombe. Zuletzt befeuerten Aussagen der Fluggesellschaft Kolavia Spekulationen um ein mögliches Fremdeinwirken. Doch Klarheit dürfte wohl erst die Auswertung der Flugschreiber bringen.

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